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Klassik-Veranstalterin Kari Kahl-Wolfsjäger: „Ich will Tickets, die sich Kinder und Jugendliche leisten können“

Klassik zum Preis einer Kinokarte: Kari Kahl-Wolfsjäger
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Klassik zum Preis einer Kinokarte: Kari Kahl-Wolfsjäger

Weltberühmte Musiker, die den Nachwuchs unter die Fittiche nehmen: Kari Kahl-Wolfsjäger ist die große alte Dame der Klassik-Musikwelt. Am Herzensprojekt Stars & Rising Stars hält sie in schwierigen Zeiten fest.

Frau Kahl-Wolfsjäger, die langen Monate der Kontaktbeschränkungen und sich notwendigen Sicherheitsmaßnahmen dürften ja nicht nur vielen Künstlern, sondern auch Ermöglichern und Veranstaltern stark zugesetzt haben. Wenn Sie zurückblicken: Wie gut kamen Sie persönlich durch schwierige Zeiten und woran konnten Sie sich immer wieder aufrichten?
Ich persönlich habe alles mitgenommen, Covid 19, zum Glück leicht, dennoch sehr lästig – das hat mich kraftlos, müde, erschöpft zurückgelassen. Dazu ein neues Kniegelenk, das nicht immer gnädig mit mir war. Ich habe durch die Isolation viel Musik gehört und viel gelesen. Die Gewissheit, dass auch bessere Zeiten kommen, hat meine positive Stimmung stark beeinflusst.

Was war in diesem ganz besonderen Jahr die größte Herausforderung für Sie und Ihre Mitstreiter, um das Stars & Rising Stars-Festival wieder möglich zu machen?
Das notwendige Geld zusammen zu bekommen, da mit den zu erwartenden Einnahmen - durch die sehr beschränkte Platzkapazität - kaum zu rechnen ist. Noch dazu bei unseren Ticketpreisen: 10 Euro für Kinder und Jugendliche bis 28 Jahren, 35 Euro für all diejenigen, die darüber sind. In Räumlichkeiten, wo normalerweise 400 Personen zugelassen wären, dürfen jetzt weniger als 100 kommen. Unser kleines Team ist dennoch motiviert ,wir haben im Vorfeld alles geschafft. Jetzt kann es losgehen!

Die Idee Ihres Festivals ist ja einzigartig: In wie weit passt der Gedanke, dass sich nicht nur Künstler, sondern bestenfalls ja alle Mitmenschen und Mit-Münchner gegenseitig unterstützen, aktuell so gut in die Zeit?
Wir sind froh und dakbar, dass unsere Sponsoren dabei geblieben sind. Ohne sie hätte es diese fünften Stars & Rising Stars-Festival nicht gegeben. Auch Staatsminister Siebler und sein Team haben uns unterstützt in dieser schwierigen Zeit. Ich habe den Eindruck, dass auch viele Besucher aus den früheren Festivals wieder den Weg zu uns gefunden haben.

Wie stellen Sie eigentlich die „Paarungen“ zusammen: Wann sind Sie davon überzeugt, dass zwischen den etablierten Künstler und dem Nachwuchsstar auch tatsächlich die Chemie stimmt?
Welcher Star mit welchem Rising Star zusammenpasst, ist ein komplexes Thema. Ich verlasse mich da auf meinem Bauchgefühl, basierend auf fast 40 Jahre Erfahrung mit großen Stars und hochbegabten jungen Musikern. Feste Regeln gibt es dafür nicht.

Aus Ihrem Festivalgedanken müssen sich doch auch längst Freundschaften oder Partner-Arbeiten entwickelt haben: Wie gut kann man so was planen und dann nachhaltig werden lassen?
In der Tat haben sich durch die Zusammenarbeit beim Festival zahlreiche Freundschaften entwickelt, sogar über den Atlantik hinweg. Daniel Hope ist einer meiner liebsten Stars, denn er nimmt die jungen Kollegen sogar mit zu seinen Konzerten in In- und Ausland.

Üblicherweise hält man gerade die großen Stars der Musikwelt ja für ein wenig eitel: Oder in wie weit stimmt das Klischee, dass es so manchem Künstler vielleicht schwer fällt, die oft jüngeren Kollegen gelten zu lassen?
Nein, für Eitelkeiten ist kein Platz. Unsere Stars wissen alle, dass auch sie mal jung waren und Hilfe von älteren Kollegen erhalten haben. Es geht darum, etwas zurück zu geben. Die Stars freuen sich, wenn die Jüngeren Künstler mit ihrer Hilfe Erfolg haben.

Welche spezielle Sichtweise bringen im Gegenzug denn die jüngeren Talente mit ins Spiel?
Das ist schwer zu verallgemeinern, mitunter eine andere Sicht auf manche schwierige Passagen, Themen, auch Spontanität und Begeisterung. Am meisten profitieren zweifellos die Nachwuchskünstler von dieser Zusammenarbeit.

Sie legen ja immer wieder Wert darauf, gute, auch ungewöhnliche Auftrittsorte zu finden. Wo gefällt es Ihnen eigentlich persönlich am besten?
Unsere Lieblingsspielstätte ist die Freiheizhalle an der Donnersberger Brücke. Aber auch die Reithalle, jetzt Utopia genannt, ist ein toller Raum. Auch das Wilhelmsgymnasium ist ein spannender Schauplatz. Und jetzt, zum ersten Mal, freuen wir uns auf den Schlosshof der Blutenburg.

Letzte Frage: Großzügigkeit sagt man so manchem Kulturveranstalter ja nicht unbedingt immer nach – gerade in Zeiten, in denen leider wieder viel gespart wird. Wie wichtig ist es für Sie, sich trotz allem den Luxus leisten zu können, Ihr Festival für jüngere Besucher erschwinglich zu halten?
Für mich persönlich ist es eine absolute Voraussetzung, dass wir Tickets anbieten, die sich Kinder und Jugendliche leisten können. 10 Euro entsprechen etwa einer Kinokarte. Für wen machen wir heute klassische Musik? Wohl nicht nur für diejenigen, die sich Eintrittskarten für 100 und 200 Euro leisten können? Sollten wir nicht vielmehr versuchen, unseren Kindern und Enkelkindern etwas Wertvolles, Bleibendes mit auf den Weg zu geben?

Wir sind ein gemeinnütziger Verein, wir können Spendenquittungen geben, dürfen aber nichts verdienen. Unser Agieren unterscheidet sich grundlegend von den kommerziellen Veranstaltern. Daher sehe ich es keineswegs als „Luxus“, dass wir junge Menschen die Möglichkeit geben, klassische Musik auf höchstem Niveau - zu moderaten Preisen - zu erleben. Nur so erscheint mir die viele Arbeit, die mit einem Festival verbunden ist, sinnvoll. 

Das Festival Stars & Rising Stars, unter anderem mit Gästen wie den Pianistinnen Margarita Höhenrieder und Elisabeth Leonskaja wie Klaus Maria Brandauer, findet vom 6. bis 17. Juli auf diversen Münchner Bühnen statt. Alle Infos auf www.starsandrisingstars.de.

Interview: Rupert Sommer

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