Hörspiel-Tipp

Thorne Smith: Das Nachtleben der Götter

Thorne Smith: Das Nachtleben der Götter
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Thorne Smith: Das Nachtleben der Götter

Ein humorvoll alkoholgetränkt-phantastisches Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Thorne Smith.

Interkulturelle Verständigung ist Fettnäpfchen-Golf par Bischof. Die Werbung ist voll davon. Nothing sucks like an Electrolux. Clean blamed, alter Schwede! Noch false-friendiger wird’s, wenn Menschen und Götter die Kommunikationsklingen kreuzen. Und das in einer Zeit, in der sämtliche Götter wegen vorsätzlicher Antiquiertheit längst entsorgt sein sollten.

In derselben Muckistube pumpt der Früh-Arnie Hercules in New York (1970) und zieht mit kultprolligen Arnie-Posen und -Big-Talks den Zuschauern das Zwerchfell über die Ohren. Von seiner Olyhood angefadet, landet Hercules im New York der späten 60s. Als er ein Herkules-Filmplakat spottet, demonstriert er seiner irdischen Begleiterin, dass der echte Herkules deutlich mehr Muckistubenstunden absolviert hat als der alberne Filmschauspieler. Arnie: „He doesn’t even look like me! Look ... (...) Does he? Hahahah. Does he? (...) What is the name of that imitator? Who gave him permission to pretend to be Hercules?“

Geschmeidiger, dabei angenehm rustikal inszeniert Thorne Smith (1892-1934) seinen Kulturbumms, für den er ebenfalls New York als Spielfeld markiert hat. Hauptfigur Hunter Hawk, ein Erfinder aus der Spleen-Liga von Doc Brown (Zurück in die Zukunft), kann Menschen versteinern (zellulare Petrifikation) und wieder entsteinern. Mit einer reanimierten antiken Neptunstatue aus dem Museum geht Hawk auf den Fischmarkt. Neptun will für den Fisch nicht bezahlen, weil ihm eh alle Fische gehören. Glaubt er zumindest in seinem Chuck-Norris-Witz-Selbstverständnis. Fischdealer: „Wer sind Sie? Poseidon?“ Neptun: „Wer sonst?“ Der Wortfluss mündet in einem Asterix-affinen Fisch-Battle.

Als wäre er seinem Nachnamen verpflichtet, strapaziert Autor Smith das Spaß- und Chaospotenzial seiner Idee leider nur ansatzweise. Old Boratbaby stiftet mehr Ramasuri als diese Göttergang. Im Rahmen der Trash-Upgradebedürftigen Vorlage kitzelt das Hörspiel praktisch alles raus, was Spaß macht. Wie der Petrifyflow soundmäßig aufbröselt, hat quasi Jugendstil. Smiths Fischklatscher auf die Biedermadness made in USA findet ihr Nischchen, der Cast brummt und eine Paragrafenhütte als Showdown-Location mit Götter-Performance hat selbst Hollywood selten am Start.

Autor: Jonny Rieder

Thorne Smith: Das Nachtleben der Götter. Hörspiel von Balthasar von Weymarn (Bearbeitung/Regie) mit Detlef Bierstedt, Konrad Bösherz, Derya Flechtner u. v. a., Interplanar 2021, 2 CDs, ca. 110 Min, www.folgenreich.de