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Lesungen im Oktober: Wenn die Welt wieder vorbeischaut

Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead
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Zu Gast in München: Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead

Lesungen im Oktober - diese großen Stars von nah und fern darf man nicht verpassen 

Kann man mit dem Bösen paktieren, ohne sich selbst die Finger zu beschmutzen? Spannende Frage, die der zweifacher Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead („The Underground Railroad“) natürlich bildstark auflöst. Schauplatz seines neuen Romans „Harlem Shuffle“ ist die 125. Straße im nicht mehr ganz so glamourösen New York. Eine Gegend, in der die Mafia den Ton angibt. Doch auch Ray könnte ein wenig Extra-Geld gebrauchen, schon allein weil er ein umsichtiger Familienmensch ist. Also lässt er sich auf Geschäfte ein. Heraus kommt eine schräge, sich immer wieder verfinsternde Familienkomödie – und eine Hommage ans wilde Harlem. Für München ist das ebenfalls ein verführerischer Deal: Whitehead kommt höchstpersönlich, was aktuell noch keine Selbstverständlichkeit ist. (Literaturhaus, 12.10.)

Ebenfalls einen US-Hauch weht es mit Jonathan Franzen hinein, der mit „Die Korrekturen“ zum globalen Lieblingsintellektuellen wurde. Seine Studienzeiten in München hat er allerdings nie vergessen. Und auch sein Deutsch ist weiterhin exzellent. Für die Lesung und Diskussion zum neuen Familienroman „Crossroads“ ist er allerdings nur virtuell zugeschaltet – per Livestream aus Hamburg. Eine Kooperation der Häuser macht es möglich. (Literaturhaus München, 16.10.)

Zum Glück gibt’s die ganz Großen in der gerne wieder weltoffenen Stadt ja auch vor der Haustür. Wenn man sich daran erinnert, in was für einen mönchischen Rückzug sich der mittlerweile hoch betagte, innerliche natürlich jugendliche Ex-Hanser-Verleger Michael Krüger in harten Corona-Zeiten begebenen hatte, ist sein Wiedererscheinen in der Schwabinger Boheme natürlich ein Fest. Mit „Im Wald, im Holzhaus“ stellt er seinen Gedichtband vor, der in der Quarantäne entstand. Und mit Felicitas von Lovenberg spricht er darüber. (Lyrik Kabinett, 12.10.)

Nicht allzu weit fahren muss man, um sogar wieder ins Festivaltreiben zu tauchen – bei „Dachau liest“, wo man sich auf Auftritte von Doris Dörrie, Steffen Kopetzky oder eben Judith Hermann freuen darf. Mit „Sommerhaus, später“ trat sie einst ganz nach vorn. Und auch im neuen Roman „Daheim“ kreist sie wieder ums Künstlerinnendasein, ums Erinnern, um die Melancholie und die schönen Schwebezustände. Günter Keil wird ihr als Moderator Geheimnisse entlocken. (Ludwig-Thoma-Haus, 7.10.)

Über die Kulturräume hinweg eine Art Verwandte könnte natürlich auch Sally Rooney sein. Mit „Gespräche mit Freunden“ wurde die Irin zu einer der wichtigsten literarischen Stimmen der Zeit und zu einer Ideengeberin für eine großartige Serie. Nun stellt sie – live zugeschaltet – ihren neuen Roman „Schöne Welt, wo bist du“ vor. (Literaturhaus, 13.10.)

Das Gefühl, zwischen den Stühlen zu sitzen, hat meist auch der liebenswürdige, latent überforderte und daher leicht trottelige Familienvater, der in den Erfolgsromanen von Jan Weiler gegen „Pubertiere“ antreten muss. Jetzt gibt’s schon einen vierten Band der Saga. (Gleis 1 Unterschleißheim, 7.10.)

Von einer Familie, die man sich nicht aussuchen kann, und vor allem von Zeitumständen, die kaum zu ertragen sind, berichtet der kluge Kopf Jo Lendle im Roman „Eine Art Familie“. Bewegend! (Literaturhaus, 6.10.)

Und zum Schluss ist man dann ganz daheim, wenn man bei Rita Falk die Beine unter den Tisch streckt. Immerhin steht ein „Rehragout-Rendezvous“ mit der erfolgsverwöhnten, verlässlich witzigen Vielschreiberin der „Eberhofer“-Provinzkrimis an. Ach ja: Christian Tramitz ist natürlich auch mit dabei! (Circus Krone, 22.10.)

Rupert Sommer

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