Konzert-Highlights

Die nächsten Konzert-Highlights im April

Verzaubert mit reduzierter Musik und toller Stimme: Alice Phoebe Lou

Entfesselte Stimmen von Punk bis Folk, zwischen Tradition und Moderne

Ein trauriges Country-Märchen: die junge Nicole sitzt in Nashville und trinkt, dem Vater wird Lungenkrebs diagnostiziert. Aber die grandiose Sängerin, Komponistin und Musikerin Nicole Atkins ist diesem Tiefpunkt gestärkt entwachsen und hat ein fantastisches Album voller Country-Soul und Jazz-Funk namens „Goodnight Rhonda Lee“ erschaffen.

Sie gibt bei ihren Live-Performances wirklich alles und so schafft sie es, ihr Publikum zu Tränen zu rühren und im nächsten Moment wieder in den Himmel zu schießen –Ekstase und Gelächter liegen ganz nah beieinander. Für Kurzentschlossene: hingehen! (18.4. Unter Deck)

Im Januar erschien mit „Jade“ das sechste Album von Pascow. Mit dieser Platte verabschiedet sich die Band nach eigener Aussage von Codierung und „kryptischer Scheiße“. Keine ihrer Platten zuvor war inhaltlich so greifbar und fokussiert, griffiger deutscher Punk, mal Hardcore, mal mit Pop anklängen, auch wegen der weiblichen Vocals, die im Refrain von „Silberblick & Scherenhände“ anklingen –hier verlässt die Band ein Genre, das sie in den letzten Jahren selbst mitgeprägt hatte. Das Album wurde in drei Wochen Studiozeit in Zusammenarbeit mit Kurt Ebelhäuser (Blackmail) aufgenommen und das hört man auch. (22.4. Technikum)

Das hätte wohl niemand geglaubt, dass die luftigen Songs auf dem Album „Slacker Island“ von Two Year Vacation im nordischen Göteborg eingespielt wurden. So sonnig sind die Klänge, dass man eher braungebrannte kalifornische Surfer hinter den Instrumenten vermuten würde und nicht fünf schwedische Kumpels. Aber das Quintett beherrscht den luftigen Sound der Westküste perfekt: Zwischen funkiger Elektronik und lockeren Indie-Gitarren entsteht das Verlangen, einen coolen Drink zum Sonnenuntergang am Pool zu genießen. Auf alle Fälle besser, als im Übungskeller in Göteborg sitzen.Support: Color Comic (24.4. Muffatcafé)

Natürlich wird Sam Fender mit Sicherheit auch live seine Qualitäten unter Beweis stellen: Neben seinem großen sozialen und politischen Bewusstsein ist es vor allem sein Talent, schwierige Themen in große Melodien und Hooks zu verpacken, die sofort im Kopf bleiben. Zusammen mit seiner hohen, eindringlichen Stimme setzen sich so Musik und Geschichten sofort fest. Das galt schon für „Play God“, der ersten Single aus dem Jahr 2017, die sofort in die Playlists der BBC aufgenommen wurde. Aber der Engländer war zuvor schon ein gestandener Musiker mit viel Erfahrung und stand im Vorprogramm von Größen wie Hozier, Willy Mason, Ben Howard oder Michael Kiwanuka auf der Bühne. (25.4. Technikum)

„Die Macht und Größe dieser Musik, die Magie dieser verwunschenen Melancholie, die sich immer die Waage hält, zwischen Chaos und Struktur“ – so beschreiben Lea Porcelain aus Berlin ihr Debüt-Album „Hymns of the Night“ und fürwahr, das kommt schon hin, wenn man noch PostPunk und Elektronika dazu addiert. Die Single „Warsaw Street“ gibt den Kurs schon mal recht gelungen vor – David Bowie in seiner Berlin-Phase hätte seine wahre Freude gehabt. Bisher spielten sie hierzulande ausverkaufte Shows, traten in London, Paris, Benelux und auf den Reading- und Leeds-Festivals auf, außerdem als Support für Alt-J auf Europatour. Könnte schon was werden mit den Berlinern international, denn so klingt das auch. (27.4. Strom)

Seit 13 Jahren kämpfen Frittenbude mit lebenslustiger Rebellion gegen die Erkenntnis an, dass das Leben zwar nicht immer schön ist, aber zelebriert gehört. Das neue Album „Rote Sonne“ fängt die Frittenbuden-Widersprüche perfekt ein: mit Texten, die mal kryptisch, mal plakativ sind, und einem stimmigen und experimentierfreudigen Sound. Wut trifft auf Liebe und Aggression auf Lässigkeit – zu wissen, dass man kämpfen muss, führt nicht automatisch zu Bitterkeit. Support: Lueam (27.4. Muffathalle)

