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Linus Volkmann, Axel Milberg und Ben Salomo

Es gibt sie, die Stimmen, die sich nicht unterkriegen lassen, und auch solche, die gerne Verstecken spielen

In der Küche türmen sich die Altglas-Berge. Und auch der Blick in den Spiegel frustriert. Stars – das sind doch immer die anderen. Stimmt nicht, sagt Linus Volkmann , Popjournalist, Buchautor und lange Jahre eine der wichtigsten Stimmen für die Zeitschrift „Intro“. 

Auch die Helden des Pops sind eigentlich Typen wie du und der andere. Und sie saufen genauso viel, haben aber nur Photoshop für die dann eben chaosbefreiten Küchenfotos, und der Chantré kommt gleich aus dem Fass. Nach seinem Fachbuch-Hit „Die Beatles sind Idioten – Radiohead auch“ stellt Volkmann, der sich derzeit frei wie Sperrmüll auf der Straße fühlt, sein neues Buchwerk „Sprengt die Charts! Wie werde ich Popstar – und warum?“ vor. Darin arbeitet er wichtige Ratgeberthemen ab, etwa die Frage, wie man ohne Proben nach oben kommt, wem man seine Hochzeitsfotos verkauft, wenn man Lady Gaga oder Ryan Gossling heiratet und warum man trotz großer Charterfolge nicht sofort Alkoholiker wird. Ein Abend voller Wahn und Erkenntnisse, schön unterhaltsam. (Heppel & Ettlich, 28.4.)

Viel lernen kann man dann gleich auch noch von Ben Salomo – vor allem wie man trotz aller Anfeindungen und Dumpfheit in der Szene gelassen bleibt. Geboren in Israel, auf - gewachsen in Schöneberg wurde Salomo zu einem der außergewöhn - lichsten Rapper Deutschlands. Einer, der sich der Frauenverachtung, dem Rassismus, der unerträglichen Homophobie entgegenstellt – mit einem Lächeln. Im Gespräch mit der Schriftstellerin Mirna Funk („Winternähe“) stellt er seinen Roman „Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens“ vor. (Kammerspiele, 29.4.)

Von Martin Schneitewind weiß man leider viel zu wenig. 1945 als Kind deutschfranzösischer Eltern in Straßburg geboren, lebte er lange in Deutschland, im Tessin und als Journalist für den „Corriere della Sera“ in Mailand und dann wieder in Straßburg als Angestellter der Stadtverwaltung. Hinterlassen hat er mit „An den Mauern des Paradieses“ nur einen Roman – auf Französisch. Und ein Meisterwerk. Raoul Schrott, sein Übersetzer, und der Schriftsteller Michael Köhlmeier lesen aus der Parabel aufs Menschsein, die wirklich fast alttestamentarische Wucht hat. (Literaturhaus, 29.4.)

Während von Schneitewind, der leider schon 2009 verstarb, naturgemäß nichts Neues mehr zu erwarten ist, hat Axel Milberg , der Münchner Ausnahmeschauspieler und „Borowski“-Ermittler in seiner eigenen Heimatstadt Kiel, eben erst das Schreiben für sich entdeckt. Mit „Düsternbrook“, seinem Debütroman, setzt er nicht nur dem schönen, ruhigen, wenn nicht sogar beklemmend verschlafenen Villenviertel, in dem er aufwuchs, eine Art Denkmal. Natürlich erzählt Milberg, der Schmunzler, natürlich auch viel von sich, seinen Eltern und dem Gefühl, dass doch hoffentlich irgendwas nicht ganz stimmt im steifen Kiel. Als Gerüchte vom Wirken Außerirdischer in der Stadt anbranden, war das für den Heranwachsenden eine echte Erleichterung. Moderiert wird der Abend von der Piper-Verlegerin und Ex-Feuilletonistin Felicitas von Lovenberg. (Literaturhaus, 2.5.)

Bleibt zum Abschluss die überfällige Verneigung vor dem literarischen Genie B. Traven, der – einmal vorausgesetzt er war wirklich mit dem Mann, der sich Ret Marut nannte, ein und dieselbe Person – einen wichtigen Eintrag in der Geschichte der Stadt verdient hat. Marut brachte die anarchistische Anti-Kriegszeitschrift „Der Ziegelbrenner“ heraus und war sogenannter „Volksbeauftrager für das Pressewesen“ in der Münchner Räterepublik. B. Traven, Autor von Welterfolgen wie „Das Totenschiff“ und „Der Schatz der Sierra Madre“, tauchte später in Mexiko auf, wo er lange lebte und 1969 starb. 50 Jahre später wird nun in der Clemensstraße 84 am 2. Mai eine Gedenktafel enthüllt. Abends steigt in der Seidl-Villa ein spannender Vortragsabend – unter anderem mit Malú Montes de Oca Lujan de Hayman, der Stieftochter des Bestseller-Autors mit dem lange nicht geknackten Pseudonym („Meine Werke sind wichtig, meine Person ist unwichtig“). Außerdem kommt Ralf G. Landmesser aus Berlin, der Vorsitzende der Internationalen B. Traven Gesellschaft. Mehr noch: Im Werkstatt-Kino steigt dann am 18. und 19.5. noch eine Traven-Filmreihe. Er hat sie verdient.

Autor: Rupert Sommer

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