Interview

Parkway Drive-Frontmann Winston McCall im Interview

+
Parkway Drive

Der sympathische Parkway Drive-Frontmann Winston McCall über den Umgang mit Schmerz und Verlust, die Demut vor dem Erfolg und was ihm an Deutschland am besten gefällt.

Zwischen „Ire“ und „Reverence“ liegen drei lange Jahre, das neue Album wurde sehnsüchtig von zahlreichen Fans auf der ganzen Welt erwartet. Wie lief der Aufnahmeprozess und die Studiozeit ab? Habt ihr mit die vielen positiven Reaktionen auf die Platte erwartet als ihr sie aufgenommen habt?

Immer wenn wir ins Studio gehen, sind die meisten Songs schon fertig geschrieben. Für „Reverence“ waren wir mit den alten Platten verglichen am besten vorbereitet. Wir haben viel größere Konzepte entwickelt und konnten sie auch viel besser umsetzen als in den vergangenen Jahren. Unser Fokus lag klar darauf, was wir erreichen wollten. Natürlich hatten wir gehofft, dass unsere Fans etwas von der Platte mitnehmen. Aber auf diese überwältigende positive Resonanz waren wir nicht vorbereitet.

„Reverence“ ist ein ehrliches Album, das sich mit dem Abschied von geliebten Menschen und damit beschäftigt, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Wie hat es sich angefühlt, als du dich für diese persönlichen Themen geöffnet hast?

Mich für den Schmerz und den Verlust zu öffnen, hat sich sehr natürlich angefühlt. Ich habe für Parkway Drive schon immer über Themen geschrieben, die sich für mich natürlich anfühlen. Dieses war nun offensichtlich das bislang persönlichste. Thema Es geht um etwas, das sich nicht vermeiden lässt, und genau deshalb muss darüber gesprochen werden. Ich bin sehr froh, dass wir dem Thema auf diese Art und Weise mit dem Album gerecht werden konnten.

Das Cover-Artwork von „Reverence“ wurde von Peter Paul Rubens gestaltet. Warum habt ihr ihn als Künstler ausgewählt? Was verbindet euch mit ihm und gibt es eine tiefere Bedeutung hinter dem Kunstwerk?

Als wir das Gemälde zum ersten Mal gesehen haben, habe wir uns sofort damit verbunden gefühlt.Ich wusste sofort, dass es genau repräsentiert, wofür das Album steht. Wir sind sehr glücklich darüber, es als Cover-Artwork verwenden zu dürfen, denn es fängt so gut ein wie ich mich als Mensch fühle. Es beschreibt Ernsthaftigkeit der Musik, der Texte und wofür wir mit dem Album als Band stehen.

Verglichen mit älteren Alben hat sich eure Musik ein wenig verändert. Dein Songwriting ist komplexer und abwechslungsreicher geworden. Habt ihr geplant, euch in diese Richtung zu entwickeln?

Die Band hat sich schon immer weiterentwickelt. Von unserer Gründung bis hierhin haben wir uns immer wie auf einer musikalischen Erkundungstour gefühlt. Wir haben uns mit jedem noch so kleinen Schritt stetig verändert. Dieses Mal standen unser Sound und Songwriting im Fokus, wir haben uns musikalisch noch nie so rund und kultiviert gefühlt wie für dieses Album. Wir hatten keinen Grund, auf ein sicheres Konzept zu setzen. Außerdem haben wir uns zuversichtlich bei dem Gedanken gefühlt, auf einen herausfordernden Sound zu setzen. Früher hatten wir dafür nicht die nötige Courage. Aber jetzt haben wir uns getraut, das durchzuziehen, was wir wirklich machen wollten. Jeder Sound hätte ein neuer Sound für Parkway Drive sein können.

Klarer Gesang ist typisch in der Metalcore-Szene. Du lässt ihn seit Jahren aus, nur in sehr frühen Songs spielt der klarer Gesang eine Rolle. Was hat dich zu dieser Entscheidung bewogen?

Der einfache Grund, weshalb wir ursprünglich nicht mit klarem Gesang gearbeitet haben, ist ganz einfach, dass wir es a) nicht gut konnten und wir uns b) nicht danach fühlten. Es ist ein übliches Stilmittel, und viele Bands klingen ähnlich wie wir, gerade in unseren ersten Jahren. Aber wir wollten nicht um der Sache willen singen. Parkway Drive waren nie eine Band, die einem Trend gefolgt ist nur weil es ein Trend war. Wenn wir uns für etwas entschieden haben, dann wollten wir immer auch sicher gehen, dass wir es gut machen. Früher konnte niemand von uns wirklich gut singen, das hat sich aber zum Glück mit der Zeit geändert (lacht).

