Neustart im Nachtleben

Clubs eröffnen bald wieder – die Betreiber können es kaum erwarten

Ab 4. März darf endlich auch wieder im P1 Club und im Milla gefeiert werden...
+
Ab 4. März darf endlich auch wieder im P1 Club und im Milla gefeiert werden...

Nach vier Monaten Zwangspause können die Clubs in München am 4. März wieder aufmachen. Wir haben mit einigen Betreibern über die aktuelle Lage gesprochen. 

Am Freitag nach Fasching soll es laut Politik so weit sein, dass Clubs in ganz Bayern wieder Gäste empfangen dürfen, wenn auch vorerst noch nach den strengen 2G-plus-Regeln. Dieses Vorhaben steht natürlich noch unter dem Vorbehalt, dass die Inzidenzzahlen sich weiterhin positiv entwickeln. Wenn sich in den nächsten Tagen also keine weitere Corona-Welle aufbaut, können sich Genesene und Geimpfte ab 4. März mit einem negativen tagesaktuellen Test wieder ins Nachtleben stürzen. Nachweislich Geboosterte kommen auch ohne Test rein.

Die Münchner Nightlife-Köpfe und Konzertveranstalter zählen schon die Tage und freuen sich auf ihren beruflichen “Freedom Day”. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen, wie sie die momentane Situation einschätzen und wie genau es bei ihnen weitergeht.

Frank Bergmeyer vom Strom Club sagte uns: „Wir hauen auf die Kacke ab dem 4. März. Gleich als erstes lege ich zusammen mit Tobi auf. Es gibt eine Netzer-Nacht mit uns. Dann folgt sogleich die Casino Night, die ist brandneu und heißer geht es nicht! Dann natürlich geht es weiter am 26. März mit der Visions Party mit DJ Albert Royal, die in dieser Nacht auch ihren 15. Geburtstag feiert. Dann startet im April, gleich schon am 2. April, die Eighties-Nacht Dancing With Myself.”

Bei den Clubnächten geht’s also wieder mit Vollgas los, aber was ist mit Konzerten im Strom? Bergmeyer dazu: „Mit den Konzerten sieht es nicht gut aus: Wenn es bei 2G+ und Maske auf bleibt, werden wir keine Konzerte bei uns veranstalten. Kultur, wie wir sie machen, ist kein Interesse der Politik, das regt mich wirklich auf! Auch als nach zwei Monaten Clubbetrieb damals wieder Schluss war, ist das wie ein Schlag von hinten gewesen, während man schon wieder nach vorne blickt. Alles bricht zusammen wie ein Kartenhaus. Man war euphorisiert damals und man kann nur hoffen, dass es diesmal nicht so wird. Es geht auch darum, dass wir Waren bestellen und dann irgendwann alles abläuft. Jetzt haben wir alles und es kann losgehen, nur den Bierpreis werden wir voraussichtlich auf 4,40 Euro oder 4,50 Euro für die Halbe Helles erhöhen müssen. Beim Personal gibt’s große Engpässe bei meinem Bergwolf, aber keine Engpässe beim Strom. Da steht das Team zusammen wie in der Arche Noah, die über alle Wellen geglitten ist. Das passt auch perfekt, denn irgendwie sind wir ja auch die Independent Arche Noah!“

Im Independent-Boot sitzen auch die Macher des Milla Clubs, wobei sie im März mit Konzerten anfangen und dafür die Clubnächte wohl noch ruhen lassen. Bookerin Conni Breinbauer erklärte gegenüber unserer Redaktion: „Aktuell geht es am 10. März mit einer Veranstaltung vom Club 2, dem Konzert von Douglas Dare, los. Und dann fangen wir mit unserer ersten Eigenveranstaltung am 23. März an – Austrofred ist zu Gast. Dann, Ende März, starten wir voll mit Konzerten durch. So spielen bei uns zum Beispiel die Milliarden am 29. März und Current Joys am Tag darauf.”

Und die DJ-Abende im Milla? „Konkrete Clubnächte sind noch nicht raus, aber wir hoffen auf bald! Momentan sind wir noch auf der Suche nach Verstärkung und zwar in allen Bereichen von Bar bis Tür. Wir sind allen dankbar, die sich melden. Aber am Personalmangel wird bei uns der Club- und Konzertbetrieb nicht scheitern! Die lange Zeit haben wir übrigens genutzt, um die ein oder andere Stelle instand zu halten. Und ein neuer Boden wurde verlegt, der freilich wieder leicht schief sein musste. Zudem haben wir einen Milla-Sampler gemacht: Denn obwohl der Club geschlossen sein musste, wollten wir nach Außen gehen. Den Sampler gibt’s im Club oder per Post.“

Der Milla Club ist ja relativ klein, vor allem im Vergleich zu großen Tanztempeln wie dem Neuraum oder der Nachtgalerie. Die Betreiber von der Craft Veranstaltungs AG planen, beide Diskotheken pünktlich am 4. März wieder aufzusperren. Fürs erste Wochenende im Neuraum gibt’s die Tickets nur im Vorverkauf. “Und die sind für beide Tage wahrscheinlich heute Abend schon ausverkauft. Wir gehen momentan davon aus, dass wir wie an den acht Wochenenden im Herbst Vollauslastung mit 2G+ machen können”, berichtet Mitbetreiber Richard Distler.

Das Interesse bei den Stammgästen ist also riesig, von großer Vorfreude kann bei Distler aber noch nicht die Rede sein: “Die Euphorie ist noch nicht da. Kann man sich freuen? Die Angst schwebt immer mit, weil man von äußeren Faktoren so abhängig ist, und das Grundvertrauen in die Politik fehlt inzwischen. Was das Personal angeht, so haben wir nach der erneuten Schließung im November nur etwa 20 Leute verloren. Als wir im vergangenen Herbst wieder kurzzeitig aufmachen durften, mussten wir 170 Leute neu einstellen.” 

Mehr Vorfreude ist im P1 zu verspüren. Die Macher postulieren “Unlock the club” bereits für Donnerstagnacht um 0.01 Uhr und wollen “größer, lauter und wilder als je zuvor” feiern. “Loud & proud 2.0” heißt das Opening-Motto, mit dem der Club aus dem unfreiwilligen Winterschlaf geholt werden soll. Von Mittwoch bis Samstag ist der Eintritt bis 22 Uhr frei, die Studio-Area ist bereits ab 20 Uhr geöffnet. “Das frühere Öffnen hat sich bei uns bewährt. Die Leute gehen inzwischen gern früher aus und wollen bei uns noch eine Pizza genießen, bevor die Party losgeht”, erklärte P1-Geschäftsführer Sebastian Goller am Telefon. Und gab uns schon mal einen Tipp für Ende März: Dann soll nämlich der P1-Geburtstag groß gefeiert werden, und zwar am 31. März. Also hoffen wir mal für alle Beteiligten, dass Corona auch wirklich früh in die Sommerpause geht …

Autor*in: Birgit Ackermann & Alex Wulkow