Kinostarts ab dem 10.03.

Die Kinostarts der Woche

Penelope Cruz in Parallele Mütter
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Penelope Cruz in Parallele Mütter

Von europäischem Autorenkino zu US-amerikanischen Blödeltruppen - Das sind die Kinostarts der Woche

LLEGAL. Antonio ( Justin Chon) kam aus Korea, ist als Adoptivkind in Louisiana aufgewachsen. Jetzt ist er glücklich mit Kathy (Alicia Vikander) verheiratet, Stiefvater einer geliebtenTochter, arbeitet hart am pursuit of happiness – bis ihn, nach einem Streit mit Kathys Ex, einem Polizisten, die US- amerikanischen Behörden ins Visier nehmen und ihn „zurück ins Heimatland“ schaffen wollen. Justin Chons tränenreiches Melo Blue Bayou beruht auf wahren Ereignissen. (Ab 10.3.)

SANS PAPIERS. Zohra Hamadi, 32, (Rhim Ibrir), lebt im Banlieue. Hat einen Job bei einer NGO, ist nach langer Krankheit wieder gesund, will den Sommer bei ihrem Mann Hocine in Algerienverbringen. Wartet nur noch auf die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung. Doch die bleibt aus. Während ihre Freunde in die Ferien aufbrechen, verliert Zohra ihre Arbeit, ihre Wohnung, ihren Halt, imaginiert verschiedene Lebensentwürfe, mit Hocine, ohne ihn, legal, mit Familie, Arbeit ... oder auch
nicht. Europe ist der erste Spielfilm von Dok-Regisseur Philip Scheffner („Havarie“, „Revision“), feierte seine Premiere bei der Berlinale 2022. (Ab 10.3.)

GRUPPENZWANG. Pubertierende amerikanische Jungs, auch wenn sie längst über 40 sind, können sich scheckig lachen über Peniswitze und völlig durchgeknallte Stunts, wie sie zum Standard-Repertoire der Chaotentruppe rund um Johnny Knoxville gehören. Jackass Forever, klar, hat an den amerikanischen Kinokassen „Spider-Man: No Way Home“ überflügelt, und Roland Emmerichs „Moonfall“ abge-hängt. (Ab 10.3.).

HASS AUF DEN ERSTEN BLICK treibt die ehrgeizige Lucy Hutton (Lucy Hale) ihrem hyper-effizienten Erzfeind Joshua Templeton (Austin Stewell) in die Arme. Es geht beiden um den besten Job, den man im Verlag Bexley & Gamin kriegen kann. Küss mich, Mistkerl! ist Peter Hutchings Verfilmung des Bestsellers von Sally Thorne, eine in jeder Hinsicht durchkalkulierte New York-RomCom. (Ab 10.3.)

EMPATHIE. Die erfolgreiche Fotografin Janis (Penélope Cruz) und die minderjährige Ana (Milena Smit) begegnen sich auf der Entbindungsstation. Beide sind alleinstehend, ungeplant schwanger. Janis sieht keinerlei Anlass, ihre Affäre mit Arturo (Israel Elejalde) zu bereuen, ist voller Vorfreude, Ana dagegen ist voller Ängste und traumatisiert, von ihrer gleichgültig-egozentrischen Mutter Teresa (Aitana Sánchez-Gijón) im Stich gelassen. Auf ihren Wanderungen durch die Flure versucht Janis, Ana zu ermutigen. Nach der Geburt ihrer Töchter versprechen sie einander, Kontakt zu halten, allein, die Wege trennen sich. Wäre da nicht Arturos aufkeimender Verdacht, dass das Kind nicht von ihm ist ... Pedro Almodóvars meisterhaftes Melodrama Parallele Mütter unterläuft alle Erwartungen und feiert die weibliche Solidarität. (Ab 10.3.)

ATEMBERAUBENDE BILDER gelingen Natur- und Wildlife-Fotograf Vincent Munier und seinem Begleiter, dem Schriftsteller Sylvain Tesson, sie sind im tibetischen Hochland unterwegs, auf der Suche nach der vom Aussterben bedrohten, titel gebenden Raubkatze und auf einer meditativen Reise zu sich selbst. Der Schneeleopard feiert dabei all die Schönheiten einer Natur, die dank der unermüdlichen menschlichen Zerstörungen nun endgültig dem Untergang geweiht sind. Musik von Nick Cave und Warren Ellis. (Ab 10.3.)

FROM THE INSIDE. Als die 17-jährige palästinensische Aktivistin Ahed Tamimi 2017 verhaftet und zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt wurde, weil sie angeblich israelische Sicherheitskräfte bedroht hatte, twitterte ein Abgeordneter der nationalreligiösen Partei, sie hätte besser einen Schuss ins Knie verdient. In Nadav Lapids Film Ahads Knie reist das Alter Ego des Regisseurs nach seinem Erfolg auf der Berlinale (mit „Synonymes“) zu einem Screening in einer Siedlung in der Arava-Wüste im Süden Israels. Dort
muss er ein Dokument unterschreiben, das es ihm verbietet, nach dem Film über politisch heikle Themen zu sprechen. Während der Film läuft, wandert der Regisseur, mit seinem Land, den Traumata, der absurden Zensur hadernd, durch die Wüste. „Subversive art“ erzählt Lapid, ein politischer Film, klandestin produziert, gedreht und in Umlauf gebracht. (Ab 10.3.)

Hermann Barth