Buchtipps

Die Buchtipps im November

Erebus, Atheismus für Anfänger, Das Ting

Diese Lektüre fasziniert, klärt auf und beängstigt.

Michael Palin: Erebus

„Ein Schiff, zwei Fahrten und das weltweit größte Rätsel auf See“ – so der Untertitel dieses faszinierenden Sachbuchs, das sich wie ein spannender Roman liest. 

Der Autor Michael Palin – Monty-Python-Star, Weltenbummler und begnadeter Erzähler – entfaltet mit lebendiger Sprache die glanzvolle Geschichte der Erebus, von ihrem Stapellauf über zahlreiche Fahrten bis zur legendären, vierjährigen Reise in die Antarktis und um die Welt unter Kapitän James Clark Ross. Der zweite Teil des mit Porträts, Original-Zeichnungen und Karten bebilderten Buches, berichtet von der verhängnisvollen Expedition in die Arktis, die in einer Katastrophe endete. 1845 machte sich Sir John Franklin mit 134 Männern und zwei Schiffen, der Terror und der Erebus, auf den Weg ins arktische Eis, um den Traum des Empires von einem kürzeren Handelsweg in den Pazifik, die Nordwestpassage, zu kartieren. Drei Jahre später verschwinden die Schiffe, ihr Schicksal und das ihrer Crews bleibt mehr als anderthalb Jahrhunderte lang ein Geheimnis – bis 2014 vor der Nordküste Kanadas das Wrack der Erebus gefunden wurde. Zuvor waren nur Gerüchte von Erzählungen der Inuit im Umlauf, von Krankheit, Wahnsinn und Kannibalismus war die Rede, ein Umstand, der in Bezug auf die glorreichen Entdecker aber geleugnet wurde – bis man Beweise fand. Faszinierende Lektüre.

Autor: Rainer Germann

Direkt beim Verlag bestellen: mare

Richard Dawkins: Atheismus für Anfänger

Evo-Buster Richard Dawkins bringt sich erneut in anti-religiöse Missionarsstellung – nach „Der Gotteswahn” (2007) und „Die Schöpfungslüge” (2010). Zielgruppe sind diesmal Youngsters. Ist das nötig? Gibt’s heute nicht eh viel coolere Märchen? Harry Potter und so. Schon. Andererseits: Die Anti-Aufklärungs-Liga alias Ver- blödungsfront prollt und trollt weiter. Im Wirrkopfcountry USA hirnfoltern Lehrer ihr Paukklientel mit Kreationismusboarding, Betdiktaturen wie Iran und Vatikan haben das UNOkay und im ewigen (Rück-)Entwicklungsland Germany, das in seiner Spaßverfassung Staat und Kirche trennt, wird an den Schulen munter Religion geirrlehrt. Gegensteuern ist quasi erstes Aufklärungsgebot. Dawkins macht es mit der Evo-Theo rie, seinem Schweizer Taschenmesser powered by Old Darwinbaby, arbeitet sich durch epic Sinn- und Moral-Issues (Brauchen wir Gott, um gute Menschen zu sein? Muss es nicht einen Gestalter geben?). Nice nasty-move: Illus im Wachtturm-Style. Science-enthusiastisch, „The Life of Brian” huldigend und voll buntfleckiger Empfänglichkeit für die Schönheit des Denkens elvishüftet Dawkins den dreigefalteten Wolkenfuzzi und seine Kollegas aus ihrer paradiesischen Autoritätskomfortzone ins fucking Nirvana. Amen.

Autor: Jonny Rieder

Direkt beim Verlag bestellen: Ullstein

Artur Dziuk: Das Ting

Ein bisschen ist es mit diesem Roman so wie mit Donald Trump. Immer wenn man sich ganz sicher ist, das könnte nur völlig überzogene Satire sein und eine wirre Idee, die sich kein Normaldurchgeknallter hätte ausdenken können, hat die Realität schon wieder die Fiktion überholt. So könnte man eigentlich drauf wetten, dass auch „Das Ting“ spätestens zum Weihnachtsgeschäft auf den überhitzten Markt geworfen wird, der vor kurzem noch Fitness-Armbänder ganz großartig fand. Was das vierköpfige TüftlerTeam rund um Linus in Berlin ausgebrütet hat, kann so viel mehr: Das Ting hört alles mit, taxiert jeden, wertet körperbezogenen Daten wie Herzschlag und Hormonspiegel aus und leitet daraus sogenannte Handlungsempfehlungen für den Alltag aus. Klingt zunächst harmlos. Immerhin sind es ja die kleinen Entscheidungen – Bus fahren oder Fahrrad nehmen? -, die Denkfaule immer öfter ihren Gadgets überlassen. Doch Das Ting ist natürlich maximalinvasiv gedacht: Das „Navigationssystem fürs Leben“ krempelt selbiges komplett um. Dabei geht es in aller Skrupellosigkeit um das rücksichtslose Durchsetzen von Zielen und einen Selbstoptimierungswahn, der selbst FDP-Anhänger staunen lassen dürfte. Artur Dziuk spielt in seinem Debütroman einen modernden Faust-Teufelspakt durch, vor dem „Das Ting“ selbst sicher gewarnt hätte.

Autor: Rupert Sommer

Direkt beim Verlag bestellen: Bold

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