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Austrofred: „Ein Schnauzer als Anker“

Musiker Austrofred
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Hält seinen Schnauzer für sehr alltagstauglich – auch bei Polizeikontrollen: Austrofred

Feschester Österreicher der Neuzeit: Der Austrofred stellt am 14.12. im Volkstheater ein neues Buch vor. Und singen und tanzen wird er natürlich auch.

Herr Austrofred, jeder hat seine Rollen – zuhause, als Familienvater, im Beruf. Wie schwer fällt Ihnen jeweils die Verwandlung in den Austrofred und welche Substanzen helfen dabei?
Die Hauptsubstanz für mich ist die Bühne. Dort sind Menschen, die extra dahin kommen. Und dann macht man halt, was von einem erwartet wird. Oder besser das, was nicht erwartet wird. Auf die Bühne zu gehen und mich zu produzieren, ist schon etwas, was mir sehr liegt.

Glaubt man Ihnen gern.
Man muss einfach das im Leben machen, wozu man die Veranlagung hat. Meine Veranlagung lautet: Auf die Bühnen treten und dort keinen Genierer mehr kennen. Ansonsten geniere ich mich privat natürlich schnell. Aber live: nie!

Tatsächlich? Man hört das ja sehr oft, dass viele Künstler zwei Seiten haben. Auf der Bühne ist das doch der Moment, in dem jeder einen anschaut. Wie schaffen Sie es, genau dann enthemmt zu sein?
Weil ich dort alles darf. Das ist schon ein Vorteil. Man kann auf der Bühne alles in die Welt setzen. Also fast alles. Das gefällt mir gut. Ich tue mir selbst oft sehr schwer, Meinungen zu haben. Oft frage ich mich dann: Kann ich das wirklich wissen? Ich bin privat eher zweiflerisch veranlagt. In meiner Arbeit ist das anders. So ist auch mein neues Buch entstanden.

Aktuell erschienenen. Mit dem Titel „Die fitten Jahre sind vorbei“. Das meinen Sie?
Es basiert ja auf einer Online-Kolumne. So kann man einfach alles in die Welt setzen und jede Denkmöglichkeit durchspielen. Ich finde das ganz angenehm.

Das Gegenbild kennt man ja vielleicht aus dem Sprichwort, wo manche Leute zum Lachen in den Keller gehen. Künstler gehen auf die Bühne, um mal was auszuprobieren sowie ihren Mut oder die Grenzen zu testen?
Ja, wahrscheinlich.

Die vielen Schauspieler, die Kriminalkommissare im Fernsehen spielen, sagen ja oft: Die Uniform hilft. Ist das Austrofred-Outfit für Sie so eine Uniform?
Unbedingt. Wenn ich das klassische Freddie-Mercury-It’s-a-kind-of-Magic-Outfit anhabe und dann die Queen-Playbacks einsetzen, dauert es nicht lange, bis mein Arm kreist und ich innerlich drin bin. Es ist ja zum einen das martialische Macho-Ding, zum anderen das Verletzliche. Und schon zeige ich mich auch so. Mit der Uniform geht das noch leichter. Die bewegt sich wie von selbst.

Der Bart wird nicht extra angeklebt?
Der kommt und geht auch im Privaten. Mittlerweile ist der Schnauzbart ja wieder en vogue. Das war ja nicht immer so.

Er hilft Ihnen ja offenbar auch manchmal bei Verkehrskontrollen, wie Sie im Buch schrieben.
Genau. Die Kieberer scheinen dann zu denken, ich wäre einer von ihnen.

Wenn man den Titel des Buchs hört, erschrickt man natürlich auch ein wenig. Ich nehme mal an, das Ende der fitten Jahre im Titel muss man nicht zu wörtlich nehmen? Hoffentlich. Oder sollte man in Sorge sein?
Na. Die fitten Jahre gehen für mich eigentlich bis 80. Da gibt’s schon noch einiges. Aber ich mache das mit dem Austrofred jetzt schon rund 20 Jahre. Da wird man schon auch mal nachdenklich.

Der Gedanke ist auch in Ihrem Buch Thema: Sie haben sich ja so nah mit Freddie Mercury verbandelt. Und ihn altersmäßig überlebt. Wie fühlt sich das an, wenn sie mit einer Figur dorthin gehen, wo sie selbst gar nicht mehr war?
Ich habe es in der Hand, wie es mit Freddie Mercury weitergeht. Hin und wieder denke ich mir, es wäre ja ganz interessant zu erfahren, was der jetzt gemacht hätte. Es existieren ja noch viele vergleichbare Bands, die es jetzt seit 40 oder 50 Jahren gibt. Ich glaube schon, dass Queen noch Interessantes machen würde.

Bei Ihrer Figur kann man sich das kaum vorstellen: Aber sie könnten Freddie auch nach und nach g’wampert werden lassen.
Es geht immer darum, ob im Genre wichtig ist, sich straff und aufrecht zu halten oder ob es auf das Jugendliche ankommt. Ich habe kürzlich erst das Cover der neuen Diana-Ross-Platte gesehen. Gut, da hat man vielleicht technisch mit dem Foto was gemacht. Es sieht aber aus wie ein Jugendbildnis für mich. Hingegen gibt’s aber auch Bands aus der Liga Uriah Heap, wo so was nicht wichtig ist. Die schauen schon aus wie alte Männer.

Freddie kann man ja wohl eine gewisse Grund-Eitelkeit unterstellen, so dass er sich auch im vorgerückten Alter zusammengerissen hätte.
Das glaube auch. Er würde schon smart ausschauen - in irgendeiner Form.

