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Die interessantesten Lesungen der kommenden Wochen auf einen Blick

C. Bernd Sucher, Suzanne Grieger-Langer

So rüstet man sich für mehr Menschenkenntnis. Und für sinnenfrohe Leseerlebnisse

Es gibt Gelegenheit, da hilft wirklich nur noch das Jodeln. Etwa, wenn man – Hallo, Österreich! – über viele Gipfel hinweg Meldungen austauschen möchte, die heutzutage keiner mehr versteht. Oder aber, wenn es einfach so Momente zum Juchzen und zum Frohlocken gibt.

Bei Trikont weiß man das, ist dort doch gerade die beeindruckende Compilation „Laut Yodeln Vol. 2“ erschienen. Und natürlich wird dieses Großereignis schön unterfuttert. Ganz tief eintauchen in die Geschichte des Jodelns kann man auf der „Jodelmania – Das Buch“-Lesung mit dem Autor Christoph Wagner und seinen musikalischen Gästen Dom Flemons (USA) und den Schwarzbären Schuppel aus der Schweiz. Da geht der Hildebrandshaus-Hütte das Dach hoch. Wagner arbeitet die vielseitigen Wechselbeziehungen zwischen Bayern und Amerika heraus. Und das ist nicht nur dieser Tage sehr verdienstvoll. (Monacensia, 30.5.)

Ordentlich auf die Ohren, und das im wohltuenden, horizonterweiternden Sinne, bekommt man natürlich auch beim neuen Hörgang, der diesmal durchs schöne Haidhausen tingelt. Zum 125-jährigen Jubiläum der Münchner Philharmoniker verwandelt sich das Viertel rund um den Gasteig in einen Fleckerlteppich aus Hotspots mit Musik – und Literatur. Von der Schlosserei über den Kirchenkeller, vom Tanzcafé bis zum Fensterbrett, vom Herbergshof bis zur Lagerhalle verneigen sich hier fast allerorten jubilierende Musik-Ensembles und zahlreiche Autoren vor der Magie der Musik. Schleichwege, Erkundungsgänge und alle Zwischenstopps stellt man am besten unter www.hoergang.com zusammen. (Haidhausen, 1.6.)

Von der Stadtarchäologie zur Freilegung der ganz großen Menschheitsgeschichte im biblischen Urstromtal: Nur einen Steinwurf von Bagdad entfernt hatte Kenah Cusanit in ihrem Debütroman die Ausgrabungsarbeiten von Babel angesiedelt. Dort schwitzte im Jahr 1913 der Deutsche Robert Koldewey, dem nicht nur die Strapazen der Arbeiten beim Freilegen der Wiege der Zivilisation zu schaffen machen, sondern auch die angespannten Zeitgeschichte und vor allem eine akute Bilddarmentzündung. Menschliche Probleme, biblische Aufgaben. Die Berliner Anthropologin hat einen hintersinnigen, streckenweise auch saukomischen Roman darüber geschrieben. (Literaturhaus, 7.6.)

Kunstgeschichtlich vor Ort forschen kann man dann noch im Vortrag „Das Rätsel der Sphingen“ von Dirk Heißerer. Er erweckt die nach dem Zweiten Weltkrieg unter mysteriösen Umständen verschwundenen Wächterinnenfiguren vor dem Eingang zur Aussegnungshalle zu neuem Leben. Diese werden derzeit rekonstruiert. Helfen können dabei auch die Schilderungen aus den Nordfriedhof-Passagen von Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“, der hier literar-archäologisch ausgeschlachtet wird. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Schönfeldstr. 5, 3.6.)

Forschungsarbeit quasi am eigenen Leib kann man schließlich dann bei der knalligen Literatur-Profiling-Performance mit Suzanne Grieger-Langer leisten. Selbige gilt als Fachfrau für die Einblicke ins eigene Innere, auf die Schwächen von Mitmenschen, aber auch darauf, Top-Entscheider in kniffligen Sicherheitssituationen zu schulen. Sie legt sich unerschrocken mit Trollen, Stänkerern und Kollegenschweinen an. Allein schon ein Blick kann deeskalierend wirken. „Cool im Kreuzfeuer – Schlammschlachten, Cybermobbing und Rufmordkampagnen souverän überstehen“ lautet der Titel ihrer neuen Kampfschrift. Da dürfte doch für jeden etwas dabei sein. (Circus Krone, 1.6.)

Während Grieger-Langer Menschen durchblickt, möchte C. Bernd Sucher dafür sorgen, dass man Leute, die man längst bestens zu kennen meint, endlich ernst nimmt. James Joyce ist so ein Fall. Wenn es um den „Ulysses“-Autor geht, hält sich fast jeder Literaturfreund für berufen, auch noch mal ordentlich Senf dazuzugeben. Und das obwohl nachweislich der Großteil der Menschheit, auch der gebildete Großteil derselben, noch nie ein Buch von Joyce zu Ende gelesen hat. Nur die Dubliners im Radio gehört zu habe, zählt nicht. Für den echten Joyce wird es aber höchste Zeit, behauptet die neue Ausgabe von „Suchers Leidenschaften“. (Prinzregententheater Gartensaal, 2.6.)

Autor: Rupert Sommer

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