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Die interessantesten Lesungen der kommenden Wochen auf einen Blick

Ulrich Tukur liest Melvilles „Moby Dick“ im Prinzregentheater

Wer sich in Funsport-Kurse reindrängelt, verspielt schnell Sympathien. Wurstfreunde haben’s auch nicht leicht

Pubertiere, das weiß jeder, der gerne Jan Weiler liest, sind unangenehme Zeitgenossen. Doch wenn man den Herren Leo & Gutsch glaubt, dann sind die Alterspubertierenden wirklich ekelhaft. Eigentlich sind es ja angegraute, bequeme, oft leicht kurzsichtige Wandervögel, die die Ruhe ebenso lieben wie das gefürchtete Wörtchen „früher“. Und auf Pop-Konzerte gehen sie nur noch, wenn die Halle bestuhlt ist.

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Besonders hart trifft es die Männer: Sie zwängen ihre Ü45-Körper in Neoprenanzüge und verdrängen die Jungen im Kitesurf-Kurs. Dabei kennen die Autoren doch Trost: „Ist nur eine Phase, Hase“, sagen Leo & Gutsch, die mit ihren Kolumnen über alltäglich banale Männerschicksale im Wochenendmagazin der „Berliner Zeitung“ schreiben. (Volkstheater, 28.1.)Deutlich Ernsteres hat sich Fahim Amir in seiner „Schwein und Zeit. Tiere, Politik, Revolte“-Lesung vorgenommen. Er ist davon überzeugt: „Bei Tieren wird die Linke rechts“. Die Kritik an der Umweltzerstörung und der Massentierhaltung in Agrarfabriken basiert seiner Einschätzung nach oft auf Romantisierungskitsch und dem Wunsch nach einer „unberührten Natur“. Stattdessen setzt Amir auf Ethik: Er will Schinkenschweine nicht auf die Opferrolle reduzieren, sondern erzählt ihre Geschichte aus der Perspektive der Kämpfe. (Lothringer13 Florida, 28.1.)

Polarisieren wird sicher auch, etwas augenzwinkernder angelegt, die „Es geht um die Wurst“-Lesung von Wolfger Pöhlmann. Der Kunsthistoriker und Wurst-Ethnologe zerkleinert das urdeutsche Kunstwerk aus Fleisch, Speck, Salz und Gewürzen kulturhistorisch und hält der Wurstnation den Spiegel vor. (Meta Theater, 2.2.)

Wohin die Reise, begleitet vom Autorennetzwerk Konvolut, geht, kann man jetzt noch nicht absehen. Die neue Reihe Eine unendliche Geschichte versteht sich als Lesereise ins Unbekannte. In zwölf Teilen – jeweils einmal im Monat – werden zunächst Autorentexte vorgestellt, danach ist das Publikum gefragt. Schmutzige Ideen, Träume, Fantasieren: All das soll sich vor Ort zu einem verstörenden Fortsetzungsroman verdichten. (Bahnwärter Thiel, 5.2.)

Reiseführer gefällig? Dirk von Gehlen, Leiter der Social-Media- Abteilung der „SZ“, kann man vertrauen. Er hat eine hintersinnige „Gebrauchsanweisung für das Internet“ vorgelegt. (Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 6.2.)

Der neue Shootingstar aus Frankreich ist bekanntlich Éduard Louis, der mit seinem autobiografischen Roman „Das Ende von Eddy“ schlagartig ins Rampenlicht trat. Erzählt wurde von seiner Flucht aus der Provinz, an die sich der junge Mann, der sich erst in der Großstadt zu seiner Homosexualität bekannte, nur unter Schmerzen erinnert. Mit „Wer hat meinen Vater umgebracht“ hat er jetzt überraschend versöhnlich nachgelegt. (Literaturhaus, 4.2.)

Zum Abschluss noch ein echtes Abenteuer: Ulrich Tukur, bekannt aus den irren Frankfurt-„Tatorten“ und von seinen Rhythmus Boys, pflügt sich stellvertretend durch Meere: Begleitet von Sebastian Knauer am Klavier filetiert er Melvilles Monsterroman „Moby Dick“ in hörbare Häppchen. (Prinzregententheater, 7.2.)

Autor: Rupert Sommer

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