Buchtipp

Globale Affäre

Helen Weinzweig: Schwarzes Kleid mit Perlen

Egal ob Barcelona, Genua oder Hongkong - Diese Liebe kennt keine Grenzen

Die männliche Neigung, beim Sex ein Kondom zu tragen, steigt offenbar mit der Häufigkeit und emotionalen Intensität, mit der die gefühlte Lusterfüllungsgehilfin einen Kinderwunsch andeutet. Als die Icherzählerin Shirley ihrem mysteriösen Liebesspender Coenraad eine Repro-Ansage um die Ohren haut („Ich möchte ein Kind von dir“), ringt er ihr einen Schwur ab, nicht von ihm schwanger zu werden. 

„Trotz meines Versprechens trug Coenraad danach stets ein Kondom, eigens dafür konzipiert, sagte er, um meine Lust zu steigern. (...) Manchmal frage ich mich, ob der wahre Zweck vielleicht doch nur Schutz vor Betrug war.“ Humor, der wehtut, weil er am Fundament kratzt. Und weil er viel erzählt, über das ungleiche Verhältnis von Frauen und Männern, das eigentlich nur tragisch wäre, würde nicht manchmal die Liebe dazwischen funken. 

Damit navigiert Helen Weinzweig (1915-2010) ihre Leser durch diese skurrile Geschichte einer einsamen Frau, die behauptet, als Lola Montez ihrer Geheimagentenaffäre quer durch die Welt zu folgen. Mit barocker Fantasie zappt sich Shirley aus der Realität. Wie eine Variante zu Terry Gilliams Kultfilm Brazil, wo der Held Sam Lowry der Kontrolle seiner Häscher entkommt, indem er wahnsinnig wird. Wie konnte dieses Buch nur so lange unentdeckt bleiben? 

Autor: Jonny Rieder

Helen Weinzweig: Schwarzes Kleid mit Perlen, Verlag: Wagenbach
192 Seiten, 22,00€, ISBN 978-3-8031-3308-3

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