Buchtipp

Schrei nach Gerechtigkeit

Édouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht

Angry young man? Auch.

Édouard Louis stellt Fragen. An die Welt. An sich selbst. An seinen Vater, der ihm das Leben schwer gemacht hat, und dem das Leben schwer gemacht wurde – einer dieser Knallköpfe, denen man phrasenhaft bescheinigen würde, dass er nicht aus seiner Haut heraus kann. 

Laut gedacht als die Gedankenbaracke, die Louis’ Vater umgibt: in seiner Vorstellung von Männlichkeit („möglichst früh von der Schule abzugehen, um den anderen seine Kraft zu beweisen“), seiner Statusangst („wegen des Geldmangels anders zu sein als andere Leute“), seiner Unfähigkeit, ein annähernd zwangfreies Leben zu führen. 

Autobiografisch und intim wie Das Ende von Eddy (über seine scheiß Kindheit) geht es hier nur um Louis’ Vater, den er verabscheut für all die Demütigungen – und für dessen Zerstörung er das Politikerpack mitverantwortlich macht, von Chirac bis Macron. Wer hat meinen Vater umgebracht kommt mit der trotzigen Kraft von Alan Sillitoes Einsamkeit des Langstreckenläufers, gebremst nur von der weitstreckigen direkten Ansprache im Präteritum („du sagtest“, „du schämtest dich“), die in der deutschen Übersetzung manieriert wirkt – sicher nicht die Absicht dieses Autors mit seinem 70-Seiten-Schrei nach sozialer Gerechtigkeit. 

Autor: Jonny Rieder

Édouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht, Verlag: S. Fischer
80 Seiten, 16,00€, ISBN 978-3-10-397428-7

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