Interview-Reihe “Bilanz 2021 / Ausblick 2022”

Markus Sporrer: “Selbst die Normalität ist in unserem Fach ein sehr, sehr verzwicktes Geschäft!“

Konzertveranstalter Markus Sporrer
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Konzertveranstalter Markus Sporrer

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir ziehen Bilanz und wagen einen Ausblick in Interviews mit einigen wichtigen Köpfen der Stadt. Heute an der Reihe: Konzertveranstalter Markus Sporrer.

Wenn man die Branchen miteinander vergleicht, so ist die Kultur von den Folgen der Corona-Pandemie sicherlich in besonderem Maße betroffen. Aktuell muss sich die Livemusik-Community, also sich Musiker, Veranstalter, Booker, Techniker, Stagehands, Caterer u.a. vor allem mit Konzertabsagen und -verschiebungen, strengen Einlasskontrollen u.v.a. herumschlagen. Wir haben Markus Sporrer (Veranstaltungsfachwirt, CLUBZWEI Konzert KG & Muffatwerk), um einen persönlichen Jahresrückblick gebeten.

Wie fällt deine persönliche Bilanz fürs Jahr 2021 privat und aus Unternehmersicht aus?
Als Unternehmer natürlich frustrierend, wenn man sich im besten Alter nicht austoben kann, und anstatt zu glänzen, sich um die Existenz sorgen muss. Aber man muss es sportlich nehmen und das ist auch das Stichwort fürs Private: Sport, Ernährung, Ruhe, weniger wilde Nächte, - all das wird mich hinten raus immerhin 5 Jahre länger leben lassen.

Was hat dich besonders genervt oder beeinträchtigt?
In erster Linie natürlich Leugnertrottel, Schwurblerhexen, Kimmich und sonstige Gra*****. Auf der anderen Seite aber auch aberwitzige Maßnahmen, wie bspw. riesige Fußballstadien mit Nullkommanull Zuschauern, anstatt halt einen vernünftigen Prozentsatz reinzulassen, damit ebenjene nicht zu vierzehnt in nem Wohnzimmer schauen. Es ist mir unbegreiflich, wie man nach knapp 2 Jahren Pandemie immer noch nicht wahrhaben mag, dass sich die Leute unentwegt Alternativen suchen, die die Inzidenzen verschlimmbessern, anstatt sie im Zaum zu halten.

Welche Lichtblicke hast du 2021 erlebt?
Ich hatte wie auch im Vorjahr von Frühling bis Herbst einen schönen Job als CVD auf der Muffat-Musikterrasse. Ich bin einfach dankbar, dass ich nicht Spargel stechen, Obstkisten ausfahren oder verhungern haben musste, sondern mit meinen affengeilen Kolleg:innen den Sommer verbringen konnte und mich meine Clique pausenlos brav besuchen gekommen ist.

Was erhoffst du dir vom Jahr 2022?
Ein Haus am Ammersee, einen dunkelgrünen Z3 und die Frau fürs Leben. Und dazu einen Golden Retriever.

Was erwartest du konkret von der neuen Bundesregierung?
Dass sie begreift, dass sie die Kulturbranche noch lange darüber hinaus monetär unterstützen muss. Allen voran Firmen, die konkret auf die Besucherzahlen angewiesen sind. Bspw. uns als Konzertveranstalter, denn wenn es irgendwann so weit ist, dass alles Aufgeschobene stattfindet, wird es ein tumultartiges Überangebot an Konzerten geben, dass unsereins monatelang Tag für Tag tausende Euros verliert, weil es zu viel Konkurrenz gibt. Hinzu kommt, dass es noch andere schöne Dinge gibt im Leben der Menschen, nach denen sie sich sehnen. Zum Beispiel ein Eis am Gardasee essen, oder so. Man kann kein wochenlanges, weltweites Festival auf unserem Rücken austragen – es wird sowas von implodieren - Nervenzusammenbrüche garantiert - und dafür brauchen wir dann zumindest die Kohle, und keine Insolvenzwelle!

Wann rechnest du wieder mit einer Rückkehr zur Normalität, zu Umständen wie vor Corona?
Da bin ich mit meinem Latein am Ende und leider keine Glaskugel. Und man darf ohnehin nicht verdrängen: selbst die Normalität ist in unserem Fach ein sehr, sehr verzwicktes Geschäft!

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