Interview

(N)achtgefragt: Julia Bomsdorf

Julia Bomsdorf

Wir stellen jungen Persönlichkeiten der Münchner Kunst-, Kultur- und Partyszene acht Stichpunkte. Sie geben uns Einblick in ihr Schaffen – bei Tag und vor allem bei Nacht. Diesmal: Julia Bomsdorf vom Kollektiv WUT.

Vor zwei Jahren hat die Münchnerin Julia Bomsdorf (25) das feministische DJ-Kollektiv WUT gegründet, das sich stark macht für mehr Diversität in der Elektro-Szene. Heute organisieren sich 110 Personen bei WUT. Damit Menschen, die dem Mainstream nicht gerecht werden wollen, entspannt feiern können und den Mut fassen, auch selbst in der Szene aktiv zu werden.

1. München
Als gebürtige Münchnerin bekomme ich in anderen Städten hin und wieder Beleidsbekundungen, unberechtigt wie ich finde. Es gibt für Frauen*, Nicht-heterosexuelle oder Menschen mit Migrationshintergrund viele Angebote – die sind nur leider häufig nicht so einfach zu finden. Insgesamt hat aber die Stadt einfach unendlich Potential in sehr vielen verschiedenen Richtungen.

2. Eigenart
Es gibt nichts, was es nicht gibt. Darum richten wir uns an Menschen, die nicht unbedingt zur Mehrheitsgesellschaft gehören oder anderweitig Diskriminierung erfahren, und aufgrund dessen bisher nicht so gute Erfahrungen im Nachtleben gemacht haben. Zu siebt haben wir vor zwei Jahren WUT gegründet und sind heute im „harten Kern“ 25. Dazu organisieren sich 110 Interessierte im “Dunstkreis”. Wir vernetzen uns, tauschen Awareness-Konzepte für Partys aus, veranstalten Workshops, um Wissen und Skills zu teilen. Bei unserer „WUT-Proben“, den regelmäßigen DJ-Kursen für Anfängerinnen, können wir zum Beispiel die Räume und das Equipment der Alten Utting und der Roten Sonne nutzen.

3. Leidenschaft
Eine meiner Leidenschaften ist und bleibt einfach Muik – Techno, Punk, Hiphop und mehr. Doch das Auflegen alleine ist und war mir nie genug. Das Konzept hinter den Veranstaltungen ist wichtig. Wie zugänglich ist die Party? Wer kann sich Eintritt und Getränke leisten? Wir kooperieren mit Clubs wie dem Harry Klein oder der Roten Sonne mit dem Ziel, dass sich auf unseren WUT-Partys alle Wohlfühlen und eine gute Zeit haben.

4. Bewegung
Uns ist wichtig, dass die Menschen sich ermutigt fühlen selbstbewusst zu feiern. Ganz wichtig ist uns deshalb auch der Austausch und die Vernetzung mit anderen Kollektiven. Ich bin froh, dass WUT so gewachsen ist und so viele – zum Teil sogar seit der ersten Stunde – mitmachen.

5. Stillstand
Als nächster Schritt wird anstehen, dass wir den Schritt in Richtung Vereinsgründung wagen. Trotz Unterstützung der Clubs und Förderung des Kulturreferats der Stadt haben wir noch kein einziges mal „Plus“ gemacht. Das ist auch nicht unser Ziel, doch wir übernehmen Verantwortung und gehen auch ein Risiko ein, was zumindest so entlohnt werden sollte, dass wir nicht im „Minus“ rausgehen. 

6. Stammplatz
Lange Jahre war es die „Kiste“ in Schwabing. Heute ist es die Isar – da gehe ich zweimal am Tag mit meinem Hund „Mali“ spazieren. Mein Leben wird immer bürgerlicher (lacht). Wenn es mich doch mal wieder auf ein Getränk nach draußen treibt, dann ist meine erste Anlaufstelle das KOMITEE. ).

7. Nacht
Mein Alltag hat sich von der Nacht in den Tag verschoben. Aufgrund meiner Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit und als Pressesprecherin des CSD bin ich deutlich weniger im Nachtleben unterwegs. Idealerei besteht also meine Nacht nach einem guten Abend aus tiefem Schlaf. 

8. Morgen
Das WUT-Kollektiv ist wie ein Kind, das man aufwachsen sieht. Zu sehen, wie wir gewachsen sind, wie selbstbewusst die Menschen geworden sind und sich entwickelt haben. Die Freundschaften, die entstanden sind – aber auch die kreativen Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die sich ergeben. Ich bin gespannt, was noch kommt.  

Interview: Sabrina Witte

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