Lesungen

Die interessantesten Lesungen der kommenden Wochen auf einen Blick

Eduardo Halfon am 23. Januar im Instituto Cervantes

Mit diesen Lese-Abenteuern bekämpft man Liebeskummer und Weltschmerz

Das Dschungelcamp bei RTL ist auch dieses Jahre wieder eine Geschmackssache. Mit den genial bitterbösen Analysen am jeweiligen Folgemorgen bei Spiegel Online ist es eine Angelegenheit des guten Geschmacks. Wie kaum eine Zweite vermag es Anja Rützel, in die Untiefen des deutschen Trash-TVs zu tauchen und ihre Erkundungen sprachlich wie intellektuell hochanspruchsvoll zu veredeln. 

Rützel zu lesen, ist ein Vergnügen. Ihr zuzuhören noch mehr. Nun kommt sie mit gebrochenem Herzen in die Stadt. Immerhin leidet sie seit dem Jahr 1996 sehr. Damals wurde ihre einstige Lieblingszeitschrift „Tempo“ eingestellt, und Take That lösten sich auf. Aus den Liedern der Band hatte die junge Rützel alles gelernt, was man über Trennungen, über das Suchen und Finden von Liebe wissen muss. Themen, die sie noch heute beschäftigten und nach „Lieber allein als gar keine Freunde“ zu einer weiteren Buchveröffentlichung – eben über Take That – führten. Nun öffnet sie ihr rabenschwarzes Herz. (Volkstheater, 27.1.)

Nicht unbedingt einer der Pointenjäger an vorderster Front ist dagegen Nikolai Vogel, der als DJ und Projektionskünstler schon seit längerem Lesereihen wie die alljährlichen „Wortspiele“ in der Muffathalle zum Glänzen bringt. Mit „Fragmente zu einem Langgedicht“ hat er nun einen 2520-Verser vorgelegt mit poetischen Einzelnotaten und vielen Leerzeilen, der Welthaltiges schön in der Schwebe hält. Muss man sich vortragen lassen. (Korbmacherwerkstatt Susanne Thiemann, Kreitmayrstr. 18, 25.1.)

Auf eine beklemmend stimmende Spurensuche hat sich

Eduardo Halfon

in seinem neuen Roman „Duell“ gemacht. Darin ist von einem Onkel Salomon die Rede, der angeblich mit nur fünf Jahren in einem See ertrank. Doch wie passt das mit Fotos zusammen, die den Jungen offenbar zur selben Zeit im Schnee von New York zeigen? Was ist mit dem verschwundenen Familienmitglied wirklich passiert und warum schweigt seine Familie so hartnäckig? Das gilt es zu klären. (

Instituto Cervantes, 23.1.

)

Eng gestrickt ist das Netz, das Mareike Fallwickl mit ihrem Roman „Das Licht ist hier viel heller“ auswirft. Es ist ein Spiel mit Doppelbödigkeiten. Ausgangslage ist der Haushalt in Schieflage, in dem Maximilian Wenger, ein Bestsellerautor mit akuter Schreibblockade, und seine rebellische Tochter Zoey leben. Beide haben sich nichts zu sagen. Dann kommt der Anstoß von außen: Rätselhafte Briefe, die Maximilian liest, obwohl sie nicht an ihn adressiert sind. Doch auch Zoey liest sie. Es geht um Macht, sexuelle Bedrängungen und Selbstbehauptung. (Literaturhaus, 30.1.)

Ebenfalls an der Familienfront arbeitet sich Amelie Fried in ihrem neuen Roman „Ich bin hier bloß die Mutter“ ab, in dem es Illustratorin Clara auch mit den gefürchteten „Pubertieren“ aufnehmen muss. Ganz allgemein hechelt sie zwischen Ehemann und Haustier, zwischen Kita-Platz-Suche und Smartphone hin und her, dabei immer den Anspruch wahrend, doch wirklich eine perfekte Mama zu bleiben. Aber so kann’s natürlich nicht weitergehen ... (Literaturhaus, 23.1.)

Und auch die erwachsenen Töchter im Debüt-Roman „Otto“ der jungen Münchner Autorin Dana von Suffrin hadern mit den Zwängen im Nahbereich. Immerhin erzählt das Buch der frisch gekürten Ernst-Hoferichter-Preisträgerin von einem besonders starrköpfigen jüdischen Familienpatriarchen. Der wird zum Pflegefall, was ihn aber nicht darin bremst, seine Angehörigen zu terrorisieren. (Charlotte-Dessecker-Bücherei, Bürgerhaus Pullach, 24.1.)

Bisschen Spaß muss allerdings bekanntlich auch sein. Und dafür sind Elisabeth Frank und Christian Homma zuständig, die über nicht ganz alltägliche Berufswege zum Schreiben gefunden haben. Immerhin ist sie promovierte Neurobiologin und Bioinformatikerin, Homma promovierte in Physik. Ein weites Herz für den Ulk haben sie beide und Liebe zu dem, was sie „verrückte Einfälle für junggebliebene Liebhaber unblutiger und charmanter Krimis“ nennen. Ein solcher ist das neue Abenteuer „Nie zu alt für Heavy Metal“, das ihre Spürnasen natürlich nach Wacken zu einem Showdown im Dezibel-Gewitter führen muss. (Buch & Bohne, Kapuzinerplatz 4, 23.1.)

Last but not least landet man dann gleich noch bei der jungen Greta-Generation, die jetzt schon die Aufgaben schultert, die ihre Eltern und Großeltern so lange schleifen ließen. Unter dem Motto „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen“ veröffentlichen acht Autoren aus dem Jugendrat der Generation Stiftungen ihre Zukunfts-Rettungsvisionen. Mit Harald Lesch haben sie dafür einen Vorwort-Autor gewonnen, der auch der Lesereise durch die Republik Gewicht gibt. (Utopia-Halle, 23.1.)

Autor: Rupert Sommer

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