Buchtipps

Unsere Buchtipps im Mai

Der Debütroman von Dominik Barta und Wilsberg ermittelt wieder

Dominik Barta: Vom Land (Zsolnay)

„Einmal, er war noch ein Junge, zogen die Eltern aufs Land. Stille und Wiesen, nichts als Harmonie und Gras. Es war die Hölle. Nach zwei Monaten ließen sie Woody Allen zurück nach New York.“ Therese musste schweigen und die Getränke reichen, als sie – kaum volljährig, in den 1970er-Jahren (!) in Niederösterreich – beim Gespräch des Vaters mit dem Vater des Jungen vom Nachbarhof unter die Haube gebracht wurde. Sicher, ein guter Junge, ruhig, fleißig, kein Trinker, nicht gewalttätig.

Aber Liebe? Liebe war das nicht. Liebe wurde es auch nicht, als die drei Kinder geboren werden. Das Leben besteht aus arbeiten, arbeiten … arbeiten. Und jetzt, mit sechzig Jahren, wird sie krank, redet nicht mehr, isst nicht mehr, und die Kinder müssen kommen, sollen sich kümmern, haben aber auch kaum Zeit, müssen sich mit eigenen Problemen herumschlagen oder haben einfach keine Lust, weil zum Beispiel für den zweiten Sohn Landleben Spießrutenlauf bedeutet, die Stadt aber Freiheit. Nur der zwölfjährige Enkel Daniel mit seinem syrischen Freund kümmert sich, kann aber die Katastrophe auch nicht verhindern, zumal der erste Sohn Max mit aller Macht und Intrige gegen die im Gasthof untergebrachten Asylbewerber vorgeht. Oder anders gesagt, eine Welt ohne Männer ist zwar nicht möglich, wäre zuweilen aber sehr wünschenswert. Ein meisterhaft erzähltes Debüt!

Jürgen Kehrer: Wilsberg – Sag niemals Nein (grafit)

Und da ist er doch noch einmal, der Buch-Wilsberg, der echte Detektiv. Nicht der aus dem Fernsehen, also ohne Antiquariat, ohne Ekki, ohne Kommissarin Springer, ohne Overbeck und ohne Anwältin Alex. Aber – und da ähneln sie sich schon sehr – immer knapp bei Kasse. Und trotzdem lehnt er erst einmal den Auftrag der 15jährigen Emma ab, ihren Vater Paul Wilkens – einen bekannten Journalisten – bei einem mysteriösem Treffen zu begleiten bzw. zu beobachten. Emma wähnt ihren Vater in Gefahr, da er, wie häufiger in letzter Zeit, in der rechten Szene unterwegs war und an einer „Hammer-Story“ recherchierte.

Wilsbergs alter Freund, der pensionierte und verwitwete Kriminalbeamte Stürzenbecher, überredet ihn, vermutlich aus Alters-Langeweile, sich die Sache doch zumindest einmal näher anzuschauen. Gemeinsam gehen sie zum anvisierten Treffpunkt. Und finden eine Blutlache und ein Handy. Wenig später fliegt Wilsberg – mit durch Emma crowdgefundetem Geld – nach Beirut, gerät an eine dubiose deutsche Stiftung mit Kontakt zur syrischen Diktatorenclique und Stürzenbecher stirbt, ist tot, Mord? Und mittendrin, immer wieder Emma. Mehr wird nicht verraten, nur eines: Jürgen Kehrer versteht es meisterhaft, Spannungsbögen zu brechen und großartige Dialoge zu kreieren. Nicht umsonst stammen die besten Drehbücher des Fernseh-Wilsberg aus seiner Feder.

Autor: Martin Welzel

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