Interview

(N)achtgefragt: Hendrik Bach

Hendrik Bach

Wir stellen jungen Persönlichkeiten der Münchner Kunst-, Kultur- und Partyszene acht Stichpunkte. Sie geben uns Einblick in ihr Schaffen – bei Tag und vor allem bei Nacht. Diesmal: Hendrik Bach

Passau im Jahr 2013: Hendrik Bach gründet gemeinsam mit seinem Bruder Sebastian die Partyreihe ICH BEFÜRCHTE, ICH BIN WACH. Sechs Jahre später hat sich das Motto zu einem über die House- und Technoszene hinaus bekannten Lifestyle-Label gemausert.

Nun will der 31-Jährige in seiner Wahlheimat München das Feld von hinten aufrollen: Er will elektronische Musik einem breiten Publikum erlebbar machen und dabei Synergien schaffen. Der Startschuss fällt mit den Sonntags-Sessions beim Tollwood Sommer Festival 2019.

1. München

Steht es mir als Schwabe zu über München zu urteilen? Also, ich will zumindest ehrlich sein: Ja, ich habe mich, als ich vor drei Jahren von Berlin hergezogen bin, von Klischees leiten lassen und dachte München ist nur die Schickeria, die sich was aus Statussymbolen macht. Doch ich wurde eines Besseren belehrt und habe die Stadt und ihre Bewohner als offen und liebenswert kennengelernt.

2. Eigenart

Als Veranstalter habe ich natürlich auch einen zweiten Blick auf die Münchner und zwar als unser Publikum bei Partyreihen. Die Leute sind mega-entspannt und wollen bei uns einfach eine gute Zeit haben. Für uns natürlich super, denn es gibt eigentlich keine Situationen, in denen es mal Stress gibt – ganz im Gegenteil!

ICH BEFÜRCHTE, ICH BIN WACH-Event

3. Leidenschaft

Schon zu unseren Anfangszeiten in Passau war uns klar: Wir wollen einen Raum schaffen, in dem sich die Leute wohlfühlen. Wir wollen sie zu einem bewussten Feiern führen. Sprich: Sie sollen den Moment erleben – ohne den Konsum von Drogen. Wir bedienen ihre Sinne mit elektronischer Musik und visuellen Elementen, wie 3D-Mapping und Videoprojektionen. Es ist so schön, wenn die Leute nach der Party zu uns kommen und sagen, dass es ihnen gefallen hat und sie die Zeit bei uns sehr genossen haben.

4. Bewegung

Bei unseren Events kann sich jeder frei bewegen, das ist uns wichtig. Dabei geht es nicht nur ums Tanzen – durch unsere visuellen Elemente eröffnen wir eine weitere Wahrnehmungsebene. Solch kreative Prozesse setzen nicht nur beim Publikum etwas in Gang, sie schaffen es auch verschiedene Künstler zusammenzubringen. Darum freue ich mich total, dass Branko Dzakula alias DJ Valour jetzt als Mitveranstalter an unserer Seite ist. Er war auch bei der Rooftop-Session in der MH5 ROOF BAR im Münchner Werksviertel mit dabei und es hat so Spaß gemacht! Mit den Sonntags-Sessions auf dem Tollwood geht es in die nächste Runde – wieder unter freiem Himmel, in der Half Moon Bar.

5. Stillstand

Mit der MH5 ROOF BAR und dem Tollwood haben wir besondere Locations für unsere Veranstaltungen gewinnen können, das ist ein großes Glück. Dahinter steckt ein langer Prozess, bei dem es darum geht Vertrauen aufzubauen und zu festigen – und dann sind da natürlich noch die Auflagen, die nicht gerade den Prozess beschleunigen. Klar, das ist ein wahnsinniger Balanceakt, doch wenn die Qualität stimmt, dann kann elektronische Musik so vielseitig sein. Und vor allem kann sie Grenzen aufbrechen, wo weder Alter noch Herkunft eine Rolle spielen.

ICH BEFÜRCHTE, ICH BIN WACH auf dem MH5-Rooftop im Mai 2019

6. Stammplatz

Wenn man viel um die Ohren hat, genießt man die Ruhe umso mehr. Darum bin ich gerne am Wasser oder auf einer der unzähligen Grünflächen in der Stadt. Ich lasse mich auch gerne auf ungewöhnliche Orte ein, die spontan entstehen.

7. Nacht

Als mein Bruder und ich vor sechs Jahren die ersten Partys in Passau geschmissen haben, hat das Buch „So was von da“ von Tino Hanekamp in so unheimlich vielen Aspekten zu unserem Konzept gepasst. „Ich befürchte, ich bin wach“ ist der erste Satz des Romans und uns war klar: Das ist unser Motto! Es ist doch viel schöner, der Realität mittels Musik und Bilder anstatt mittels Drogen zu entfliehen und das dann auch bewusst – und wach – zu genießen.

8. Morgen

Denke ich an morgen, habe ich Synergien von elektronischer Musik mit Klang-Installationen, Live-Bands oder Orchestern im Sinn. Auch eine Kunstausstellung mit einer Tanzveranstaltung zu verbinden fände ich spannend. Und natürlich neue, ungewöhnliche Locations, wie aktuell bei unseren Sonntags-Sessions. Tollwood und elektronische Musik – das gab es in dieser Form bisher noch nicht! Zusammen mit den Jungs vom K6Kollektiv eröffnen wir – abwechselnd an vier Sonntagen – einem bunten Publikum ein völlig neues Musikerlebnis. Darauf freue ich mich total!

Interview: Sabrina Witte

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