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Münchner Musikerin Mola: „Ich trage viel Düsteres in mir“

Die Münchner Sängerin Mola
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Liebt es, sich ins Leben zu werfen: MOLA

Kompromisslos kreativ: Die Münchner Sängerin MOLA stellt aktuell ihr neues Album „Schnee im Sommer“ vor. Marschbefehl zum Feiern!

Hallo Mola, ziemlich verrückte Zeiten zuletzt. Schnee im Sommer passt bestens dazu. Wie kamen Sie denn selbst damit klar, dass man sich so oft auf immer neue Überraschungen, oft natürlich auch Enttäuschungen und vor allem aufs Durchhalten einstellen musste?
Ich persönlich bin ein Mensch, der sich tendenziell wenig verkopft und immer sehr im Hier und Jetzt lebt. Es kommt, wie es kommt, oder wie Karl Valentin sagt: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Ich will hier nicht relativieren, was diese Pandemie für die gesamte Veranstaltungsbranche und auch viele andere Branchen und Menschen bedeutet hat, aber bezogen auf die Frage bin psychisch mit den Umständen ganz ok zurechtgekommen.

Der Titelsong zur neuen Platte fängt fast programmatisch mit „Pass auf dich auf“ an. Gar nicht so leicht durchzuhalten, diese Forderung, oder nicht?
Absolut. Auf sich selbst aufpassen können die meisten Menschen gar nicht so gut, ich bin da keine Ausnahme.

Die langen Zeiten ohne Auftrittsmöglichkeiten, aber auch lange auch ohne echtes Nachtleben und Kontakte, wie man sie kannte, hat sicher auf die Nerven gedrückt. Bei vielen Kollegen hat es aber auch so was wie Trotz und einen neuen kreativen Energieschub ausgelöst. Erklärt sich so auch das neue Album?
Ich glaube ohne die Pandemie wäre das Album definitiv anders geworden. Ob besser oder schlechter, weiß man nicht, wobei diese Kategorien in der Kunst eh Quatsch sind. Auf jeden Fall anders. Ich habe den Luxus, dass mein Partner, Markus Sebastian Harbauer, dieses Album produziert hat. Das heißt, wir konnten uns ganz Corona-konform im Studio verbarrikadieren. Was uns als kreatives Team die Pandemie definitiv geschenkt hat, war etwas, woran es oftmals mangelt: Zeit. Wir konnten Ideen entstehen lassen und wieder verwerfen, uns ausprobieren und ganz frei arbeiten. Ich glaube, das hat dem Album gut getan.

Sie haben ja schon oft in Abgründe geblickt und auch Abstürze zum Song-Thema gemacht. Hilft so eine kompromisslos harte Seite vielleicht sogar ein wenig, wenn es darum geht, trotz allem den Kopf hoch zu halten?
Definitiv. Irgendwie spreche ich in den Songs ja auch immer zu mir selbst. Kritisch und ehrlich mit seinen Abgründen umzugehen, sind Voraussetzungen für Weiterentwicklung. Aber da ist in jedem Song immer auch Mut und Hoffnung. So fühlt es sich zumindest für mich an.

Sie singen von Nächten mit Geheimnissen, aber auch von Süchten, Exzessen und Ängsten: Wie wichtig ist es, ihre Songs auch das Düstere nicht auszusperren?
Ich trage viel Düsteres in mir. Eine Seite, unter der ich manchmal leide und mich darüber ägere. Ich sag mir dann: Was hast du privilegierter Depp eigentlich für Gründe, an manchen Tagen so traurig durchs Leben zu laufen. Aber das ist natürlich Quatsch. Dieser Teil gehört zu mir, ihn zu verdrängen und zu verbieten, macht es auch nicht besser. Versuchen, diese Gefühle zu verstehen, hilft mir viel mehr.

Wie groß war den eigentlich Ihre persönliche Erleichterung, als die Nächte wieder länger und ein wenig zugänglicher wurden und wohin führten die ersten großen Erkundungstouren in der Stadt als erstes?
Ich erinnere mich da an einen Sonntag mit Freunden, der mit gemeinsam Frühstück im Schlachthofviertel begann. Den restlichen Tag sind wir rumstrawanzt und haben uns bis spät in die Nacht in diversen Bars und Kneipen betrunken. Dieses sich einfach kopflos ins Leben Werfen war nach langen Monaten der Isolation schon ein tolles Gefühl.

Es mag vielleicht ein Klischee sein: Aber finden sich beim Feiern und Ausgehen auch tatsächlich gute Songideen und wie nimmt man die in den nächsten Tag hinein mit?
Ja voll. Unterwegs beim Feiern meine ich manchmal die besten Ideen zu haben. Der nüchterne Blick auf diese Skizzen entlarvt diese oftmals als mittelmäßig bis schlecht. Unabhängig davon filme ich mich dann entweder beim Singen (falls ich eine konkrete Melodie im Kopf habe) oder schreibe es in meine Text-Memos.

Letzte Frage: Wie groß ist die Vorfreude, aber vielleicht auch ein wenig Bammel, jetzt wieder vor größeres Publikum zu treten – und damit so viel von ganz innen preiszugeben?
Puhhh. Ich bin richtig aufgeregt vor diesem Release-Konzert. Aber seine Angst zu überwinden gehört irgendwie auch zum Künstlerdasein dazu. Beziehungsweise würde mich selbst interessieren, ob es Performer/Künstler*innen gibt, die irgendwann komplett die Angst vor der Bühne verlieren. Und wenn ja, ob das ganze dann nicht auch an Magie verliert.

Das Release-Konzert von „Schnee im Sommer“, aktuell erschienen bei Eskapaden Musik, steigt am Donnerstag, 11. November im Muffatwerk Ampere. Alle Infos zu MOLA auf www.eskapadenmusik.net

Interview: Rupert Sommer

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