Kinotipp

„Dune“ von Denis Villeneuve

Timothée Chalamet und Rebecca Ferguson in Dune
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Timothée Chalamet und Rebecca Ferguson in Dune

Nach der langen Kinopause und monatelangem bingewatchen diverser TV-Serien auf Netflix & Co freut man sich auf einen großen Kinofilm wie Dune von Denis Villeneuve umso mehr

Ein zweieinhalbstündiges Epos mit üppigen Bildern, blutigen Schlachtengemälden, veritablem Pathos, aufwendiger Tricktechnik und einem opulenten Score, der für die große Leinwand gemacht ist und der im kleinformatigen TV zuhause sicherlich einiges verliert. Kurzum, für solche Filme gibt es Kinos!

Ich muss gestehen, dass ich die legendäre Romanvorlage „Dune“ von Frank Herbert aus dem Jahr 1965 nicht gelesen habe, mich wohl aber noch an David Lynchs Film-Version von 1984 mit dem jungen Kylie MacLachlan - der später als Twin-Peaks-Star Karriere machen sollte - erinnere. Eher gelangweilt saß ich damals im Kino, obwohl ich Science-Fiction-Epen mochte, die erste Star-Wars-Trilogie gerade erst nachhallte. „Dune“ ist vermutlich der einzige Lynch-Film, der mir nicht gefiel. Zu kompliziert, zu langatmig, trotz ein paar hübscher Ideen. Diesmal haben mich die 155 Minuten von Anfang an gepackt, ach was, sogar begeistert.

Wenn alles gut läuft und Regisseur Denis Villeneuve („Blade Runner 2049“, „Arrival“) weitermachen darf, könnte das der Beginn einer aufwendigen Serie á la Star Wars oder Herr der Ringe werden. Wesentlich verständlicher als Lynch wird hier die Weltraumsaga erzählt. Die Geschichte des Wüstenplaneten Arrakis, dessen Gold das von riesigen Sandwürmern produzierte Spice ist: eine wertvolle, bewusstseinserweiternde Droge, die unter anderem für die Navigation von Raumfahrern wichtig ist und um die die Welten kämpfen. Im Zentrum der Handlung steht der jugendliche Held Paul Atreides, der mit seinem Vater Leto und seiner Mutter vom Imperator Shaddam auf den Planeten geschickt wird, um diesen zu befrieden. Das passt weder den kriegerischen Harkonnen, die den Planeten usurpiert haben, noch den einheimischen Wüstenbewohnern, den unterdrückten Fremen.

Herausragend ist der Cast, gespickt mit Stars des Genrekinos. Allen voran der jugendliche Held Timothée Chalamet, der den junge Paul Atreides mit einer Mischung aus Naivität und Nonchalance spielt. Sexy Rebecca Ferguson als dessen Mutter. „Aquaman“ Jason Momoa als Schwertkämpfer Duncan Idaho, Javier Bardem als Fremen-Führer Stilgar und die leider wenig zu erkennende Charlotte Rampling als Ehrwürdige Mutter Mohiam sind weitere Filmgrößen, die hier auflaufen. Dazu gehören auch -diesmal ohne Brille - Action-Held Dave Bautista als glatzköpfiger Oberfiesling Rabban Harkonnen sowie Stellan Skarsgård als schwebender, fettleibiger Imperator.

Episch wird die Geschichte erzählt, wobei sich Villeneuve erst einmal Zeit lässt und der Zuschauer in die Weltraum-Western-Wüsten-Saga eintaucht. Die Action, die Schlachten kommen erst in der zweiten Hälfte. Das könnte beim jugendlichen, auf schnellen Thrill gepolten Publikum problematisch sein. Hält der 16jährige es länger ohne Action im Kinosessel aus?

Die Älteren lehnen sich zurück und genießen das Eintauchen in die fremden Welten, den Ehrenkodex der Schwertkämpfer, die Intrigen am Weltraumhofe, die durch den Sand gleitenden 400 Meter langen Sandwürmer. Famos ist auch der Musikscore des Frankfurters Hans Zimmer, dessen fette Produktionen nicht bei jedem Film funktionieren. Hier passen die sinfonischen Weiten mit arabischem Ethno-Einschlag allerdings bestens.

Man wünscht „Dune“ viele Zuschauer, auf dass Villeneuve wenigstens noch den zweiten Teil machen kann, den dieser Film erzählt inhaltlich nur die Hälfte des ersten Bandes der Saga von Frank Herbert.

Dune läuft ab 16. September in diversen Münchner Kinos. Eine Übersicht findet Ihr auf kino.in-muenchen.de

Autor: Thomas Bohnet

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