Manifest Restart: Perspektiven für die Veranstaltungsbranche

Konzert im Münchner Zenith vor Corona
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Pandemisch betrachtet zumindest heikel: Das picke-packe-volle Zenith vor Corona

Sagen wir es mal so: Einfacher wird’s nicht. Aber, zumindest haben sie sich beim Forum Veranstaltungswirtschaft, ernsthaft konstruktive Gedanken gemacht, wie es in der Konzert- und überhaupt Livebranche weitergehen könnte.

Das Forum Veranstaltungswirtschaft ist die Allianz fünf maßgeblicher Verbände des Wirtschaftsbereichs, darunter der BDKV (Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft), der EVVC (Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren), der ISDV (Dienstleister*innen in der Veranstaltungswirtschaft), die LIVEKOMM (Musikspielstätten in Deutschland) und der VPLT (Medien- und Veranstaltungstechnik).

Folglich versammelt sich hier also die geballte Livebranchen-Kompetenz, die sich mit dem Manifest Restart nun an die Öffentlichkeit, vor allem aber an die politischen Verantwortlichen wendet. Dieses basiert auf einer sogenannten Genehmigungsmatrix die, folgt man dem Wortlaut des Manifests, allem bundesrepublikanischem Föderalismus zum Trotz, für einheitliche Voraussetzungen zwischen Schleswig-Holstein und Bayern  sorgen soll.

Fünf Rahmenbedingungen sind existenziell

In dieser Matrix sind dann also grundlegende Pakete von Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen sowie progressive, inzidenzbasierte Risikostufen definiert, die einem nach wie vor dynamischen Infektionsgeschehen Rechnung tragen sollen. Auf Basis der Genehmigungsmatrix könnten Veranstalter und Behörden ermitteln, in welcher Risikostufe, unter welchen allgemeinen und besonderen Pandemie-Maßnahmen und mit welchen Kapazitäten Veranstaltungen jeweils zulässig sein sollen.

Nachfolgende Rahmenbedingungen wären laut Forum Veranstaltungswirtschaft wesentlich für einen „Restart“ des Livebetriebs: Erstens sollten die zulässige Teilnehmerzahlen in Zukunft an der Kapazität der Spielstätten ausgerichtet werden, denn „mittlere und große Spielstätten werden unangemessen benachteiligt, wenn die Steuerung der zulässigen Besucherzahl von Veranstaltungen ausschließlich über feste Obergrenzen erfolgt.“ Zweitens sollen die Teilnehmerzahlen und notwendigen Maßnahmen an den baulichen Voraussetzungen (u.a der Lüftung) von Spielstätten ausgerichtet werden. Drittens so das Forum, bringen unterschiedliche Veranstaltungsformate unterschiedliche Infektionsrisiken mit sich, man nehme nur klassische Konzerte oder Theateraufführungen im Vergleich zu Rockkonzerten. Viertens sollten Testverfahren, also PCR und Antigen-Tests, zugelassen werden: Auf diese Weise, so heißt es, könnte die Veranstaltungswirtschaft sogar die „notwendige Ausweitung der Teststrategie der Bundesregierung unterstützen.“

Und last but not least soll die Entscheidung über die Maßnahmen bei den Veranstaltern liegen, denn auf Grundlage der vorgelegten Genehmigungsmatrix sollen diese selbst entscheiden können, ob sie „eine Veranstaltung z.B. ohne Testungen und mit einem einfachen Maßnahmenpaket mit reduzierter Kapazität, oder mit Testungen und mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket bei voller Kapazität durchführen wollen.“ Bei all dem, so das Forum Veranstaltungswirtschaft weiter, sei „eine bundesweit einheitliche Umsetzung“ wichtig, denn, „die vorgenannten Rahmenbedingungen sind in der Genehmigungsmatrix und in den Formulierungsvorschlägen für Verordnungen bereits berücksichtigt. Sie müssen bundesweit möglichst einheitlich zur Umsetzung kommen, damit ein wirtschaftlicher Veranstaltungsbetrieb einen Neustart erfahren kann.“

Paradigmenwechsel in der Förderung unabdingbar

Die bisherigen Anstrengungen der Bundesregierung und einiger Landesregierungen zur Unterstützung der notleidenden Veranstaltungswirtschaft sind laut dem Manifest bestenfalls „anerkennenswert“. Allerdings beruhen diese zum Großteil auf der Förderung des kulturellen Stillstands. Hier fordert das Bündnis einen Paradigmenwechsel: „Bei der Durchführung von Veranstaltungen in Zeiten der Pandemie entstehen der Veranstaltungswirtschaft einerseits Erlösausfälle durch die Minderung von Teilnehmerzahlen und andererseits Mehrkosten durch die Umsetzung von Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen und die Durchführung von Teststrategien. Eine Förderung dieser Erlösausfälle und Mehrkosten ist erforderlich, solange Veranstaltungen nur unter erheblich reduzierter Kapazität mit signifikant erhöhten Kosten – und damit im Ergebnis unwirtschaftlich – durchgeführt werden können.“ Erforderlich seien daher der finanzielle Ausgleich reduzierter Kapazitäten, Beteiligung an den Kosten für Testungen sowie die Erstattung von Verlegungs- und Ausfallkosten von Veranstaltungen durch Bund und Länder. Zudem fordert das Manifest selbstverständlich und völlig zu Recht „Reisefreiheit und Quarantänebefreiung für Kulturschaffende und Geschäftsreisende“, denn schließlich sei es ja „erforderlich, dass inländische und ausländische Künstler, Ensembles, Orchester, Bands und ihr Begleitpersonal sowie Geschäftsreisende bei Durchführung konsequenter Teststrategien eine grundsätzliche Reisefreiheit und Quarantänebefreiung und die Anerkennung der Reisegründe `Kulturarbeit´ bzw. `Geschäftsreise´ unter Nachweis des betreffenden Engagements bzw. des geschäftlichen Reisegrundes erhalten, wie dies beim Profisport“, man nehme nur die Fußballer, die kreuz und quer durch Europa düsen, „bereits seit langem der Fall ist.“

Autor: Gerald Huber

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