Interview

DJ-Comeback: Sir Hannes kehrt zurück

Deejay Sir Hannes

Keller, Atomic Café, Strom, Cord Club, Milla, DJ Sir Hannes ist lange fest im Münchner Indie-Universum verwurzelt. Bevor er nach fast drei Jahren Pause wieder da ist haben wir ihn gesprochen.

Wie kommt es zu Deinem Comeback als DJ? Du hattest Dich ja eigentlich vom DJ-Pult verabschiedet…

Sir Hannes: Es ist wie ein Phantomschmerz, wenn man nicht auflegt. Ich habe toujours 20 Jahre lang aufgelegt. Irgendwann hatte ich – beinah aus einer Laune heraus – an einem Sonntagmorgen beschlossen, das war’s, damals vor knapp drei Jahren. Aber ich hätte niemals gedacht, dass es mir so sehr abgehen würde. Ich habe eine neue Energie in dieser Zeit bekommen und sie hat fast schon eine Euphorie ausgelöst, die es mich schaffen lässt, wieder beziehungsweise weiter aufzulegen. Da, genau zu dem Zeitpunkt, kam Henning Furbach auf mich zu, ob ich Lust hätte, im Folks! Club mit ihm aufzulegen. Und das ist jetzt wieder ein schöner Anfang!

Weißt Du schon, was das erste Lied sein wird, das Du nach Deiner Abstinenz auflegen wirst?

Sir Hannes: Ich lege immer spontan auf. Ich habe nie einen Plan. Man kann sogar sagen, ich hatte beim Auflegen nie einen Plan und ich werde nie einen haben… (lacht). Es gibt natürlich Ideen und bestimmte Lieder, die ich auf alle Fälle spielen werde. Der Abend im Folks! Club fängt ja mit drei Bands an, da kann es schon sein, dass der Laden voll ist und wir von Anfang an Gas geben werden. Es ist auf jeden Fall anders, als wenn man um 22 Uhr anfängt und noch niemand da ist. Meine erste Idee ist immer, wenn ich aufgebaut habe, was könnte ich spielen, was könnte zur Atmosphäre passen und dann suche ich mir das Lied aus. Ich finde das erste Lied weniger wichtig, als die Tatsache, dass das ganze Programm, das ich auflege insgesamt gut sein soll; der Aufbau, die Übergänge, auf alles kommt es an.

Kannst Du aber ein paar Bands nennen, die zu hören sein werden?

Legendär: Indie-Party im Atomic Cafe

Sir Hannes: Meine Klassiker wie Two Door Cinema Club oder Cage The Elephant werde ich spielen. Desmond & The Tutus habe ich entdeckt, die sind etwas rauer, aber megagut. Dann Metronomy – sie haben meine CD des Jahres 2019 gemacht. Da sind Tanzhits darauf und alles ist gut produziert. Das Motto von der Veranstaltung „Bouncing Ballroom“ ist es auch, ein paar ältere Nummern mit Neuen zu mischen, also für Leute die alte Zeiten hochleben lassen wollen, wie Atomic Café oder Keller. Wo hast Du das erste Mal aufgelegt?

Sir Hannes: Das war im Pulverturm, gefolgt vom Keller 1997. Nach dem Radiohead Konzert hat mich der damalige Keller Resident-DJ Marc Liebscher gefragt, ob ich für ihn einspringen kann, da er die Kasse beim Konzert gemacht hat. Ich habe damals wie heute auf anspruchsvollen Indie gesetzt. Habe immer geschaut, wer wann tanzt, wann die Leute jubeln und solche Lieder lege ich mir auch zurecht. Wenn ich andere DJs gesehen habe, bei denen die Leute ausflippen, habe ich immer gedacht, genau da will ich auch hin. Aber freilich auf meine Art, denn ich möchte niemand kopieren.

Dann bist Du auch im Atomic Café, das im Januar 2020 genau 22 Jahre alt geworden wäre, Resident-DJ gewesen…

Sir Hannes: Ja, das waren fast 18 Jahre. Das ist ein ganzes Leben, oder? Da gab es unendlich viele schöne Momente. Ganz klar ein Highlight war es für mich, mich mit dem Sänger von der Band Nada Surf zu unterhalten. Und es lief im Hintergrund „Where Is My Mind“. Anscheinend wusste er nicht, wer das ist und hat mich gefragt, welche Band da gerade läuft. Ich: „Das sind die Pixies…“ Das witzige kommt noch und war, dass ein halbes Jahr später ein Pixies-Tribut-Album veröffentlicht wurde und darauf Nada Surf „Where Is My Mind“. Das war für mich wirklich ein toller Augenblick.

Dein Leben besteht viel, man kann fast sagen fast nur aus Musik.

Sir Hannes: Das ist wirklich so: Ich bin nicht nur DJ, höre fast immer Musik, sondern arbeite auch in einer Musikabteilung. Deine Zukunft als DJ? Sir Hannes: Als erstes ist es meine Aufgabe, Musik zu entdecken und mein Publikum Musik entdecken zu lassen. Wenn ich einem 20 Jährigem etwas älteres vorspiele, kann es sein, dass es für diese konkrete Person auch neu ist. Neuer Input. Neue Lieder, neues Glück. Vielleicht sind die zwanziger Jahre genau der Aufbruch, den man gerade braucht. Ich finde es schön, halbe Sachen gibt es bei mir nicht. Viele machen ihre Party daheim, weil es günstiger ist, so zu feiern. Aber ich finde nichts schöner, als in einen Club zu gehen, zu tanzen und die Leute zu beobachten.

Was war die beste Indie-Zeit? Britpop?

Sir Hannes: Mit Oasis, Blur, Suede und anderen Bands wie Bluetones, Gene, Geneva, Shed 7, JJ 72 war die Geburtsstunde vom Britpop, eine tolle Zeit! Später gab es Britpop in dieser Form nicht mehr, aber wo sind die Grenzen? Ich will einen coolen Abend mit besonderer Musik, das ist das Gerüst. Es soll Spaß machen und eine gute Mischung haben – natürlich im Indiebereich.

Darf man Dich als DJ fragen während Du auflegst, was gespielt wird?

Sir Hannes: Also, Wünsche und Nachfragen sind sehr willkommen. Klar, dass die Leute wegen Shazam weniger nach fragen. Aber wenn ich mitbekomme, dass auf diese Art und Weise geschaut wird, was ich auflege, freue ich mich auch. Fragen sind fast immer eine Bestätigung. Und wenn Wünsche passen, spiele ich sie auch!

Bouncing Ballroom, Folks! Club,  Thalkirchner Str. 2
Sa., den 25 01., ab 23 Uhr, www.munich-folks.com

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