In Australien seid ihr mit eurem neuen Album - wie schon mit dem Vorgänger - auf Platz eins an die Spitze der Charts geklettert. Auch in Deutschland habt ihr es bis auf Platz drei geschafft. Habt ihr euch an den Erfolg gewöhnt? Wovon träumt ihr als Band nach den meistverkauften Alben noch?

Es ist wirklich großartig, dass wir mit der Band so großen Erfolg haben. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht so ist. Es überrascht mich immer wieder, wie weit wir bislang gekommen sind. Und ich bin immer noch voller Demut, wenn die Leute unser Album kaufen, wir in den Charts landen oder wir vor ausverkauftem Publikum spielen. Ehrlich gesagt habe ich nie erwartet, dass wir es so weit bringen. Jetzt möchte ich herausfinden, wie weit wir noch gehen können. Ich möchte Erfahrungen sammeln und Leuten einzigartige Momente schenken. Etwas, das sie vorher nicht in ihrem Leben gehabt haben. Wir werden weiter daran arbeiten und hoffentlich auch weiterhin erfolgreich sein. Ich möchte den Leuten etwas zurückgeben.

Die „Reverence Tour“ ist bereits in anderen Kontinenten gestartet und kommt bald nach Europa und nach Deutschland. Wie fühlt es sich an, die neuen Songs endlich auf die Bühne zu bringen?

Es fühlt sich so gut an, die neuen Songs endlich live zu spielen, gerade weil wir die meisten von ihnen genau dafür schreiben. Die Songs sind dafür geboren, sie auf die Bühne zu tragen. Sie jetzt auch in Europa zu präsentieren, ist einfach fantastisch. Es ist aufregend, das neue Material auszuprobieren, es mit den alten Songs zu verbinden und eine Dynamik und Atmosphäre zu schaffen, die wir uns während der Aufnahmen schon in unseren Köpfen vorgestellt haben.

Ihr seid mit KILLSWITCH ENGAGE und THY ART IS MURDER auf Tour, die euch beinahe auf jeder Show supporten. Auf einer Skala von eins bis unglaublich aufgeregt: Wie aufgeregt seid ihr deswegen? Welche spezielle Beziehung verbindet euch mit diesen Bands und warum habt ihr euch entschieden, sie mit auf Tour zu nehmen?

Wir sind unglaublich aufgeregt, weil wir zusammen durch die Welt touren können. KILLSWITCH ENGAGE waren eine unserer größten Inspirationen, überhaupt eine Band zu gründen. Dass wir jetzt in der Lage sind, gemeinsam mit ihnen die bislang wichtigste Tour in unserer Karriere zu spielen, ist ein wahr gewordener Traum. Und dass auch THY ART IS MURDER dabei sind, mit denen wir buchstäblich schon auf drei oder vier verschiedenen Kontinenten unterwegs waren, ist einfach wichtig für uns. Wir haben viele Jahre gewartet, um so ein großartiges Bandpaket wie dieses zu schnüren.

Ihr seid zuletzt als Co-Headliner auf einigen der größten Festivals in Deutschland aufgetreten, etwa bei Rock am Ring, Rock im Park und dem With Full Force. Jetzt steht eine Indoor-Arena-Tour auf dem Plan. Welche Konzerte spielt ihr lieber: Open-Air oder Indoor-Gigs? Und Warum?

Ich bevorzuge keine bestimmte Show mit Parkway Drive. Wir sind in der glücklichen Lage, auf großartigen Festivals als Co-Headliner aufzutreten und in Arenen zu spielen, aber genauso vor einer Hand voll Leuten in kleinen Clubs. Jedes Konzert ist einzigartig und anders. Mir ist wichtig, das Besondere in jedem Abend zu finden und eine Verbindung zum Publikum herzustellen. Ob da nun 1.000 Leute, 100 oder nur eine Person stehen. Du brauchst mich nur auf eine Bühne zu stellen und ich bin glücklich, spielen zu dürfen.

Fühlt ihr euch nach 15 Jahren auf der Bühne manchmal immer noch nervös und habt mit Lampenfieber zu kämpfen?

Auch nach 15 Jahren habe ich immer noch kein Lampenfieber (lacht). Ich glaube nicht, dass ich jemals in meiner Karriere Lampenfieber gehabt habe, was schon sehr merkwürdig ist. Ich denke eher, ich bin aufgeregt bei dem Gedanken, was wohl passiert, wenn wir die Bühne betreten. Aber nervös bin ich nicht, das war ich auch früher nicht. Es ist eher so, dass wir alle uns freuen und darüber lachen, dass wir das alles machen dürfen (lacht). Wir sind einfach dankbar dafür.

