Interview

(N)achtgefragt: Simon Marchner

Simon Marchner

Wir stellen jungen Persönlichkeiten der Münchner Kunst-, Kultur- und Partyszene acht Stichpunkte. Sie geben uns Einblick in ihr Schaffen – bei Tag und vor allem bei Nacht. Diesmal: Simon Marchner.

„Ich bin weder Hochkultur noch Underground“, sagt Simon Marchner über sich selbst. Seinen minimalistischen Stil setzt der 30-Jährige Grafikdesigner und Illustrator in Tour-Postern, Album-Covern und Merchandise für unter anderem Noel Gallagher, Nada Surf, The National und Olli Schulz um.

1. München
…ist meine Wahlheimat. Hier findet der kreative Part statt, der Druckprozess läuft in meiner Heimatstadt Pfarrkirchen in Niederbayern ab. Dort habe ich meine Werkstatt für Siebdruck. Darauf hab ich mich schon im Studium fokussiert und die Technik ist heute Hauptbestandteil meiner Arbeiten.

2. Eigenart
Mit 14 Jahren hab ich angefangen eigene Cover-Ideen für gebrannte CDs zu zeichnen. Für mich war es das meine Art die Musik in Bildern zu spiegeln. Damals habe ich viel Indie und Punk gehört, heute stammen meine Auftraggeber aus allen Musikrichtungen – von Jazz, über Soul bis Elektronik. Vor allem bei den Plakaten sieht man, dass ich meinen eigenen Stil, den ich über die Jahre entwickelt habe, halten will. Dieser Entwicklungsprozess war für mich wie eine neue Sprache zu lernen. So bekommen auch meine Auftraggeber häufig noch mal einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Kunstform. Ziemlich spannend für beide Seiten.

3. Leidenschaft
Siebdruck ist meine Profession. Dabei wird jede Farbe manuell – also einzeln – gedruckt. Das ist zwar sehr zeitintensiv, hat jedoch eine ganz eigene Haptik. Ich versuche daher die Motive aufs wesentliche zu reduzieren und arbeite mit weniger Farben. Ich komme ja aus der Design-Richtung und da ist das Kredo „weniger ist mehr“.

4. Bewegung
In der Hochschule hatten wir eine eigene Siebdruckwerkstatt, da habe ich erfahren, dass es eine eigene Szene von jungen Künstlern gibt, die tagsüber siebgedruckte Gig-Poster herstellen und sie abends bei den Konzerten verkaufen. Da geht es nicht mehr nur um die Ankündigung des Auftritts der Band – die Poster sind Sammlerstücke. Die Künstler stellen bei sogenannten „Flatstocks“ aus, Poster-Conventions auf Festivals, wie dem Primavera Sound Festival in Barcelona oder dem Reeperbahn Festival in Hamburg. Bei beiden war ich dieses Jahr dabei.

Grafiken und Illustrationen von Simon Marchner

5. Stillstand
Ich mag München gerne, aber was Ausstellungen angeht, hab ich hier meinen Platz einfach noch nicht gefunden. Ich bin weder Hochkultur noch Underground – etwas dazwischen gibt es in München nicht. Klar, abgesehen vom Platzmangel sind entsprechende Räumlichkeiten einfach viel zu teuer – oder als Zwischennutzung nur temporär nutzbar, wie das Container Collective. Wieso kann so etwas in München nicht auf Dauer seinen Platz finden?

6. Stammplatz
Früher habe ich meine Plakate selbst am Merchandise-Stand verkauft. Heute bin ich meist „inkognito“ auf den Konzerten der Bands dabei. Im besten Fall noch beim Auftritt meiner Lieblingsband „The National“, für die ich auch schon arbeiten durfte.

7. Nacht
Ich muss kein Fan der Band sein, aber den „Vibe“ muss ich spüren. So weiß ich, in welche Richtung das Motiv gehen soll. Meistens gehe ich gegen Abend noch eine Runde Laufen. Mein kreativer Prozess beginnt zur späteren Uhrzeiten…

8. Morgen
Für mich muss sich die Arbeit natürlich anfühlen, darum versuche ich mir und meinem Stil treu zu blieben. Auch bei meinem nächsten Projekt – der Realisierung von Filmplakaten mit einer Galerie aus Amerika – möchte ich das beibehalten.

Weitere Informationen und Shop unter www.simonmarchner.de

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