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Die interessantesten Lesungen der kommenden Wochen auf einen Blick

Giulia Becker am 19. Mai im Freiheiz

Sündiges, Mörderisches, Wölfisch-Wildes: Diese Leseabende haben echten Biss

Sie hat der Merkel-Raute popkulturelle Breitenwirkung und feministischen Tiefgang verliehen. Mit ihrem Song „Verdammte Schei*de“, der aus dem Neo Magazin Royale heraus viral und dann durch die Decke ging, zeigte Giulia Becker ihrem Dienstherrn Jan Böhmermann und dem Machoteam hinter den Kulissen der Show, in der sie die einzige feste Gag-Autorin ist, die Zähne. 

Und jetzt der nächste Schritt: ein Debütroman aus zumindest nicht ganz naheliegender Perspektive. „Das Leben ist eins der Härtesten“ erzählt von Silke Möhlenstedt, die die Notbremse gezogen hat. Das ist ganz wörtlich zu versehen: die Notbremse im Zug. Seitdem hat der Zugführer zwei ausgeschlagene Schneidezähne, Silke enorme Schulden und zudem keinen Job mehr. Geschieden ist sie auch. Einen Teil der Schadenersatzforderungen konnte sie in Sozialstunden umwandeln, die sie seit 27 Jahre mit Aufmunterungsarbeit in der Bahnhofsmission abarbeitet. Alles schön schräg – und natürlich gnadenlos humordurchtränkt. (Freiheiz, 19.5.)

Schon viel länger sitzt natürlich Rocko Schamoni der Schalk im Nacken. Aber auch ihm leiht man selbstverständlich stets untertänig ein Ohr. Mit „Die große Freiheit“ hat er der gar nicht nur sündigen, sondern vor allem sehr inspirierenden Meile, die schon immer für den Traum nach Mehr stand, ein Denkmal gesetzt. Aufgearbeitet wird das von ganz speziellem Schamoni-Charme durchzogene Heimatwerk am Beispiel der Biografie der feinsinnigen Kiez-Legende Wolli Köhler. Der Junge aus dem Nirgendwo tauchte 1962 in Hamburg auf und mauserte sich zu einem der schillerndsten Puff-Bosse von St. Pauli. (Münchner Volkstheater, 24.5.)

Warum Nicola Förg für ihre spannende Krimilesung einen ziemlich ungewöhnlichen Ort gewählt hat, dürfte nach wenigen Takten Lesung schnell klar werden: Auf der Alm, auf die sich ihre Buchheldin Irmi Mangold zurückgezogen hat, gibt es zwar keine Sünde, dafür aber „Wütende Wölfe“. So jedenfalls heißt der Titel des mittlerweile zehnten Mangold-Falls, bei dem dem anfänglichen Frieden und der Bergidylle natürlich mal wieder nicht zu trauen ist. Es wird wild, tierisch wild. (Reptilienauffangstation, Kaulbachstr. 37, 16.5.)

Ein Meister der Verbrechensspannung mit originell eingefärbtem Lokalbezug ist natürlich auch Su Turhan. Er ist einer der vielen Stars, der zweiten Auflage der Ein Buch für Moosach-Veranstaltungsnacht, die an 18 Orten gastiert. Ein Ausflug lohnt sich allemal. Und Turhan gastiert mit seiner „Mordlust pur“-Lesung natürlich zapfhahnnah. (Alter Wirt Moosach, Dachauer Straße 274, 17.5.)

Zum Augen-, Ohren- und Herzen-Öffnen dient die neue Reihe LIX – Literatur im HochX, die sich Raphaela Bardutzky (unlängst erst im „Ortsgespräch“ vorgestellt) sowie Rebecca Faber und Christina Madenach ausgedacht haben. Offenheit ist hier Grundprinzip – bei den Genres, Stilrichtungen und bei den Textsorten von Poesie bis Theatertext. Los geht’s mit einer Lese-Premiere mit der Autorin Slata Roschal, die ursprünglich aus St. Petersburg stammt, sowie dem gebürtigen Moskauer Vladimir Kholodkov und Mehdi Moradpour, der nicht nur selbst viel schreibt, sondern iranische und spanische Texte übersetzt. (Hoch X, 21.5.)

Autor: Rupert Sommer

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