Bar- und Clubschließungen

Clubs und Bars müssen vorerst wieder schließen: So reagiert die Szene

Das Harry Klein in der Sonnenstraße
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Wieder geschlossen: Das Harry Klein in der Sonnenstraße

Bayerns Ministerpräsident Söder hatte es schon angekündigt, im Landtag wurde es am gestrigen Dienstag bestätigt: Clubs und Bars in ganz Bayern müssen bis 15. Dezember schließen. 

Eigentlich sollte es ja keinen Lockdown mehr geben. Doch angesichts der dramatischen Corona-Lage müssen im Freistaat alle Clubs, Bars und Schankwirtschaften ab diesem Mittwoch für die nächsten drei Wochen schließen. Für die restliche Gastronomie wird eine Sperrstunde von 22 bis 5 Uhr festgesetzt. Nach den Sitzungen von Ministerrat und Landtag am Dienstag können diese neuen Corona-Regeln nun in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in Kraft treten. Sie gelten bis inklusive 15. Dezember 2021.

Eine weitere Verlängerung scheint nach der aktuellen Rechtslage ausgeschlossen zu sein, wie Söder in seiner Regierungserklärung im Landtag betonte. Denn nach dem neuen Infektionsschutzgesetz, das nach dem Auslaufen der epidemischen Lage von nationaler Tragweite ab dem 25. November gilt, ist künftig die Anordnung von Ausgangssperren und Beherbergungsverboten oder die pauschale, flächendeckende Schließung von Geschäften, Schulen, Gastronomie oder Sportstätten ausgeschlossen.

Nach der Ankündigung der neuen Maßnahmen durch Markus Söder vergangene Woche hatte sich Alexander Spierer vom Sweet Club am Maximiliansplatz bereits vorausblickend gezeigt und seinen Laden schon am vergangenen Wochenende nicht mehr geöffnet. In einem Statement erklärte er dazu: “Sicherheit und Gesundheit steht über jedem Umsatz oder Party. 2G+ ist der richtige Weg, aber wir müssen jetzt alle Kontakte reduzieren – helft mit und feiert gerade jetzt nicht (vor allem nicht privat). Uns blutet das Herz, aber wir wissen, wir tun das Richtige.”

Auch die Betreiber der gerade frisch eröffneten Kauz Bar (Ex-Cord Club) reagierten prompt und sperrten vergangenes Wochenende schon gar nicht mehr auf. “So gerne wir auch mit euch steil gehen möchten, sehen wir ausgelassene Partys inzwischen einfach als das falsche Zeichen und schließen die Kauz Bar deshalb umgehend auf unbestimmte Zeit”, teilten sie ihren Gästen mit.

Aber es gibt auch andere Meinungen zur Vorgehensweise der bayerischen Landesregierung. Peter Fleming und Peter Süß vom Harry Klein Club erklärten dazu: “Wir haben Zweifel an der Vorgehensweise. In der Pressekonferenz von letzter Woche hatte unser Ministerpräsident eine Begründung angeführt, die schlicht falsch ist. Die Behauptung, Clubs sind Pandemietreiber und hierfür die Angaben der Luca-App zu verwenden, ist lächerlich. Die Zahlen, die Luca geliefert hatte, haben lediglich einen Teil der Presse dazu bewegt eine Schlagzeile daraus zu machen. Da wir Clubs und Spielstätten zur Kontaktnachverfolgung verpflichtet waren, im Gegensatz z.B. zum Einzelhandel, mussten die Zahlen entsprechend sein.”

Zu den Konsequenzen der neuen Regelung fügten die beiden Clubbetreiber an: “Wozu führt das? Die Menschen werden sich wieder verstärkt privat treffen, unangemeldete Partys feiern und es ist fraglich, ob dort dann solche Kontrollen stattfinden. Die Ansteckungen im privaten Bereich werden zunehmen.” Die erneute Schließung würde außerdem die Mitarbeiter und die gebuchten Künstler vor neuerliche Probleme stellen, heißt es aus dem Harry Klein.  

Auch Joachim Paul, der Veranstalter der beliebten “Born to Rock”-Partys auf dem Nachtgalerie-Gelände, fand auf Facebook durchaus deutliche Worte: “Es tut mir leid, die von Herrn Söder verkündeten neuen Regeln haben nichts mehr mit Schutz der Bevölkerung oder sonstigem zu tun. Sondern nur noch mit absolutem Versagen seit Monaten der Regierung. Meine persönliche Meinung! Denn was hätte bei 2G plus (also 2G und zusätzlich getestet) noch groß für eine Gefahr von den Clubs ausgehen können? Keine!”

Weiter beklagte Joachim Paul: “Viele Veranstalter, Gastronomen, etc. hatten lange Geduld, haben alles mitgemacht, alles mitgetragen, mitgeholfen. Und werden wieder mal gleich als erstes von der Regierung fallen gelassen. Absolut kurzfristige Vorlaufzeiten, in sich teils sinnlose Regeln, ungeplantes Vorgehen seit Monaten der Regierung. (...) Nicht missverstehen. Sinnvolle Maßnahmen sind gut. Gemeinsam kämpfen gegen Corona als Gemeinschaft ist gut. Leben retten ist essentiell. Die teils eklatanten Fehler seitens der Regierung in der Handhabung der Pandemiebekämpfung seit über einem Jahr ausbaden zu müssen, ist aber definitiv nicht gut.”

Vor den kurzfristigen Vorlaufzeiten und den sich ständig ändernden Regelungen hat auch das Hard Rock Café München kapituliert. Dort wurde das für Mittwoch angesetzte Konzert von Martin Lidl vorsichtshalber auf den Januar verschoben. Denn niemand wusste so recht, ob in diesem speziellen Fall die Regelung für Restaurants oder für Konzerte gilt. Öffentliche Kulturevents, Konzerte und Sportveranstaltungen dürfen nämlich in den nächsten drei Wochen nur noch mit 25 Prozent der möglichen Publikumskapazität ausgelastet werden. Diese Bestimmung macht viele Events wirtschaftlich nicht mehr tragfähig, weshalb in den letzten Tagen viele Konzerte für diesen Zeitraum abgesagt bzw. auf 2022 verlegt wurden.

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