Lesungen

Die interessantesten Lesungen der kommenden Wochen auf einen Blick

Kriminell: Bernhard Aichner

Wer leicht Angst bekommt, sollte die Tage in den sicheren vier Wänden bleiben

Diese Stadt rühmt sich ja gerne, besonders abwaschbar und verbrechensfrei zu sein. Wenn also mal wirklich – abseits des besorgten Blicks in den Mietspiegel – Angst und Schrecken verbreiten werden soll, braucht man schon einen Crime Day. Zu selbigem lässt die Bertelsmann-Gruppe, zu der neben den RTL-Sendern und dem in München ansässigen Großverlag Random House unter anderem auch der Hamburger Verlag Gruner + Jahr zählt, so richtig die fiesen Muckis spielen. Hoch im Norden hat man die urdeutsche Lust am Verbrechen schon länger erkannt und dem „Stern“ den Magazinableger „Stern Crime“ gegönnt, in dem reale Mordfälle noch einmal aufgedröselt werden.

Im Fiktionalen drücken nun die Stars der Branche auf die Tränendrüse – und das gesammelt an einem Tag und einem Tatort. Bestseller-Autoren wie Marc Elsberg, Melanie Raabe, Karsten Dusse und Charlotte Link diskutieren hier in Talkrunden über die Faszination des Bösen. Und Star-Schriftsteller wie der Österreicher Bernhard Aichner, Elisabeth Herrmann, Ellen Sandberg und Sabine Thiesler lassen tief blicken und berichten aus ihren Krimi-Werkstätten. Außerdem darf natürlich auch das Publikum den niederen Trieben freien Lauf lassen – etwa bei den Interaktiv-Formaten „Battle of Books“ und „True Crime oder Fiction?“. Höhepunkt des Abends ist dann nervenaufreibender Theater-Kitzel: Die Schauspieler Ulrich Tukur und Christian Redl bringen in einer inszenierten Lesung zwei Verhör-Situationen auf die Bühne. (Alte Kongresshalle, 9.2.)

Mit den harten Ermittlerrollen, lange im brillanten Münchner „Polizeiruf 110“, kennt sich natürlich auch Matthias Brandt aus. Der Star-Mime, der auch gut schreibt, hat allerdings deutlich mehr Facetten – etwa die intimen WortMusik-Collagen an der Seite von Jens Thomas. Mit „Psycho – Fantasie über das kalte Entsetzen“ und „Life – Raumpatrouille & Memory Boy“ sind die beiden schon über die Bühnen geturnt. Nun blättern sie in der „Krankenakte Robert Schumann“. In dem neuen Projekt nehmen sie sich die psychisch höchst instabile Künstlerpersönlichkeit vor. Schumanns fixe Idee, wahnsinnig zu werden und seine depressiven Schübe sind natürlich ein Fest für Einfühlungskünstler. Und so rezitiert Brand, während Thomas dazu am Klavier improvisiert. (Volkstheater, 14.2.)

Ebenfalls nichts zu tun mit dem großen Crime Day hat die Mord im Maschinenraum-Lesung, die aber selbstverständlich trotzdem höchst spannend werden dürfte. Immerhin haben hierfür die „Mörderischen Schwestern“ das Boot gekapert. Carmen Mayer führt durch einen Abend, der auch Hartgesottene frösteln lassen dürfte. (Alte Utting, 16.2.)

An den bislang eher als malerisch, denn mörderisch bekannten Chiemsee entführt der Autor Thomas Bogenberger sein schauerlustiges Publikum. Er stellt mit „Hattinger und die Schatten“ den mittlerweile bereits dritten Fall für seinen Kommissar vor, der im Fernsehen vom Ex-„Tatort“-Ermittler Michael Fitz verkörpert wurde. (Gleis 1, 9.2.)

Entspannung dringend benötigt? Aber bitte! Auf den Hund gekommen sind die Piper-Verlegerin Felicitas von Lovenberg, die Kammerspiele-Schauspielerin Annette Paulmann und der umtriebige Kulturforscher C. Bernd Sucher. Sie haben unter dem putzigen Motto Die Damen (und der Herr) mit dem Hündchen einen Leseabend über die besten Freunde der Menschen, die oft allerdings auch stinkende Bestien sein können, zusammengestellt. Dabei muss natürlich Loriots Mops-Leidenschaft zur Sprache kommen, ebenso „Der Hund von Baskerville“ und der furchterregende Rüde Fang aus „Harry Potter“. Wuff! (Literaturhaus, 6.2.)

Ohne scharfe Schäferhunde keine Machtgelüste. Davon weiß Klaus Theweleit zu berichten. Vor 40 Jahren hatte er sich mit seinen „Männerphantasien“ an die noch immer spannende tiefenpsychologisch-sexuelle Aufarbeitung der NS-Zeit und der Weimarer Republik gewagt. Angesichts neuer scheußlicher Umtriebe lohnt es sich sehr, dem Zausel-Soziologen mal wieder ein Ohr zu schenken. (Literaturhaus, 11.2.)

Wie man praktisch eingreift, könnte man allerdings auch von Philipp Möller, dem selbsternannten „Weltretter-Praktikant“, lernen. Er hat zuletzt das neue Standardwerk „Isch geh Bundestag – Wie ich meiner Tochter versprach, die Welt zu retten“ vorgelegt. Nun berichtet er, ob das alles funktioniert hat. (NuLounge, Otl-Aicher-Str. 70, 13.2.)

Zum Abschluss noch ein schön unrundes Jubiläum: Der legendäre Substanz Poetry Slam feiert seinen 24. Geburtstag. Und dafür reist unter anderem der US-Slamstar Toaster aus dem fernen Chicago an. (Substanz, 9.2.)

Autor: Rupert Sommer

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