Eine Welttournee führt euch in besondere Städte. Erlaubt es euch euer Zeitplan, sie auch jeden Tag zu erkunden?

Früher haben wir oft darauf geachtet, Zeit für Erkundungstouren und Abenteuer einzuplanen. Aber inzwischen haben wir so viel von der Welt gesehen, und die aktuellen Shows fordern uns so stark heraus, dass wir unsere freie Zeit nun mehr dafür nutzen, uns zu erholen (lacht). Die Hauptsache ist, dass wir voll konzentriert sind, wenn wir die Bühne betreten. Deshalb gehen wir nicht das Risiko ein, irgendwo gegen zu laufen und gesprengt, überfahren oder in zwei Hälften zerschnitten zu werden (lacht). Aber wir sind sehr glücklich, dass wir so viel von der Welt aus der Perspektive einer reisenden Band sehen konnten. Das war eine außergewöhnliche Erfahrung.

Australischer Fun-Fact: Emus und Kängurus können nicht rückwärts laufen. Wenn du in der Zeit rückwärts laufen könntest, gibt es etwas, das du bezogen auf deine Musikerkarriere ändern würdest?

Ich würde nichts hinsichtlich unserer Musik und unserer Karriere ändern wollen. Aus dem einfachen Grund, weil uns alles, was wir getan haben, dorthin geführt hat, wo wir nun stehen. Ich denke, jeder macht Fehler in seinem Leben, und natürlich würde ich gerne ein paar Dinge ändern, die mich als Person betreffen (lacht). Aber wenn es um die Musik geht, stehe ich zu jedem noch so kleinen Schritt, den wir gegangen sind. Ich bin unglaublich stolz, wie wir unseren Weg als Musiker und persönliche Individuen bis hierhin gegangen sind - auf der Bühne und in der Musikindustrie. Ich denke, es erfordert viel Mühe einer sehr disziplinierten Gruppe, um das zu erreichen was wir geschafft haben. Ich würde nichts löschen, anders oder machen oder den Reset-Knopf drücken wollen.

Was magst du an Deutschland und Europa am liebsten? Was magst du am wenigsten? Was vermisst du auf Tour?

Am besten finde ich die Leidenschaft, die die Menschen in Deutschland und Europa für harte Musik aufbringen. Sie ist immer zu spüren, jedes Mal wenn wir ein Konzert oder auf einem Festival spielen, uns eine große Band von früher anschauen oder eine Gruppe, von der wir vorher nie gehört haben. Es ist immer großartig zu sehen, wie Respekt und Leidenschaft in dieser Szene Hand in Hand mit dem Publikum und den Bands gehen. Wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb so viele Bands so gerne in Deutschland und in Europa auf Tour gehen. Wir kommen jedenfalls genau deswegen immer gerne zurück.

Ein paar Worte an eure Fans in Deutschland: Was können sie auf eurer kommenden Tour erwarten und warum sollten sie ihre Freunde mitbringen?

Ein großes Dankeschön an alle unsere Fans in Deutschland, dass ihr uns über all die Jahre so großartig unterstützt. Danke für all die unglaublichen Konzerte. Wir können es nicht erwarten, bald wieder zurückzukommen. Auf der „Reverence Tour“ könnt ihr eine Show erwarten, die ihr so noch nie von Parkway Drive gesehen habt. Auch wenn ihr vielleicht wisst, wozu wir fähig sind: Vertraut mir, so habt ihr uns noch nicht gesehen. Wir haben einiges geplant, und wir werden euch zeigen was. Tut uns einen Gefallen und bringt eure Freunde mit, denn es wird eine sehr interessante Show werden. Wir sehen euch dann.

PARKWAY DRIVE - Reverence Tour 2019, Zenith, Lilienthalallee 29
Sa., den 16.02.2019, ab 19:00 Uhr, Tickets bei MünchenTicket

Auch interessant

Metal

Konzerttipps für alle Metalheads zum Monatswechsel

Konzerttipps für alle Metalheads zum Monatswechsel

Eventtipp

1. Internationales Gitarrenfestival LA GUITARRA ERL

1. Internationales Gitarrenfestival LA GUITARRA ERL

Jazznotes 

Die Jazz-Konzerttipps im Juni

Die Jazz-Konzerttipps im Juni

Konzert-Highlights

Weitere Konzert-Highlights im Juni

Weitere Konzert-Highlights im Juni