Ortsgespräch

Zeichner Steffen Haas: „Sanft, triebhaft und musisch begabt“

Zeichner Steffen Haas
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Empfiehlt Eiersuche im Dezember, Glühwein an Ostern: Steffen Haas

Zusammen mit Gunter Hansen bringt Steffen Haas die Maus-Küken-Bier-Comics ins IN MÜNCHEN. Fürs Valentin Musäum hat er jetzt eine Hasen-Ausstellung kuratiert

Hallo Herr Haas, die Münchner Museumslandschaft ist vielfältig. Und offenbar immer gern für Überraschungen offen. Wie kommt man denn auf die Idee, ausgerechnet in der Zeit vor Weihnachten eine Hasen-Ausstellung zu konzipieren?
Seit Jahren fällt doch auf, dass es an Weihnachten meist 20 Grad hat, an Ostern hingegen schneit. Da liegt es doch auf der Hand, die traditionellen Bräuche zu tauschen, also Eiersuche im Dezember, Glühwein an Ostern.

Der Klimawandel scheint kaum mehr aufzuhalten zu sein. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht eigentlich für die bisherigen Saisonarbeiter Osterhasen?
Das Osterhasentreiben wird sich sicher ausbreiten. Mussten die echten Osterhasen bisher auf den Osterinseln überwintern, können sie in Zukunft auch in der Winterzeit auf der ganzen Welt, solange sie noch bewohnbar, ist ihr Osterwesen treiben. Vielleicht weisen sie mit den ganzjährig zu findenden Eiern ja darauf hin, dass die Suppe zu kochen anfängt.

Hasen wurden ja immer schon gerne gezeichnet, nicht nur von Dürer. Was macht Sie eigentlich zu so dankbaren Motiven?
Nicht nur als Hasen wurden sie gezeichnet, auch Menschen werden oft als Hasen bekosenamt. Viele Künstler zeichnen sich selbst chimärenhaft als Mensch mit Hasenkopf. Warum dies so ist? Nun, sie sind als sanft, aber auch triebhaft und als musisch begabt bekannt. Das ist doch sympathisch.

Trotzdem: Gerade die Comic-Welt wird oft von pfiffigen bis putzigen Mäusen, Katzen und Hunden dominiert. Wie stecken Hasen und Kaninchen eigentlich diese Hackordnung weg?
Auf Grund ihres Sanftmutes gelassen.

Auf was darf man sich denn in der Ausstellung konkret freuen?
Auf sehr viele sehr schöne Kunstwerke in ganz unterschiedlichen Stilen von 55 Künstlerinnen und Künstlern. Vom Scherenschnitt über Gemälde, Figuren und sehr lustige Zeichnungen, Bildwitze und Comics bis hin zu einem Automaten ist vieles geboten. Und dann steht auch noch ein gigantisches Nest voll ungeschlüpfter Eier vor dem Isartor!

Den Langohren wird ja gemeinhin allerlei unterstellt. Wie jugendfrei ist die Ausstellung hoffentlich nicht?
Das Thema wird eindeutig aufgegriffen, aber alles bleibt im Rahmen, es gibt lediglich ein Hasenglied zu sehen, das normalerweise bedeckt sein sollte, aber es ist skizzenhaft von Gunter Hansen gezeichnet und wäre in dieser Form auf jeder Schultoilette zu finden. Also in dem Sinne schon jugendfrei, auch frei von sexistischen Witzchen. Die liegen den Hasen nicht, auch wenn das in Herrenmagazinen gerne behauptet wird.

Natürlich muss ein Kurator fast so unparteiisch sein wie ein Schiedsrichter bei glücklich gepfiffenen Bayern-Spielen: Was macht denn Ihr Lieblingsobjekt in der Schau so besonders?
Mein Lieblingsobjekt ist Dürers Falscher Hase, den wir freundlicherweise von der Kunstsammlung Hildesheim ausgeliehen bekamen. Einerseits weil die Geschichte um das Blatt und die ebenfalls ausgestellt Fälschung des Werkes so spannend ist, andererseits weil es eine kleine Sensation ist, dass wir das Werk zum ersten Mal in München öffentlich zeigen können. Was es genau damit auf sich hat, kann man in der Ausstellung und im Katalog erfahren.

Als treuer IN München-Leser kennt man Sie natürlich bestens, vor allem den Küken-Maus- und Bier-Comics. Daher die Profi-Frage: Wie trinkfest sind eigentlich Hasen und wie verhalten Sie sich im geselligen Zustand?
Dies scheint für Hasen nicht so wichtig zu sein. Lediglich ein Hase in der Ausstellung unternimmt eine prächtige Sauftour. Aber ich würde sagen Superhasi von Mawil verhält sich in der Geschichte ganz und gar menschlich.

Letzte Frage: Leider wird die Welt da draußen ja schon wieder ein wenig enger. Wie heilsam wirkt es eigentlich für Ihre Seele, wenn man die ganz wilden Küken-Maus-Kneipennächte wenigstens vom Zeichentisch aus weiter träumen kann?
Nun, so wild sind die Kneipennächte von Küken und Maus ja eigentlich nicht. Was die zwei da so treiben, kann man ja sogar während eines Lockdowns ohne Probleme zu Hause nachspielen. Es geht ja eher um den gepflegten Gedankenaustausch bei inspirierendem Getränk. Aber trotzdem: Weiter zeichnen ist selbstverständlich sehr, sehr schön und auch heilsam.

Und dann doch noch die allerletzte Frage: Sie haben ja nicht nur die Hasen-Ausstellung zusammengestellt, das Musäum hat mit Ihnen auch noch ein Hasen-Ausstellung-Buch herausgebracht. Wie unvermeidlich ist dabei, auch wenn so was natürlich streng verboten ist, der Namenswitz, Herr Haas?
Das Spiel mit dem Namen lag freilich auf der Hand, als mir Sabine Rinberger die Kuration der Ausstellung anbot. Sie hatte die Idee für Zeitpunkt und Titel der Schau. Ob mein Name etwas dazu beigetragen hat? Schräger Zufall. Als Tenniels Kaninchen (aus Alice im Wonderland) durch Zeichners Hand zum Hasen wurde, war er erfunden: der Herr Haas, der Hasen zeigt. Vom 26.11.2021 bis 8.3.2022 im Valentin-Karlstadt-Musäum. 

Interview: Rupert Sommer

Steffen Haas ist einer der vielseitigsten Comic-Künstler der Staat, bekannt geworden unter anderem auch durch die legendären „Motionless Movies“ mit Mose & Co. Alle Infos zum Werk gibt’s hier: http://www.steffenhaas.de/steffen-haas/steffen-haas.php. Fürs Valentin Musäum hat er die Ausstellung „Herr Haas zeigt Hasen“ zusammengestellt, die erstmalig ab 26. November zu sehen ist: www.valentin-musaeum.de

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