Dem natürlichen Haarkampf muss man sich stellen als Mann.
Es hilft ja nichts. Da ist der Schnauzbart natürlich sehr tauglich. Auch wenn’s oben immer weniger wird, hat man trotzdem einen Hingucker! Das Problem ist ja immer, wenn es keinen Gesichtsanker gibt. Irgendwas muss ja den Gesamteindruck hart unterbrechen. Das ist im Idealfall ein Schnauzer, ein anderer Bart oder eine Brille.

Was macht denn seit jeher die Ur-Faszination von Freddie Mercury aus?
Es ist schon auch die ganze Band. Die hatte für mich eine ganz gute Konstellation. Verschiedene Typen, von denen jeder was einbringen kann. Damit eine Band so groß wird, reicht ein Genie nicht aus. Bei Queen waren es zwei Genies und eine ganz Reihe sehr kompetente Leute, würde ich sagen. Freddie Mercury hatte für mich etwas Allumfassendes. Er hat etwas, das viele Leute mitnimmt. Queen kann ein sehr breites Publikum auf verschiedenen Arten begegnen. Totales Aufgehen. Brutale Emotion. Und dann sind die Songs einfach gut gemacht. Man wird immer wieder aufregende Details im Arrangement finden. Ich habe mich lange mit der Musik beschäftigt und viel für meine Zwecke herumgeschnitten. Und immer wieder habe ich Neues entdeckt.

Inwiefern etwa?
Queen-Rocksongs ziehen alle das Tempo an. Es wummert eben nicht einfach nur mit 120 Beats dahin – sondern wächst dann an auf 130. Durchgehend. Dass man das kaum merkt, ist natürlich eine wahnsinnige Qualität des Schlagzeugers.

Es gibt ja auch die Schlagzeuger, die heimlich langsamer werden.
Ha, faule Hunde, die gibt’s natürlich auch. Aber nicht bei Queen: Da gibt die Band am Schluss immer ein bissl mehr Gas als zu Beginn. Viele tolle Tricks.

Gab es so was wie ein Initiationserlebnis?
Ich war schon immer großer Fan. Seit der Jugend. Aber mein Leben auf den Austrofred umzustellen, war dann schon so eine b’soffene G’schicht. Es gibt ja auch andere Ein-Deutschungen. Oder Ein-Österreicherungen. Von Ambros gab’s etwa mal ein Dylan-Album. Oder von anderen Österreichern Rolling-Stones-Anverwandlungen. Und so kam mir die Idee: Absurd wäre es doch, wenn man das mit Queen machen würde? Weil da ein Witz drin liegt. Wenn der Wolfgang Ambros Dylan auf Österreichisch singt, ist das eine sprachliche Änderung. Aber nicht unbedingt in der Deutung. Ambros ist ein narrativer Typ. Und Austropop im Dialekt ist ein narratives Medium. Die Erzählhaltung ist dann: Wolfgang Ambros oder STS sitzen dir gegenüber und erzählen dir eine Geschichte. Bei Queen ist es ganz anders. Da ist es von Anfang an: Stadion! Das große Pathos und das Unnahbare. Die Reibung dazwischen hat mich immer schon fasziniert. Allerdings hab ich mir alles weitere dann nicht so generalstabsmäßig überlegt.

Sondern?
Geplant waren zunächst ein paar Austrofred-Auftritte. Dann dachte ich, ich hätte den Witz überall einmal erzählt.

Und dann ist der Freddie Ihnen doch geblieben über so viele Jahre.
Na schau.

Jeder der Ihre Shows kennt, weiß natürlich, dass da keine Messe gelesen wird und natürlich auch viel gelacht wird. Aber trotzdem: Es war wohl nie Ihr Ziel, sich lustig zu machen über Ihre Figur, oder doch?
Es sollte keine Karikatur werden. Es gibt natürlich so komische Aspekte – etwa das komplett Übertriebene. Gleichzeitig kam aber immer die Qualität dazu. Ich denke, man kann beides unter einen Hut bringen. Ich kann mich erinnern: Einmal war Österreichs Queen-Fanclub geschlossen in meiner Show. Da hab ich mich schon gefragt: Oh weh, was werden die jetzt sagen?

Und?
Es war noch dazu an einem 24. November, dem Todestag von Freddie Mercury.

Puh!
Die Fans vom Fanclub haben mir danach gesagt: Mein Auftritt war das erste Mal an diesem Tag, dass sie wieder lachen konnten!

Nicht schlecht.
Die Leute verstehen das oft schon richtig. Es ist eine Mischung aus Persiflage und Hommage.

Schön gesagt.
Die Grenzen dazwischen verschwimmen. Der Austrofred ist ein angebotenes Rätsel. Und dann ist die kognitive Leistung des Publikums gefragt, es in Teilen aufzulösen.

Unterwegs auf Freddys Spuren: Schon länger lebt der AUSTROFRED, der eigentlich aus Steyr stammt, nicht nur in Wien, sondern auch mitten in München. Dort also, wo Mercury einst glückliche Zeiten verbrachte. Nachvollziehen kann der Austrofred das sehr, der in anderen Rollen auch Leadsänger der Ösi-Indie-Band Kreisky ist. Am 14. Dezember stellt er im Volkstheater sein neues irre komisches Buch „Die fitten Jahre sind vorbei“ (Verlag: Czermin) vor. Ein neues Meisterwerk, das unter anderem auf „Du kannst dir deine Zauberflöte in den Arsch schieben. Mein Briefwechsel mit Wolfgang Amadeus Mozart“ und „Pferdeleberkäse“ folgt. Unbedingt hingehen! www.austrofred.at

Interview: Rupert Sommer

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