Buchtipps

Die Buchtipps im Mai

Welch schöne Tiere wir sind, Trennungen. Verbrennungen., Eintauchen in den Wald

Es ist nie zu früh, schonmal an Erholung und Urlaub zu denken. Mit diesen Buchtipps geht das besonders gut.

Lawrence Osborne: Welch schöne Tiere wir sind

Dass Hydra ein ganz besonderer Fleck im Meer ist, liegt nicht nur an der Absenz von Autos und Motorrollern – hier lebte, neben vielen anderen Künstlern und Expats, auch Leonard Cohen Mitte der Sechziger Jahre mit seiner norwegischen Freundin Marianne Ihlen („So long ...“), vielen gilt die Insel bis heute als Schlüssel zum Werk des großen kanadischen Dichters und Sängers. 

Lawrence Osborne hat die ganz spezielle Atmosphäre der griechischen Insel bei längeren Aufenthalten selbst erlebt und zu einem wunderbaren Roman verarbeitet. Ähnlich dem kürzlich besprochenen „Willnot“ von James Sallis, ist auch hier die Form des Krimis nur ein Rahmen, an dem sich der Leser ein bisschen festklammern kann. Literarisch auf hohem Niveau seziert Osborne die bessere englische und amerikanische Gesellschaft anhand zweier reicher Töchter, die hier mit ihren Familien den Sommer verbringen. Bis die Begegnung mit einem gestrandeten Syrer die geregelte Langeweile aus Sonnenbaden, Schwimmen, Spaziergängen, Partys, Trinken und Kiffen aus dem Gleichgewicht bringt und die anfängliche Hilfsbereitschaft schon bald eine Kette unvorhergesehener Ereignisse auslöst, die geradewegs auf eine Katastrophe zusteuern. 

Osborne liest sich hier wie eine faszinierende Mischung aus Edward St. Aubyn und Patricia Highsmith – wer für diesen Sommer noch keine spannende, mediterrane Urlaubslektüre hat, sollte zugreifen, auch wenn er diesen nicht auf Hydra verbringt. 

Autor: Rainer Germann

Lawrence Osborne: Welch schöne Tiere wir sind, Verlag: Piper
336 Seiten, 22,00€, ISBN: 978-3-492-05926-8

Helmut Krausser: Trennungen. Verbrennungen.

Wer mit wem? Wann? Und warum? Alle haben Sex, alle haben mehr oder weniger Ärger, Sorgen, Nöte. Im Zentrum: Prof. Reisinger mit Gattin Nora, Tochter Alisha und dem aus dem Ruder gelaufenen Sohn Ansgar. Die beiden Vorzugsstudenten Leo und Gerry mit ihren festen Freundinnen. Als lizensiertes Nebengeräusch: Der verheiratete Hotelmanager mit Yacht auf dem Wannsee. Als Geheimnis: Die Studentin, die gutes Geld als Escort verdient. Freundin Sonja, die sich nicht als Gebär- und Gelddruckmaschine missbrauchen lassen will. Freundin Iris, die nur darauf wartet, sich von Leo trennen zu können. Eine Gesellschaft, in der sich alles ausschließlich um Geld, Sex und Karriere dreht. 

Krausser kennt all die Floskeln, Sprüche, neurotisch-narzisstischen Selbstbilder der besseren Kreise. Menschen, denen man im wahren Leben weder am Wann- noch am Starnberger See je begegnen möchte. Der Leser: Schaut aus der Ferne zu. Wie bei jedem „Reigen“ seit Arthur Schnitzler selig. Es wimmelt nur so von Plot Points und pointierten Verstrickungen. Könnte auch ein Drehbuch sein. Oder ein Hörspiel. Ein Profi am Werk. Liest sich weg wie nichts. Entertainment. Aber doch sehr 1980s.  

Autor: Hermann Barth

Helmut Krausser: Trennungen. Verbrennungen., Verlag: Berlin Verlag
256 Seiten, 22,00€, ISBN: 978-3-8270-1393-4

Miki Sakamoto: Eintauchen in den Wald

Die Coverrückseite von Jethro Tulls 77er-Album Songs from the Wood zeigt ein massiv waldhumoriges Bild: Auf einem Baumstumpf ist der Tonarm eines Plattenspielers montiert. Sieht aus, als steckten ein paar wegweisende Songs in den Jahresringen. Der Wald ist eben ein Guter. Lohnt sich, ihm zu lauschen. Mehr noch, im Wald die Sinne freizulassen. 

Miki Sakamoto nennt es Waldbaden. Was für ein inspirierendes Wort! Klingt nach Moos, in dem die Füße versinken, und riesigen Farnblättern, die mit Kraulzügen geteilt werden. In Japan ist Waldbaden (Shinrinyoku) bekannt seit den 80ern, schreibt die Autorin. „Ob Lavendel oder Fichtennadelöl, Eukalyptus oder Minzduft, all diese Stoffe bilden eine Art chemische Schutzatmosphäre um die Pflanzen, die sie absondern. In diesen Schutzschild hinein begeben wir uns beim Waldgang.“ Quasi mördergesunde Waldvitamine, die der Körper aufnimmt, via Lunge und Haut, zudem entspannungspsychologisch monsterwertvoll. 

Leider gibt es kaum mehr Wald im Autodeppenland Germany, bestenfalls Holzplantagen. O. k., immer noch gesünder als Autobahnraststätten und Shoppingmalls. Der größte Teil des Buches ist eine Kombi aus Waldwissen und Waldbadeerfahrungen. Dazu etwas wo und wie. Liest sich gut und pusht Old Woody wieder in den Wertschätzungskanon. 

Autor: Jonny Rieder

Miki Sakamoto: Eintauchen in den Wald, Verlag: hanserblau
208 Seiten, 15,00€, ISBN: 978-3-446-26198-3

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