Das Kölner „Pop-Gesamtkunstwerk“ ist live ein „tosender Strom von Musik und Sprache zwischen Komik und Schmerz, Irrsinn und Hysterie“. Oha. Peter Licht bewegt sich in seinem künstlerischen Schaffen zwischen verschiedenen Formaten: Texte, Bücher, Theater, Kunst, soziale Skulptur, Kapitalismus und Schnäppchenmarkt. Popmusik auf Tonträgern veröffentlicht der wortgewaltige Universalkünstler seit dem Jahr 2000, nun präsentiert er das neue Studioalbum „Wenn wir alle anders sind“. Nach der 2011 erschienenen LP „Das Ende der Beschwerde“ und der Doppel-Live-CD „Lob der Realität“ mit allen seinen Hits in neuen Versionen, wäre es an der Zeit, „neue Hymnen zu singen“. Oha. (30.4. Feierwerk Hansa 39)

Seit 2009 veröffentlichen Mandolin Orange stets euphorisch besprochene Musik zwischen Americana, Bluegrass und Country: So spannend es ist, ganz neue Wege zu suchen, so wichtig sei es, die Pflege und Weiterentwicklung der Tradition nicht den Ewiggestrigen zu überlassen. Wie in Europa finden sich auch in den USA zunehmend junge Musiker, die die musikalischen Wurzeln bereichern. Zu dieser neuen Generation zählt das Duo, das aus Emily Frantz und Andrew Marlin besteht. Für das neue Album „Blindfaller“ versammelten Emily und Andrew einige ihrer Lieblingsmusiker um sich, die sie hoffentlich auch auf Tour mitbringen. (1.5. Ampere)

In den zehn Jahren seit der Durchbruch- Single „Little Lion Man“ und dem vielfach mit Gold und Platin ausgezeichneten Debüt „Sigh No More“, haben sich Mumford & Sons ganz harmonisch weiterentwickelt und von einer traditionellen Folk-Rock-Band zu einem der erfolgreichsten Acts weltweit gewandelt. Nach der letzten Platte „Wilder Mind“ und der „Johannesburg“- EP haben sie eine neue musikalische Sprache gesucht, die ihre Ursprünge und die jüngsten elektronischen Ausflüge organisch miteinander verbinden sollte. Mit dem neuen Album „Delta“ ist ihnen das gelungen, ein Wechsel von introspektiven Liedern und Arena-Hymnen. (1.5. Olympiahalle)

Das Leben des Ryan Bingham ist alles andere als bürgerlich verlaufen: er verdingte sich als Cowboy bei Rodeo- Shows, lernte Gitarre spielen und erwarb recht schnell die Fähigkeit, vor Publikum aufzutreten. Die Karriere kam in Fahrt und er landete irgendwann mit dem großen T. Bone Burnett im Studio und schrieb mit ihm den Song „The Weary Kind“ für den Film „Crazy Heart“ –es regnete Oscars, der Rest ist Geschichte. Mit seiner Frau hat Bingham jetzt sein neues Studioalbum produziert. In „American Love Song“ fragt er mit rauer Stimme, ob es den amerikanischen Traum überhaupt noch gibt – in Trumps Amerika. Bingham ist eben ein kritischer Zeitgenosse und beobachtet aufmerksam gesellschaftliche Missstände. (2.5. Freiheiz)

Ob als Straßenmusikerin am Berliner Mauerpark oder verstärkt und mit Band –stets gibt die südafrikanische Wahlberlinerin Alice Phoebe Lou alles und vertritt ihre Ansichten vehement und erfolgreich. Die Songwriterin, die mit einer rauen, fesselnden Stimme überzeugt, verbiegt sich nicht, sondern verzaubert mit reduzierter Musik und macht dabei alles selbst. Ihr neues Album „Paper Castles“ brachte sie daher auch ohne große Plattenfirma im Rücken heraus. Das ARD-Kulturmagazin „ttt – Titel, Thesen, Temperamente“ widmete ihr ein hymnisches Portrait und ihr Song „She“ wurde für einen Oscar nominiert. Sollte man sich nicht entgehen lassen. (2.5. Ampere)

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