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LaBrassBanda-Chef Stefan Dettl „Yoga ist mir nicht fremd“

Stefan Dettl von LaBrassBanda
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Tankt Kraft mit Yoga: Stefan Dettl

Schreit schon jetzt nach einer Fortsetzung. Blechblas-Urgewalt Stefan Dettl hat zuletzt mit LaBrassBanda einen Gang zurückschalten müssen. Heraus kam was Großartiges: Die neue Platte „Yoga Symphony No. 1“. Wie man sich so für den anstehenden Vollgas-Start – und die neue Konzert-Saison - fit hält.

Herr Dettl, so ganz selbstverständlich ist diese Frage ja leider nicht dieser Tage: Was macht die Gesundheit, die Laune, die Fähigkeit, trotz allem den Kopf hoch zu halten?
Gesundheit – top, Laune – wunderbar. Die Sonne kommt heraus. Den Kopf hochzuhalten, ist in der Künstlerbranche gerade nicht so leicht. Ich hoffe, dass sich für uns Künstler bald etwas ändern wird. Ich bin ein positiver Mensch und denke nicht so sehr an das, was jetzt alles nicht funktioniert, sondern daran, was für Möglichkeiten es gibt. Und ich hoffe, dass viele Leute die Kultur unterstützen und vor allem die Künstler und Künstlerinnen, die es derzeit nicht gerade leicht haben, irgendwelche Freunde oder andere Leute haben, die ihnen ein bisschen über die schwere Zeit helfen. Wir müssen positiv denken. Ich glaube, mehr kann man gerade eh nicht machen.

In der sicher meist sinnvollen, zuweilen allerdings auch etwas befremdlich anmutenden Logik des Infektionsschutzes gelten Blechbläser ja als besonders „gefährlich“, wenn Sie öffentlich Musik machen würden. Wie sehr rüttelt das am Selbstbild?
Dass Bläser und vor allem Flöten und Trompeten als Aerosolschleudern gelten, finde ich überhaupt nicht schlimm. Das wird sich, sobald alles wieder in Ordnung ist, total in Luft auflösen - im wahrsten Sinne des Wortes. Es war und ist schon okay, dass man einfach mal aufpassen muss, wenn man jemand anhaucht oder anbläst, weil man so die Krankheit weitergeben kann. Dass man da vorsichtig ist, finde ich vollkommen in Ordnung.

Ans Aufnehmen einer Yoga-Platte hätte man nicht unbedingt als erstes gedacht. Wie kam’s denn dazu?
Wir haben letzten Oktober live Musik machen dürfen – zu einer Yoga-Stunde in Füssen im Festspielhaus. Das hat uns so viel Spaß gemacht. Und auch die Leute sind danach auf uns zugekommen und haben gesagt, dass sie unbedingt einen Mitschnitt haben wollen, wenn das geht. Oder noch besser: Die Musik auf CD, weil sie das dann in einer Yogaklasse oder zu Hause einfach noch mal nacherleben könnten. Dadurch, dass wir das eh schon bearbeitet und vorproduziert hatten, haben wir die Idee das letzte halbe Jahr über umgesetzt. Wir sind total stolz und happy, dass das so cool geworden ist und dass viele Leute damit einen Spaß haben.

Wie gut sind denn eigentlich Ihre eigenen Yoga-Kenntnisse?
Meine Yoga-Kenntnisse sind ganz okay. Schon allein dadurch, dass wir im Musikstudium schon sehr viel Körper- und Geist-Arbeit mitmachen. Man schaut ganz früh darauf, wie der Atem ist. Wie funktioniert der Körper? Wie bringt man Kopf und das Geistige zusammen? Wie bringt man die Dinge in den Fluss? Nur so kann ich wirklich auf der Bühne im Idealfall meine Top-Leistung abliefern. Da gehören eben Übungen dazu - besonders bei uns Atemtechnik und Meditation. Genau deswegen sind bei uns ein paar Yoga-Übungen Standard. Das machen wir täglich in unserer Vorbereitung. Deswegen ist mir Yoga gar nicht so fremd, auch wenn wir jetzt nicht jeden Tag damit voll reinknien. Bei uns fließen ganz viele Yoga-Elemente in unser tägliches Ritual und Training ein.

