Ortsgespräch

„Ein Buch ist krisenfest“ - Bücherschau-Veranstalter Dr. Klaus Beckschulte im Interview

Interview Dr. Klaus Beckschulte
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Dr. Klaus Beckschulte ist Geschäftsführer des Landesverbandes Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Frohe Botschaft: Die Bücherschau vom 12. bis 29.11. im Gasteig findet statt. Mit-Veranstalter Klaus Beckschulte sagt, was diesmal alles anders ist.

Herr Beckschulte, weil Sie von vornherein für das große Buchfest viele Digital-Veranstaltungen geplant hatten, konnten Sie rasch noch auf die strengen Vorgaben zum „Lockdown Light“ reagieren. Nun finden alle zuvor angekündigten Veranstaltungen in Digital-Übertragungen statt. Wie groß war Ihre Sorge, ob die Münchner Bücherschau überhaupt würde stattfinden können?
Uns war schnell klar, dass wir die Bücherschau so wie bisher nicht würden anbieten können. Daher wollten wir schon früh eine digitale Verlängerung für die Verlage bereithalten. Dass wir dann auch noch mit Weltbild als Mitgliedsunternehmen so eine ausgezeichnete Zusammenarbeit entwickeln würden, war indes nicht abzusehen.

Für die Verlage ist die Bücherschau ein wichtiges Schaufenster, viele Münchner holen sich hier Geschenk-Inspirationen: Wie kann man die Neugierde auch in diesem Jahr adäquat befeuern?
Zum einen gilt es, trotz der schwierigen Situation und den einschränkenden Maßnahmen ein Angebot aufrecht zu erhalten. Dies ist so krisenfest wie möglich gelungen. Die vielen bekannten AutorInnen, die von überall auf der Welt nach München zu Gast kommen – ob virtuell oder real – werden die Neugier der LeserInnen befeuern. Noch dazu haben wir brennend aktuelle Themen im Mittelpunkt von Debatten, so dass sich auch hier inspirierende Gedanken mitnehmen lassen.

Gerade in den harten Lockdown-Zeiten war ein gutes Buch oft ein verlässlicher Seelentröster: Wie hat sich denn die Lese-Freudigkeit der Menschen im Lande trotz aller Sorgen entwickelt?
Nun, jeder hat seine Strategie mit dieser Ausnahmesituation umzugehen. Es zeigt sich aber, dass das Buch krisenfest ist. Mit Büchern können wir Angebote für alle machen, Wissen vermitteln, Übungen im Homeschooling, Reisen im Kopf oder spannende Erlebnisse in Kriminalgeschichten für große und kleine LeserInnen anbieten.

Viele der großen Lesungen waren oft rasch ausverkauft. Welche Chancen bieten Streams, die man ja möglicherweise auch noch gemütlich auf dem Feierabendsofa nachholen kann?
Die Freunde bestimmter Autorinnen und Autoren haben die Möglichkeit, in unserer Mediathek die Lesungen nachzusehen und so teilhaben zu können. Die Streams werden nach der Bücherschau eine Woche online sein, aber dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Es lohnt sich also, nicht zu lange zu warten.

Was von den Ideen, die zuletzt aus der Not heraus entstanden, sollte auch in hoffentlich bald wieder entspannteren Zeiten Bestand haben?
Es ist soviel Engagement, Zeit und Geld in den digitalen Auftritt gegangen, gerade mit der Perspektive, dass dies sicherlich auch in anderen Zeiten ein Angebot für Kunden ist, das sie zu schätzen wissen.

Letzte Frage: Wie viele Bücher stapeln sich eigentlich neben Ihrem Lieblingslesesessel oder liegen auf dem Nachtkästchen?
Bei mir stapeln sich gerade die nominierten Bücher für den Bayerischen Buchpreis: sechs außergewöhnliche Titel, die das Potential haben, das beste Sachbuch bzw. der beste Roman des Jahres zu werden..

Interview: Rupert Sommer

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