Oscars-Special

Oscars 2021: Die nominierten Filme jetzt im Streaming und demnächst im Kino!

Filmtipp: Frances McDormand in Nomadland
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Frances McDormand in Nomadland

Zahlreiche Oscar-Kandidaten sind bereits im Streaming auf den Plattformen verfügbar oder werden demnächst ins Kino kommen. Eine Übersicht...

And the winner is …” heißt es – voraussichtlich – am 25. April wieder, wenn die Oscars zum 93. Mal verliehen werden. Nicht wie seit 2002 im eigens für die Vergabe der Academy Awards errichteten Dolby Theatre – vormals Kodak Theatre – mit seinen rund 3400 Sitzen, sondern, ob der Corona-Pandemie, aus Gründen der „öffentlichen Gesundheit und Sicherheit“, an verschiedenen Orten. Die Modalitäten der Veranstaltung, die ursprünglich am 28. Februar hätte stattfinden sollen, sind noch nicht endgültig bekannt, ungeklärt ist auch, in welcher Form Stars dieses Jahr anwesend sein werden.

Da die Kinos wegen COVID-19 geschlossen waren, dürfen 2021 erstmals Filme der diversen Streamingdienste teilnehmen, Produktionen von Netflix, Prime Video und Co.

Augenfällig ist dieses Jahr die Diversität, die Frances McDormand 2018 bei der Entgegennahme ihres Oscars für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ eingefordert hatte. Zweimal ist sie nominiert, als Schauspielerin und Produzentin von Nomadland (ab 30.4. bei Disney+, bald im Kino). „Das letzte Stückchen Freiheit in Amerika ist ein Parkplatz“ räsoniert Autorin Jessica Bruder im Vorwort ihres verfilmten Buchs. Sie erzählt von Fern, die nach der Rezession von 2008 alles verloren hat, ihre verbliebenen Sachen packt, sich in ihren Van setzt und als moderne Nomadin durch die Weiten des US-Westens zieht. Eine hellsichtige Zustandsbeschreibung, fiktional und zugleich höchst dokumentarisch. Inszeniert hat die bereits in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnete Arbeit die in Peking geborene, primär in den USA tätige Chloé Zhao („The Rider“). In vier Kategorien, Regie, Schnitt, adaptiertes Drehbuch und bester Film, nimmt sie das Rennen auf, unter anderem gegen die auf dem Sundance Film Festival gefeierte Thriller-Komödie Promising Young Woman (bald im Kino) der Britin Emerald Fennell, deren Protagonistin Carey Mulligan ebenfalls auf einen Award hoffen darf. Dass zwei Frauen in der „Königsklasse“ nominiert wurden, ist ein Novum, der „Coup“, dass sie auch um den besten Film rittern.

In dieser Kategorie ist wohl Mank (auf Netflix) – mit zehn Nominierungen Spitzenreiter – der stärkste Konkurrent. David Fincher schildert, nach Vorlage seines 2003 verstorbenen Vaters Jack, die Entstehung von Orson Welles‘ Geniestreich „Citizen Kane“ (1941). Im Mittelpunkt steht Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz – als Hauptdarsteller nominiert: Gary Oldman –, der in seinem Skript mit seinem ehemaligen Freund, dem mächtigen Medien-Tycoon William Randolph Hearst abrechnet. Eine kurzweilig-kluge Glitzermetropolen-Nabelschau mit präzise gezeichneten Figuren, darunter die ebenfalls Oscar-empfohlene Amanda Seyfried als Aktrice und Hearst-Geliebte Marion Davies, die fortwährend gute Laune versprüht und klug auszunützen weiß, dass sie intellektuell unterschätzt wird. Ästhetisch, hypnotisch sind die Schwarz-Weiß-Bilder von Erik Messerschmidt, dessen ausgeklügeltes Licht-Schattenspiel man auf großer Leinwand genießen sollte. Passend dazu haben Trent Reznor und Atticus Ross – sie sind zudem für ihre Musik zum Animationshit Soul (auf Disney+) vorgeschlagen – einen jazzigen Score kreiert, der aus der beschriebenen Ära stammen könnte. Alle drei sind in ihren Gewerken zu Recht nominiert, ihre härtesten Widersacher sind vermutlich Dariusz Wolski respektive James Newton Howard, Kameramann bzw. Komponist des Spät-Western Neues aus der Welt (auf Netflix) von Paul Greengrass, der die Gegenwart in der Historie spiegelt und Bezug auf die (Un-)Politik Donald Trumps nimmt.

Bemerkenswert und überfällig, dass brisante „black issues“ gleich mehrfach – und wortreich – behandelt werden. In One Night in Miami (auf Prime Video), Regiedebüt der Oscar-gekürten Mimin Regina King („Beale Street“), treffen 1964 der frischgebackene Schwer - gewichtschampion Cassius Clay, Bürgerrechtler Malcolm X, Musiker Sam Cooke (als bester Nebendarsteller sowie für den besten Filmsong nominiert: Leslie Odom Jr.) und Footballprofi Jim Brown in einem Motel aufeinander. Um die gesellschaftliche Stellung der Afroamerikaner und deren Selbstverständnis kreist die Interpretation des gleichnamigen Bühnenwerks von Kemp Powers, der für sein adaptiertes Drehbuch nominiert ist.

Ähnlich gelagert – in diesem Fall nach dem Stück von August Wilson – der Musikfilm Ma Rainey’s Black Bottom (auf Netflix) von George C. Wolfe. Die Titel gebende „Mutter des Blues“ spielt im Chicago des Jahres 1927 mit ihrer Band eine Platte ein, Animositäten und Reibereien münden in einem tödlichen Messerstich. Ein dichtes, klaustrophobes Kammerspiel, zugleich der letzte Film mit Chadwick Boseman, der als Trompeter Levee brilliert. Fünf Nominierungen schlagen zu Buche, für den 2020 verstorbenen Ex-„Black Panther“, Viola Davis als „Ma“, für Szenenbild, Kostüme sowie Make-up und Frisuren.

Erfreulich der Umstand, dass gleich neun Darsteller nicht-weißer Hautfarbe zur Wahl stehen, unter ihnen Riz Ahmed als Drummer, der in Sound of Metal (auf Prime Video) sein Gehör verliert, Andra Day als kämpferische Jazz-Legende in The United States vs. Billie Holiday (auf Hulu, bald im Kino) und – erstmals in der Oscar-Geschichte – der gebürtige Südkoreaner Steven Yuen, Held des sechsfach nominierten Farmerdramas Minari – Wo wir Wurzeln schlagen (bald im Kino) von Lee Isaac Chung.

Autor: Gebhard Hölzl

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