Münchner Literaturfest

Rettet gute Literatur im letzten Moment Europa?

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80 Starautoren kommen auf das diesjährige Münchner Literaturfest. Wir haben eine Übersicht für Sie.

Es ist ein heiteres Fest – mit einer ernsten Grundnote. Unter das Motto „Schönes Babel. Europäische Lektüren“ hat der Schriftsteller Jan Wagner, Büchner-Preisträger und diesjähriger Kurator der forum:autoren-Reihe auf dem Münchner Literaturfest, das Festival gestellt und wirft damit Fragen nach dem Anspruch, den Heilkräften und der Magie der Kultur auf.

„Jan Wagner widmet sich zwei wichtigen Fragen“, sagt der scheidende Kulturreferent Hans Georg Küppers. „Wie stark ist die europäische Idee? Und welche Frage stellt die Sprache dabei?“ Rund um das zerbrechliche Europa lässt der bestens vernetzte Literat die von ihm geladenen Autoren kreisen – und möchte dabei natürlich Verbindendes finden. „Europa brennt uns auf den Nägeln, die Weichen für die Zukunft unseres Kontinents werden jetzt gestellt“, sagt Tanja Graf, Geschäftsführerin des Literaturfests vom 14. November bis 2. Dezember und im Hauptberuf bekanntlich Leiterin des Literaturhauses, wo viele Veranstaltungen gastieren werden. „Genau der richtige Zeitpunkt um auf dem Literaturfest München die sprachliche und literarische Vielfalt Europas zu feiern“, sagt sie.

Über 80 Autoren kommen an die Isar – zu den drei großen Reihen forum:autoren, dem Festprogramm im Literaturhaus und zur traditionellen Münchner Bücherschau im Gasteig, wo sich die vielen Verlage präsentieren und die ganz großen Namen die Säle füllen. Unter den diesjährigen Gästen finden sich unter anderem die aktuelle Friedenspreis-des-Buchhandels Preisträgerin Aleida und Jan Assmann, María Cecilia Barbetta („Nachtleuchten“), Maxim Biller und Nino Haratischwili, der chinesische Friedenspreis-Träger Liao Yiwu, der stimmgewaltige Schotte John Burnside, die Spanierin Almudena Grandes, A.L. Kennedy und Edward St Aubyn, der Schweizer Adolf Muschg, der polnische Lyriker Adam Zagajewski sowie aus Deutschland Amelie Fried, Dörte Hansen, Navid Kermani, Michael Krüger, Harald Lesch und Großmeister Martin Walser. Aber natürlich ist auch für Kinder- und Jugendbuchfreunde und für den Leserattennachwuchs bestens gesorgt.

Alle Termine des Münchner Literaturfest hier in der Übersicht auf events.in-muenchen.de

Auf der traditionsreichen Bücherschau im Gasteig nimmt der Rückblick auf die 68er-Jahre in diesem Jahr einen großen Platz ein – unter anderem mit Gretchen Dutschke und der umfassenden Schau des Politikwissenschaftlers Wolfgang Kraushaar unter dem Titel „1968: Worauf wir stolz sein dürfen“. Allerdings darf hier auch Populäres wie ein Auftritt des „Tatort“-Kommissars Miro Nemec mit seinem neuen Kroatien-Krimi und vom norwegischen Bestseller-Schauerschreiber Jo Nesbø mit „Macbeth. Blut wird mit Blut bezahlt“ nicht fehlen.

Höhepunkte in der herausfordernden Programmfülle, bei der nur ein Blick ins übersichtlich gelistete „in München“-Programm hilft, sind – wie üblich – die Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises – diesmal an den Historiker Götz Aly – sowie der Fernsehpreis LiteraVision, der beispielhafte Sendungen über Bücher und ihre Schreiber auszeichnen soll. Der diesjährige „Preis für einen Bayerischen Kleinverlag“ geht an das Büro Wilhelm aus Amberg. Dort erscheinen außergewöhnliche Buchprojekte aus den Bereichen Architektur, Kunst, Fotografie und Literatur. „Das Verlagskonzept setzt auf das Besondere, Auffallende und künstlerisch Interessante“, heißt es in der Begründung für die Entscheidung, das Team rund um die drei Verleger Gerhard Wilhelm Schmidt-Schönenberg, Manfred Wilhelm und Wilhelm Koch auszuzeichnen. Und solche schönen Worte könnte gleich auch für das gesamte Fest gelten.

Autor: Rupert Sommer

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