Interview

Forster & Muallem: Die Blitz-Macher im Interview

Einen knappen Monat sind Blitz Club und Restaurant nun geöffnet und wir haben die kreativen Köpfe Sandra Forster und David Muallem zum Gespräch gebeten.

Mit dem Blitz wurde München mit einem Club und einem Restaurant beschenkt, die es ermöglichen, jeden Tag neue Entdeckungen zu machen, die Sinn und Verstand gleichermaßen stimulieren. Auf der einen Seite haben wir das Restaurant, das mit südamerikanischer, vegetarischer Küche die Vielfalt eines ganzen Kontinentes präsentiert, aber auch so viel mehr bietet, als nur ein kulinarisches Erlebnis.

Manches sieht man gar nicht, sondern das muss man sich erzählen lassen; zum Beispiel bildet man hier im Rahmen eines Satelitenprojektes des Ausbildungsrestaurantes Roecklplatz 6 junge Flüchtlinge aus. Anderes das Mittagsangebot „Blitzeria“, das am 1. Juni startet, das kann man unmittelbar genießen, am besten im Biergarten des Restaurants, der der einzige in der Stadt ist, in dem man direkt an der Isar sitzen kann.

Auf der anderen Seite haben wir den Club, der mit einem so klaren, gradlinigen Konzept überrascht, das man in München selten sieht. Jede Oberfläche, jeder Raum, jedes Stück Technik ist darauf ausgerichtet die Musik erlebbar zu machen. Daher rührt auch ein Fotografier- und Telefonverbot – man will den Gast von den vielen Ablenkungen lösen und ihn voll in die Welt des Klangs und Tanzes entführen.

Was noch alles hinter dem Blitz und seiner Ideologie steckt, das haben uns zwei der Kreativköpfe hinter Club und Restaurant, David Muallem und Sandra Forster erzählt.

Wie würdet ihr das Blitz in seiner Gesamtheit beschreiben?
Sandra: Es gibt letztendlich kein übergreifendes Konzept. Es gibt einen Dance-Music-Club und ein vegetarisches Restaurant. Jeder macht hier das, was er am besten kann und das machen wir zusammen. Man kann im Restaurant essen gehen und danach geht es in den Club.

Sandra Forster

Qualitativ bewegt sich alles auf einem sehr hohen Niveau – im Restaurant bekommt man besonders gute Weine, gute Cocktails und natürlich gutes Essen, und der Club führt das Konzept der hohen Qualität fort, da geht es nur um andere Dinge – Musik, das Sounderlebnis und hochqualitative Drinks.

Wie seid ihr in dieser Konstellation zueinandergekommen?
Sandra: David und ich sind bereits seit Urzeiten miteinander befreundet und wir wollten eigentlich immer schon mal was zusammen machen. Mit den anderen Jungs (Anm. d. R. Branimir Peco, Jisho Lang, Robert Lorenz) bin ich ja schon in diversen Partnerschaften. Als irgendwann klar war, dass der David aus dem BobBeaman rausgehen wird, und wir zu dem Zeitpunkt auch das Kong verkaufen wollten, war der richtige Moment gekommen, endlich gemeinsam etwas zu machen.

David Muallem

David, du warst lange im BobBeaman Kreativdirektor – nun hast du wieder ein Projekt, das deine deutliche Handschrift trägt – inwiefern beeinflusst dich deine Vergangenheit im Bob oder auch deine Nähe zum Berghain – der Vergleich mit dem Berghain wird ja durchaus öfter gemacht?
David: Im BobBeaman hatte ich sehr viele Freiheiten und ich bin dann gegangen, als sich abgezeichnet hat, dass ich die nicht mehrhaben werde. Das was ich hier ins Team einbringe, basiert auf meinen 20 Jahren Erfahrung in den Bereichen Dance-Music, Nightlife und Clubgeschehen, sowie meiner Arbeit als Produzent und DJ, aber auch als jemand der einfach gerne ausgeht und tanzt.

Kurz: die Passion und Liebe zu dem großen Ganzen. Für mich ist das besondere, das wir zwar ein Team sind, in dem jeder seinen abgesteckten Schaffensbereich hat und wir uns alle individuell verwirklichen können, aber wir pflegen eben auch einen intensiven Austausch, der enorm bereichert und das ganze wirklich spannend macht.

Zum Berghain-Vergleich. Das hören wir natürlich viel und ich glaube, das liegt vor allem an der Optik des Gebäudes. Sobald man einmal an der Fassade des Blitz vorbei ist, merkt man aber recht schnell, dass wir nichts mit dem Berghain zu tun haben. Sicherlich Dinge gibt es Dinge, die einen am Berghain inspirieren, aber eben so, wie es aus vielen anderen Clubs auf der Welt Dinge gibt, die mich inspirieren. Ideologisch sind wir uns natürlich sehr nahe – aber die Dance-Musik-Kultur ist eine internationale Bewegung und da gibt es viele Clubs auf der Welt, mit denen wir die Ideologie teilen.

Mit welcher Vision bist du an dieses Projekt rangegangen? Gab es ein Credo, wie „so muss mein Club sein“, dass du verfolgt hast?
David: Für mich ist ein Club ein Werkzeug. Der Sinn eines Clubs ist nicht der Club selbst, sondern er dient etwas. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem wir die Leute voll in die Welt der Dance-Musik einbinden – sie aus ihrem Alltag rausholen, damit sie loslassen und Grenzen überwinden können, einfach so sein können, wie sie sein wollen.

