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Comic: „Tunnel“ und „Alfred Hitchcock“

Comics „Tunnel“ von Carlsen und „Alfred Hitchcock“ von Splitter
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„Tunnel“ von Carlsen und „Alfred Hitchcock“ von Splitter

Graphic Novels von Rutu Modan und Noel Simsolo & Dominique Hé über die Suche nach der Bundeslade und den Meisterregisseur

Es sei ihr politischstes und komischstes Buch zugleich, meint die israelische Comiczeichnerin Rutu Modan. Auch mit satirischen, kritischen Untertönen über eine Politik, die wohl auf beiden Seiten, zumindest für eine jüngere Generation, für immer mehr Ratlosigkeit und Unverständnis gegenüber starrer konservativer Strukturen sorgt. In Tunnel (Carlsen) vermischt die mit ihrem Comic „Blutspuren“ vor rund zehn Jahren auch bei uns bekannt gewordene Comicautorin eine archäologische Abenteuergeschichte mit einer Gesellschaftssatire über den israelisch-palästinensischen Konflikt.

Im Mittelpunkt steht die Suche nach der heiligen Bundeslade in dem titelgebenden Tunnel unter einer Mauer zum Westjordanland. Der Fund des renommierten Archäologen Broshi hätte den ganzen Nahen Osten erschüttern können, wäre er nicht frühzeitig an Demenz erkrankt. Jahre später beschließt nun seine Tochter Nili, die Arbeit wieder aufzunehmen. Natürlich birgt der politisch heiß umkämpfte Grabungsort ein Problem, aber das ist nichts gegen die Mannschaft, die sie um sich versammelt. Dazu gehören ein gieriger Antiquitätensammler, der auch Geschäfte mit dem IS macht, ein radikaler Siedler, der eine messianische Gruppe Jugendlicher anführt, palästinensische Schmuggler und sogar ihr siebenjähriger, smartphone-süchtiger Sohn „Doktor“. Die alle unter einen Hut, beziehungsweise in einen Tunnel zu bekommen, zeichnet und beschreibt Rutu Modan in ihrem an der Ligne claire angelehnten und mit intelligenten Dialogen gespickten Werk auf höchst unterhaltsame und unverwechselbare Weise.

Alfred Hitchcock (Splitter) war ein Perfektionist, was seine Bildsprache, ein Erotomane, was seine Schauspielerinnen und ein harter Knochen, was seine Produzenten betraf. Dass er auch Humor hatte, beweisen nicht nur die Statisten-Auftritte in seinen Filmen. Doch woher kommt das Talent des Mannes, der als „Master of Suspense“ in die Kinogeschichte eingehen sollte? In ihrer zweiteilige Graphic Novel – der erste Band „Der Mann aus London“ ist bereits erschienen, Band 2 ist für Ende des Jahres geplant – werfen der französische Hitchcock-Kenner und Filmhistoriker Noel Simsolo und der Zeichner Dominique Hé in Grauschattierungen und anhand seiner Filme einen gekonnten biografischen Blick auf das Leben des visionären Regisseurs. Sehr lesenswert, nicht nur für Fans.

 Autor: Rainer Germann

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