Der Klassiker

Klassik im April: Uraufführungen und Jubiläen

Carolin Widmann hebt ein neues Violinkonzert aus der Taufe
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Carolin Widmann hebt ein neues Violinkonzert aus der Taufe

Der April bringt Neues und selten Gehörtes in Münchens Konzertsäle 

E s gibt so manche Opernarien, die in Galakonzerten regelmäßig auf dem Programm stehen, obwohl das Werk, aus dem sie entnommen sind, auf den Spielplänen kaum noch präsent ist. Eines dieser von großen Primadonnen gern gewählte Gustostückerl ist definitiv auch das wehmütige „Ebben? Ne andrò lontana“, das vor allem durch den 80er-Jahre-Kultfilm „Diva“ Berühmtheit erlangte. Der dazugehörige Verismo-Reißer „La Wally“ ist aber tatsächlich eine echte Rarität, der sich nun das Rundfunkorchester annimmt, um damit seinen 70. Geburtstag zu zelebrieren. Wie der Titel vielleicht auch Opernunerfahrene vermuten lässt, handelt es sich dabei um die Geschichte der Geier-Wally, mit der man das Publikum in die Ötztaler Alpen entführt. In der Titelpartie erlebt man die italienische Sopranistin Carmen Gianattasio, in den zentralen Tenor- und Bariton-Partien runden Carlo Ventre und Juan Jesús Rodriguez das Liebesdreieck ab. Die Leitung hat bei diesem Anlass Chefdirigent Ivan Repušić. (3.4. Prinzregententheater)

Während am Abend leidenschaftliche Arien und Duette dominieren, geht es am Vormittag an gleicher Stelle etwas intimer zur Sache. Denn ehe das Rundfunkorchester zum Feiern kommt, besetzt zunächst noch das Kammerorchester der Münchner Philharmoniker das Podium, um Lucas Debargue zu begleiten. Der französische Pianist, der seit seinem Durchbruch beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb eine glänzende Karriere hingelegt hat, widmet sich hier unter anderem Gabriel Faurés Ballade op. 19, sowie dem Klavierkonzert KV 414 aus Feder von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Gegensatz zu Debargue wird der große Salzburger dann auch nach der Pause auf dem Programmzettel präsent bleiben. Namentlich mit seiner Symphonie Nr. 40 in g-moll. Vom ersten Pult aus geleitet von Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici. (3.4. Prinzregententheater)

Erstmals in München zu Gast ist Debargues Kollege Giuseppe Guarrera, dessen Debüt im Herkulessaal nun im zweiten Anlauf endlich stattfinden kann. Der von Daniel Barenboim geförderte Italiener, der schon regelmäßig bei großen internationalen Festivals von Verbier bis San Francisco begeisterte, hat dafür ein Programm zusammengestellt, das neben Kompositionen von Schumann und Beethoven die „Bilder einer Ausstellung“ umfasst. (6.4. Herkulessaal)

Anders als bei Mussorgskys Klassiker, den Guarrera in der puren, auf 88 Tasten beschränkten Version präsentiert, geht man beim Jewish Chamber Orchestra Munich den umgekehrten Weg. Hier stehen Lieder von Fanny Hensel in Orchesterbearbeitung von TalHaim Samnon auf dem Programm. Wie auf der parallel erscheinenden CD werden diese Kompositionen auch live durch die Konzertarie „Infelice“, das Opus 94 von Fannys Bruder Felix Mendelssohn, ergänzt. Abendfüllend wird das von Daniel Grossmann geleitete Programm schließlich noch durch Mendelssohns erste Sinfonie aus dem Jahre 1824. Solistisch zu erleben ist neben Sopranistin Chen Reiss ebenfalls der Münchner Geiger Tassilo Probst. (6.4. CuvilliésTheater)

Beim Münchener Kammerorchester gibt sich schließlich noch Carolin Widmann die Ehre, um unter der Leitung von Enrico Onofri das Violinkonzert der schwedischen Komponistin Lisa Streich aus der Taufe zu heben. Darüber hinaus werden am selben Abend ebenfalls die „10 Präludien“ von Hans Abrahamsen ihre Uraufführung erleben, der dem Münchner Publikum noch durch seine „Snow Queen“ an der Staatsoper in Erinnerung sein dürfte. Für den klassischen Rahmen sorgen dazu die Sinfonie in c-moll VB 142 von Joseph Martin Kraus, sowie Mozarts „Haffner“-Sinfonie. (28.4. Prinzregententheater)

Autor: Tobias Hell