Wir haben hier auch nicht eine super Anlage reingebaut, um sagen zu können „hey, wir haben hier eine super Anlage“, sondern, weil wir fest daran glauben, dass du mit einer solchen Anlage die Menschen voll in den Bann der Musik ziehen und sie damit auch leichter zueinander führen kannst. Das hat alles etwas sehr Spirituelles – Tanzen ist einfach spirituell und eines der ältesten Rituale der Menschheit.

 Wenn wir uns dann wiederum das Restaurant ansehen, ist der Grundgedanke ähnlich, denn auch Essen und Genuss können spirituell sein. Bei uns allen geht es um mehr. Sandra zum Beispiel führt auch nicht einfach vegetarische Restaurants, weil es vielleicht gerade trendy ist, sondern da steckt unglaublich viel dahinter.

Sandra: Ich suche immer nach neuen Möglichkeiten vegetarisches Essen sexy und spannend zu halten. Man ist mit einem vegetarischen Restaurant ja leider etwas in einer Rückenlage, dadurch dass man durch die Ausrichtung viele Leute abschreckt, die dann nicht kommen. Das ist eine ganz schöne Herausforderung und man muss sich immer wieder etwas Neues ausdenken.

Wir haben uns für die südamerikanische Küche entschieden, da man sich am kulinarischen Reichtum eines ganzen Kontinents bedienen kann. Südamerika hat eine tolle Vielfalt an frischen Produkten und exotischen Obst- und Gemüsesorten. Als einziges Restaurant in München haben wir auch eine eigene Zuckerrohrpresse, die wir für unsere Daiquiris und anderen Cocktails verwenden. Das nächste Highlight: ab dem 1. Juni werden wir dann auch mittags aufhaben und unseren Biergarten eröffnen.

Gibt es auch Pläne den Biergarten als Außenbereich für Club zu nutzen?
David: Nein, den Biergarten werden wir nicht nutzen. Wir denken aber natürlich auch über weitere Nutzungsmöglichkeiten nach, aber das ist alles Zukunftsmusik. Im Moment überlegen wir aber wie wir mit den Räumen, die wir jetzt haben, arbeiten – wie man sie bespielen und gestalten kann. Es gibt ganz viele Ideen und Konzepte, an denen wir uns ausprobieren wollen, aber wir haben jetzt gerade mal vier Wochen auf und da gibt es natürlich zunächst einmal tausend Sachen, die man finetunen muss.

Sandra: Man darf auch nicht vergessen, was im Vorfeld alles geleistet worden ist. Wir haben sehr strenge Auflagen von der Stadt bekommen und man kann eigentlich sagen, dass gut 80 Prozent unserer Zeit und unseres Geldes in Dinge geflossen ist, die man nicht so unmittelbar wahrnehmen kann. Das größte Thema ist die Sicherheit unserer Gäste, das ist etwas, was man nicht direkt „genießen“ kann, aber was den Blitz wahrscheinlich zum sichersten Club der ganzen Stadt macht.

David: Es wurde hier unglaublich viel gearbeitet. Und es ist ja oft so, dass Projekte, die nicht endlos laufen, mit einem Minimalaufwand betrieben werden. Wir wollten, dass alles stimmt, auch wenn vielleicht nach 5 Jahren Schluss ist.

Es gibt in München eine gewisse „Berlin-Sehnsucht“ – wie empfindet ihr das?
Sandra: Ich muss dieser These ganz vehement widersprechen. Ich finde Berlin nicht nachahmenswert. Oft sind es Journalisten, die diesen München-Berlin Vergleich machen und ich verstehe nicht, wie man zwei so unterschiedliche Städte überhaupt miteinander vergleichen kann. Ich sehe auch nicht, dass die Leute so eine Sehnsucht haben.

David: Ich bin ein bisschen anderer Meinung – ich liebe Berlin und ich liebe große Städte… Die Vergleiche verstehe ich allerdings auch nicht. Jede Stadt hat einen anderen Vibe, einen anderen Kontext und eine andere Kultur. Solche Vergleiche sind immer ein Quatsch.

Ich finde wichtig, dass man in seiner Stadt etwas macht und das gut macht und damit ein eigenes Zeichen setzt. Mir ist aufgefallen, dass die Münchner selber aber gerne über ihre eigene Stadt herziehen und man oft so Sätze wie „in Berlin ist es viel besser“ hört. Wir haben hier leider so ein bisschen eine Motzkultur. Das sehe ich auch in der Clubkultur.

Viele Leute verstehen hier einen Club als ein Produkt, das man fertig kauft und das stimmen muss, und das hat nichts mit meinem Verständnis von Clubkultur zu tun. In einem Club kommen viele Individuen zusammen und formen gemeinsam etwas. Ich glaube, dass jeder Mensch, der einen Club betritt eine Verantwortung hat, den Club mitzugestalten, damit der zu etwas wird, dass er oder sie haben und erleben möchte.

Wenn jeder mit einem offenen Herzen in den Abend reingeht und darauf achtet, dass die Menschen gut miteinander umgehen, dann ist der Vibe auch magisch. Das ist für unsere Türsteher ein wichtiger Aspekt und die Aufgabe – wir wollen Gäste bei uns haben, die mit dem richtigen Vibe kommen und Lust haben gemeinsam den Abend zu gestalten. Da geht es dann nicht darum jemanden nach Äußerlichkeiten zu mustern, sondern zum Beispiel auch mal mit ein paar Worten rauszufinden, ob der Gast zum Blitz und zu unserer Ideologie passt.

BLITZ Club, Museumsinsel 1, Do bis Sa ab 23 Uhr, www.blitz.club

BLITZ Restaurant, Museumsinsel 1, Di bis Sa 11 bis 15 Uhr & 18 Uhr bis 1 Uhr, www.blitz.restaurant

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