Interview

(N)achtgefragt: Dirk Grimm 

Dirk Grimm von Mindzone

Wir stellen jungen Persönlichkeiten der Münchner Kunst-, Kultur- und Partyszene acht Stichpunkte. Sie geben uns Einblick in ihr Schaffen – bei Tag und vor allem bei Nacht. Diesmal: Dirk Grimm von mindzone.

mindzone ist eine Initiative von jungen Partygängern, die über den Konsum von legalen und illegalen Substanzen berät und aufklärt, einer von ihnen: Dirk Grimm.

Mit seinem Team ist der 34-Jährige im Münchner Nachtleben präsent und informiert das Publikum auf Festivals, Veranstaltungen und in Clubs über Drogenrisiken und aktuelle Substanzwarnungen. Das Besondere: die Beratungsgespräche finden unter Gleichaltrigen auf Augenhöhe statt. mindzone setzt dabei nicht auf den erhobenen Zeigefinger, sondern regt zum Nachdenken und Austausch an.

1. München

…ist meine Wahlheimat. Nach München hat es mich mit dem Studium an der KSH verschlagen. Dort habe ich Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Suchtarbeit studiert und nebenbei als DJ auf Elektropartys aufgelegt. Ein Kommilitone hat damals bei mindzone gearbeitet und mich neugierig auf das Projekt gemacht – eine Woche später stand ich dann im Harry Klein als ehrenamtlicher Peer (a.d.R. engl. für „Gleichaltrige“ bzw. „Gleichgesinnte“) am Infostand. Das war 2008, seit 2013 bin ich hauptamtlich einer von drei Festangestellten. Und nicht zuletzt ist München ja bereits seit 1996 Hauptstandort von mindzone. Seitdem haben wir uns gut vernetzt, unter anderem gehören auch der Wannda Circus und der Harry Klein Club zu unseren engsten Partnern.

2. Eigenart

Auf den Partys begegnen uns viele bunte Vögel der Nacht, die – je nach Event – ganz unterschiedlich sind. Deshalb ist es für uns wichtig immer jung und frisch zu bleiben. Gerade darum sind die Peers auch das eigentliche Herzstück von mindzone. Junge Leute, die von uns auf die Arbeit vor Ort entsprechend vorbereitet und geschult werden, und die – eben gerade weil sie in der Partyszene auch aktiv sind – vom Publikum akzeptiert werden. Dabei genauso wichtig ist, dass sich die Interessierten im Gespräch mit ihnen wohlfühlen. Unser 45-köpfiges Team in München ist auf rund 25 Veranstaltungen im Jahr präsent. Am mindzone-Stand informieren wir die Partygäste nach aktuellen wissenschaftlichen Standards über aktuellen Partydrogen, Suchtgefahren und verteilen Infomaterialien.

3. Leidenschaft

Wenn du so einen Job machst, dann brauchst du Leidenschaft. Wenn wir auf Festivals präsent sind, beginnt der Aufbau meist schon vormittags und endet spät in der Nacht – für die Peers ohne Ehrenamtspauschale. Dafür brauchst du Herzblut, und das hat unser Team. Und für mich als DJ im Ruhestand ist es eigentlich mehr Berufung als Job.

4. Bewegung

Circa alle zwei Wochen heißt es: die Einsätze auswählen, mit den Veranstaltern die Details klären, die Standhelfer organisieren, briefen und den Auf- und Abbau planen und durchführen. Da kommen wir richtig in Bewegung! Dazu kommt: Jeder unserer Einsätze ist anders. Wir nehmen die Besonderheiten jeder Party so, wie sie kommen.

5. Stillstand

‚Stillstand ist der Tod.’ Das hab ich schon immer gesagt. Sich eine Auszeit zu gönnen, ist aber wichtig, zum Beispiel um zu reflektieren. Ich bin mega-zufrieden, wenn ich sehe, wo wir nach 23 Jahren mit mindzone stehen. Wir sind hier in München bereits recht gut vernetzt und können unsere Mitarbeiter mit externen Workshops schulen. Mit etwas mehr Förderung können wir auch noch größere Events und alteingesessene Clubs und Veranstalter bedienen. Mein Traum wäre ein mindzone-Zelt mit Chill-out-Floor und Ruhe-Area.

6. Stammplatz

Man findet mich auf einer Technoparty im Neonlicht oder auf hohen Bergkuppen. Klettern ist für mich der Ausgleich zur Arbeit im Nachtleben.

7. Nacht

Nachts passieren die Wunder, darum: Nutze die Nacht!

8. Morgen

Am Morgen nach einem Einsatz geht’s für mich ins Bett. Ich in alt und muss schauen, dass ich den Tinitus aus den Ohren bekomme. Zurück im mindzone-Büro heißt es dann: ‚Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz. Hat etwas am Stand gefehlt? Was können wir beim nächsten Mal besser machen?’ Und, wie gesagt: ‚Stillstand ist der Tod’. Darum: Immer in Bewegung bleiben!

Weitere Informationen auf mindzone.info.

Interview: Sabrina Witte

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