Ortsgespräch

Target Concerts-Chef Michael Löffler: „Noch halten wir durch“

Michael Löffler, Target Concerts
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Michael Löffler

Meist gibt der Target-Boss Vollgas. Doch Corona hat Konzert-Veranstalter wie Michael Löffler böse ausgebremst. Wie er die alte Musik-Vielfalt retten will.

Herr Löffler, irre Vorstellung, aber leider nicht so ganz unrealistisch: Werden die kleinen wilden Club-Gigs in Zukunft nur noch - mit extra viel Sicherheitsabstand und Desinfektionsspray-Duschen - in der Olympiahalle oder im Zenith stattfinden?
Müssten sie wohl, aber da sich das ja so gar nicht finanzieren ließe, werden das nur Leute machen, die zuviel Geld haben und es nicht mehr brauchen ...

Natürlich dürfte es so gut wie keinen Mitmenschen geben, dem Corona nicht radikal in die Lebensplanung grätschte: Die Musikwelt scheint sich aber auch weiterhin ganz hinten anstellen zu müssen. Wie hält man dieses andauernde Warten und wieder Abwarten nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ganzkörperlich überhaupt aus?
Noch halten wir durch, aber, es fällt von Tag zu Tag schwerer, den Arsch hoch zu bekommen. Aber hilft ja nichts, wir haben den Kampf an- und aufgenommen.

In Veranstalterkreisen kursiert schon das böse Wort "Berufsverbot". Gleichzeit dürften Sie ja nicht nur eigene Überlebenssorgen drücken, Sie müssen ja auch Bands und Künstler so gut es geht bei Laune halten. Wie schafft man das?
Am Besten, indem man die Perspektive und die Hoffnung, dass es irgendwann/bald weitergeht, aufrechterhält und alles für zukünftige Konzerte/Tourneen, wie oft auch immer schon verschoben, am Start hat.

Ihr Kontakt zu den Musikern ist ja sehr kurz. Beim ständigen Verlegen, Verschieben und Umplanen von Konzerten müssen Sie sich in den vergangenen Wochen ja noch näher gekommen sein. Ist das x-te Künstler-Telefonat für Sie so ein bisschen etwas wie unbezahlte psychotherapeutische Betreuungsarbeit?
In diesem Stadium, bevor Künstler überhaupt mit den Proben für die Tournee begonnen hat, haben wir allergrößtenteils „nur“ mit deren Repräsentanten zu tun. Die sind aber genauso frustriert, wegen all dieser „Strafarbeit".

Viel ist aktuell die Rede von neuen Abstandsregelungen in den Clubs, aber auch Freiluft-Gigs: Was davon können Sie aktuell denn schon einigermaßen realistisch planen?
Mit den aktuellen Vorgaben können wir kurz- und mittelfristig so gut wie gar nichts anfangen und planen. Aber für unsere Projekte ab circa Frühjahr 2021 tun wir zumindest mal so, als ob wir wieder so arbeiten könnten „wie früher“. Meine KollegInnen waren zum Teil in die Erstellung eines Hygienekonzept für den VdMK (Verband der Münchner Kulturveranstalter) eingebunden. Und man kann auf jeden Fall schon einmal sagen, dass es einstweilen mehr als schwierig wäre, alle Auflagen zu erfüllen - von der Finanzierbarkeit mal ganz abgesehen.

Was muss Ihrer Meinung nach noch entschiedener geschehen, damit sich nicht nur München die früher so vielbeschworene Vielfalt in der Musik- und Nacht-Szene erhalten kann?
Ohne einen „Kulturrettungsschirm“ für die NICHT öffentlich geförderte Kultur wird dieser Erhalt nicht gelingen.

Letzte Frage an den Kenner: Was ist Ihr ganz persönlicher Soundtrack zur Corona-Krise? Welche Bands helfen am wirkungsvollsten?
Aktuell umso mehr und erst recht: 3 (DREI) Akkorde müssen reichen!

Interview: Rupert Sommer

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