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Martin Brugger von FAZER: „Wie Fische, die sich im Schwarm bewegen“

Martin Brugger von FAZER im Interview
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Kultiviert den intelligenten Indie-Spirit: Bassist Martin Brugger (oben links)

Das gefeierte Jazz-Quintett FAZER hat für das neue Album „Plex“ wieder an ausgefuchsten Rhythmen gebastelt. Martin Brugger verrät, wie die Band tickt.

Hallo Herr Brugger, die Tage bis zum Erscheinen eines neuen Albums runterzuzählen, fühlt sich zumindest für die Fans ja oft ein wenig an wie das Warten aufs Christkind. Als Band wissen Sie natürlich, was kommt. Trotzdem: Wie groß ist auch bei „Wiederholungstätern“ so etwas wie die angespannte Vorfreude, vielleicht sogar die Nervosität?
Wir freuen uns schon sehr auf den Release! Es ist ja nun schon bald zwei Jahre her, dass wir die Platte aufgenommen haben, durch die Pandemie hat sich alles immer weiter verschoben. Nervosität ist vielleicht zu stark, aber wir sind natürlich gespannt wie das Album ankommt.

Als Sie am „Plex“-Album arbeiteten, war im Vorfeld die Devise an die Bandmitglieder zu hören, einfach mal Gewohntes in Frage zu stellen und sich auch an neue Vorschläge zu wagen. Wie schwer war dieser Arbeitsauftrag an Sie selbst, wie viel ist davon dann geblieben?
Ich denke man kann Plex schon als „typisches“ Fazer Album bezeichnen. Im Detail haben wir aber doch viel neues ausprobiert. Zum Beispiel haben Simon und Sebastian (die beiden Drummer) diesmal in getrennten Räumen aufgenommen, was das Spiel beeinflusst und gleichzeitig neue Möglichkeiten im Mix bietet.

Wer Sie noch nicht kennt: Wie muss man sich eigentlich das Miteinander in einer Band vorstellen, die zumindest eine nicht ganz alltägliche Besetzung hat – ohne Gesang, ohne Tasteninstrumente, aber mit zwei Kollegen an Schlagwerk und Percussion?
Wir haben mittlerweile ein sehr feines musikalisches Gespür für uns untereinander entwickelt. Jeder weiß, wo gerade Platz ist oder wo es hin geht. Ich vergleiche das gerne mit Fischen, die sich im Schwarm bewegen, ohne groß darüber nachzudenken.

Wie entwickeln Sie neue Ideen, von welcher Ecke gehen Sie in der Regel aus?
Meistens starten wir mit einem Leadsheet, also Melodie + Harmonie, das jemand mitbringt, und arbeiten dann zusammen an der Umsetzung. Oft beginnt der Prozess aber auch mit einem Drumgroove, und der Rest entwickelt sich daraus.

Viele Ihrer Songs wirken wie ein Fenster in Klangwelten und Regionen, wo man gerade jetzt gerne auch „in echt“ gewesen wäre. Wie viel Fernweh und Reise-Sehnsucht steckt denn akut in Ihrer Musik?
Wenn wir Musik machen, sind wir in erster Linie bei uns selbst, aber bei der ganzen Veröffentlichung spielt natürlich schon der Wunsch mit, die Musik dann auch möglichst weit in die Welt hinauszutragen.

Allerdings bringen auch Ihre Klänge Weite mit. Zuletzt war gerade die Künstlerwelt oft von Enge bedrängt, Austausch und Reisen war und ist leider deutlich schwieriger. Wie sehr drückt das auf die Stimmung?
Wir blicken hoffnungsvoll in die Zukunft!

Trotzdem: Viele Künstler berichten, dass sie trotz allem die unfreiwillige Reduktion auf neue, einfachere Arbeitswege und viel Heimarbeit oft auch als Chance und Anstoß zur Konzentration gesehen haben. Inwiefern trifft das auch auf Fazer zu?
Die Aufnahmen für Plex haben wir kurz vor dem ersten Lockdown noch unter normalen Umständen abgeschlossen. Ich persönlich kann aber sagen, dass auf mich die Ruhe und die Zeit sehr inspirierend gewirkt haben. Natürlich bin ich mir bewusst, dass das eine singuläre, privilegierte Erfahrung war und für andere diese Zeit extrem schwierig war.

Zuletzt haben Sie beim renommierten Haus City Slang angedockt. Welche Möglichkeiten haben sich daraus für Sie neu ergeben?
City Slang ist ein großes, internationales Label, da hören natürlich direkt ein paar Leute mehr hin. Gleichzeitig herrscht dort aber immer noch ein „Indie“-Spirit, weshalb die Zusammenarbeit total Spaß macht. Was dann konkret mit dem Album passiert, kann man nie voraussagen.

Was macht für Sie die Magie des Probierens aus? Oder versuchen Sie die im Entstehungsprozess neuer Songs immer mehr zurückzufahren, bis sich ein Endzustand verfestigt hat?
Wir versuchen eigentlich genau diese Magie einzufangen. Manchmal zwingen wir uns sogar dazu, Songs vorm Studio nicht zu oft zu spielen, damit auch ja noch genug von dieser Magie auf der Aufnahme landet. Oft ist dann auch der erste Take eines Songs derjenige, der am spannendsten ist. Wenn dann auch sonst alles passt, ist die Freude natürlich groß.

Letzte Frage: Live vors Publikum zu treten, dürfte natürlich auch für Sie mehr als nur eine Pflichtübung sein. Wie drängend ist für Sie das Bedürfnis, sich über die neuen Songs auch mal wieder mit Rückmeldung aus dem Raum mit Zuhörern auszutauschen?
Wir freuen uns riesig darauf, wieder Konzerte zu spielen. Am 16. März ist unser Releasekonzert in den Münchner Kammerspielen. Da hoffen wir auf viele bekannte und unbekannte Gesichter. Ende Mai gehen wir dann auf Tour, wenn alles nach Plan läuft.

Interview: Rupert Sommer

Die Infos zum neuen Album „Plex“, erschienen aktuell bei City Slang, gibt’s hier: http://www.fazerfazerfazer.de. Das Release-Konzert steigt am 16. März in den Kammerspielen.

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