Zu welchen Übungen raten Sie eigentlich parallel zur Platte?
Die Übung, die ich empfehlen kann, ist einfach: Atmen! Das Atmen ist für uns Blechbläser das Allerwichtigste. Egal wie blöd oder schlecht es mir geht und welchen Stress ich gerade habe: Einschnaufen und ausschnaufen! Das Atmen funktioniert von alleine. Das ist der Riesenvorteil! Das Atmen zu genießen, ist, wie ich finde, die beste Übung, die es überhaupt gibt.

Um wie viel besser kommt man mit einer positiven Körpereinstellung, Ausgeglichenheit und nicht zuletzt Naturliebe durch diese holperige Zeit?
Besonders die Naturliebe finde ich ganz ganz wichtig. Ich glaube, die Natur hat so eine brutale Gewalt und so eine Schönheit, aber auch so ein eigenes Tempo. In der Natur kann ich mich immer aufhalten. Die Bäume blühen halt, wenn sie blühen. Und es sind Bienen da, oder es ist kalt. Somit gibt es dann keine Früchte, oder es gibt super Ertrag. Da merkt man schon, wie klein und wie ohnmächtig man ist in dem Riesenkosmos. Dass wir einfach nur da sind, aber die Abläufe nicht steuern können und oft die Kontrolle nicht haben, fällt uns Menschen sehr schwer. Ich liebe es, hinauszuschauen in der Natur und zu merken: Es funktioniert ganz ohne uns. Und wir müssen eigentlich nur dabei sein und versuchen, das alles nicht kaputt zu machen.

Normalerweise kennt man Konzerte mit Ihnen ja als ziemlich schweißtreibende Ausdauerübung. Wie gut kann man sich dafür jetzt wieder auch mit ein wenig bayerischem Yoga Kraft antrainieren?
Ja, die Kraft kommt er bei uns in der Band immer aus der Ruhe. Wir sind auf der Bühne total energiegeladen, und wir geben alles. Und danach sind wir dann aber auch total fertig und brauchen Erholung. Zwischenzeitlich sind wir total faul. Jeder hat da seine eigenen Extreme. Bei uns ist halt das Wichtige, dass wir Vollgas geben und dann wieder totale Entspannung finden.

Sie haben ja schon für Viecher im Kuhstall gespielt. Wie kam die Yoga-Platte bei diesem Testpublikum an?
Wie die Kühe auf die Yoga-Platte reagieren, wissen wir leider noch nicht. Wir haben sie dafür leider noch nichts als Testpublikum gehabt. Aber dadurch, dass Kühe sehr sensible Viecher sind, finden sie eine ruhige, entspannte Meditationsmusik auf alle Fälle cool.

Yoga Symphony No. 1: Das klingt ja nach Fortsetzungen. Steigen Sie jetzt groß ins Entspannungsgeschäft ein?
Ein großes Entspannungsgeschäft wird das wohl nicht. Dadurch, dass die Plattenveröffentlichungen ja momentan nicht direkt viel Kohle einbringen, ist es gerade mehr ein Hobby als ein Beruf. Leider! Aber ich glaube, dass viele Menschen einen Spaß haben werden mit den Liedern und mit der Musik. Und das ist mir dann das Allerwichtigste. Also: Business ist das keines. Aber wir arbeiten schon an der Yoga Symphony No. 2. Weil uns die Arbeit an dem Projekt wirklich sehr viel Freude gemacht hat. Das schreit nach einer Fortsetzung. Wir freuen uns auf ganz viele Yoga-Symphonien, die noch kommen werden.

Und wann wird endlich wieder groß Gas gegeben?
Wir haben uns verabschiedet von den Gedanken, dass wir uns feste Daten setzen können, wann es für uns wieder soweit ist. Wir genießen jetzt die Zeit, es ist die Zeit der Vorbereitung, es ist die Zeit zum Runterkommen. Wir sind auf alle Fälle am Start, wenn’s losgeht.

Mit welchem Song donnern Sie ganz sicher auf die Bühne, wenn’s dann losgeht?
Welche Lieder dann da kommen? Keine Ahnung! Wahrscheinlich alle auf einmal. Das erste Konzert wird sicher wieder ein brutales Konzert werden – und wir freuen uns riesig darauf. Und auf Euch. Schöne Zeit bis dahin!

Alle Infos zur neuen Platte und das gesamte Album zum Bestellen oder Herunterladen: www.labrassbanda.com

Interview: Rupert Sommer

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