Interview

(N)achtgefragt: Marlene Neumann

Marlene Neumann aka VJ Proximal

Wir stellen jungen Persönlichkeiten der Münchner Kunst-, Kultur- und Partyszene acht Stichpunkte. Sie geben uns Einblick in ihr Schaffen – bei Tag und vor allem bei Nacht. Diesmal: Marlene Neumann alias VJ Proximal.

„Für VJ Proximal müsste es eine eigene Kategorie geben“, sagen die Kollegen von Capsolé und dem Harry Klein über Marlene Neumann. Die Künstlerin bewegt sich in ihren bizarren Videowelten zwischen lebensbejahender Morbidität und rosaroter Kitschhölle – und schafft es dabei authentisch zu bleiben. 

Ein Ratschlag, den die 34-Jährige Kunstpädagogin auch den Kindern und Jugendlichen in den Video-Workshop-Sessions im Haus der Kunst mit auf den Weg gibt.

1. München

Die Stadt ist gar nicht so spießig, wie man meint. Sie gibt sich nur bieder. Zwar muss man sich künstlerische Freiräume in der Münchner Underground-Szene schon aktiv erkämpfen, aber man findet sie! Das bedeutet: Vieles privat organisieren – und: Idealist bleiben. Das Schlimmste ist, wenn Kunst beiläufig wird!

2. Eigenart

Mein Motto „Mit dem Kopf durch die Leinwand“ lässt es vielleicht schon vermuten: Ich bin eher der unkonventionelle Typ, der das Kind in sich nicht verlieren möchte. Diese emotionale Kraft findet sich in meinen Visuals. Dabei muss ich dem Publikum nicht meinen Gedankengang erklären, sondern die Bilder stehen erstmal ganz wertfrei da. 

Gerade bei der Arbeit mit Kindern, darunter auch viele aus geflüchteten Familien, merke ich, dass es nicht nur darum geht, ihnen die Technik der Videokunst zu vermitteln. Sie lernen, dass Kunst eine freie Form ist sich auszudrücken. Darum ist es für mich auch absoluter Nonsens Schulnoten in Kunst zu vergeben.

3. Leidenschaft

„Leidenschaft ist der Motor, der Wahnsinn ist das Benzin.“ Klar, als Künstler hat man einen gewissen Leistungsdruck, wenn man gebucht wird. Aber ich bin absoluter Bauch-Mensch und mache nur das, was sich gut anfühlt. Ein Luxus, den ich mir erarbeitet habe.

4. Bewegung

Als ich 2010 nach dem Psychologie-Studium als VJ im Harry Klein angefangen habe, dachten meine Eltern, ich hänge nur in dunklen Ecken der Clubs ab. Heute wissen sie, dass ich als Künstlerin an den maroden gesellschaftlichen Strukturen Kritik übe. Das Wichtigste ist an seinen Träumen dran zu bleiben – für eine schönere Gesellschaft.

5. Stillstand

Die Philosophie der Elektroszene und ihrer Kunstformen hat durch die Kommerzialisierung, zum Beispiel als Stilelemente in der Werbung von Auto- oder Modemarken, stellenweise gelitten. Jede Szene, die liberal gestimmt ist, sollte gerade jetzt nicht stagnieren oder sich verstecken, sie sollte aufstehen und emotional ausbrechen!

6. Stammplatz

Im Club stehe ich mit dem Pult meist Mitten in der Menge. Ich beobachte, wie die Menschen auf das Licht, die Musik und die Impulse reagieren. Diese Eindrücke sind mein kreativer In- und Output.

7. Nacht

Die Nacht ist mein Tag. Ich liebe die Gegensätze: laut – leise, wild – besonnen, und das Sich-selbst-finden in der Dunkelheit.

8. Morgen

Es ist wie ein Paukenschlag ins Gesicht: „Wow, du bist schon da!“ Dann lass ich mich treiben. Und im Hinblick auf das zukünftige Morgen: Ich bin ein ganz schrecklicher Optimist. Es kann nur besser werden!

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