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Oscar-Preisträger Simon Denda: „Kino wird sich wieder erholen“

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Von: Andreas Platz

Interview mit Oscar-Preisträger Simon Denda
„Mich hat es in die Film-Welten förmlich hineingezogen“, sagt Simon Denda © Holger Jungnickel

Der Münchner HFF-Absolvent Simon Denda hat 2021 einen Studenten-Oscar gewonnen. Viel Rückenwind für tolle Filmprojekte in diesem Jahr!

Herr Denda, noch ist nicht ganz klar, in welcher Form und wie glamourös in diesem Jahr die Oscars in Hollywood verliehen werden. Wie blickt man eigentlich auf die „Kollegen“, wenn man wie Sie selbst seit vergangenem Jahr Preisträger ist?
Ich freue mich für jeden, der für diese Auszeichnung im Rennen ist. Es ist ein grandioses Gefühl, diesen Preis zu erhalten.

Sie haben einen sogenannten Studenten-Oscar gewonnen. Wie kam es eigentlich dazu, dass eine Arbeit von Ihnen eingereicht wurde und wie fühlte sich das alles letztlich an?
Für den Studenten-Oscar darf weltweit jede dem Cilect Netzwerk angehörige Filmhochschule pro Kategorie einen Film einreichen. In jedem Jahr entstehen an der HFF so viele wundervolle Filme, die es alle verdient hätten, für den Studenten-Oscar eingereicht zu werden. 2020 hat die HFF München sich aus allen Projekten für meinen Film „Adisa“ entschieden, was schon eine große Ehre ist. Nachdem „Adisa“ dann eingereicht war stieg bei mir auch die Nervosität. Als wir es dann auf die Shortlist geschafft haben, war die Freude riesig. Es dann aber wirklich bis ins Finale zu schaffen und dann noch einer der Preisträger zu sein, war unbeschreiblich.

Wie stark ist der Rückenwind, der von so einer Auszeichnung ausgeht?
Der Preis schafft natürlich Aufmerksamkeit, und ich spreche auf einmal mit Menschen aus der Branche, zu denen ich vorher keinen direkten Kontakt hatte. Was sich letztendlich daraus ergibt, wird sich aber noch zeigen müssen. „You still have to do the work“ wurde uns von der Academy mit auf den Weg gegeben. Damit haben sie natürlich Recht.

Sie haben ja an der HFF studiert, allerdings schon länger für Filmprojekte gearbeitet. Wann haben Sie eigentlich das erste Mal gespürt, dass es sie zum Drehen zieht?
Mich hat es als Teenager in die Film-Welten förmlich hineingezogen. Das war für mich ein großer Schutzraum zum Träumen und Ausprobieren. Das hat dann dazu geführt, dass ich diese Welten auch selbst herstellen wollte. Ich habe dann schnell gemerkt, dass das Eine aber nur wenig mit dem Anderen zu tun hat… Trotzdem bin ich drangeblieben, denn die Filmbranche hat etwas sehr Verführerisches, wenn man gerade aus der Schule kommt. Sie ist ein Abenteuer, das einen an viele unbekannte Orte führt und die einen von zu Hause ausbrechen lässt.

Wie so viele Bereiche des öffentlichen Lebens, ja leider vor allem auch den Kulturbetrieb, überschatten weiterhin die Probleme mit den Pandemie-Herausforderungen auch das Filmemachen. Wie kommen sie ganz persönlich mit dieser Form von Lähmung klar – wenn man doch vermutlich unbedingt rausgehen und Ideen umsetzen möchte?
Aktuell habe ich nicht das Gefühl, dass die Pandemie starken Einfluss auf die Dreharbeiten hat. Klar, es gibt Sicherheitsmaßnahmen und es kommt immer wieder vor, dass Teammitglieder ausfallen, aber auf das Drehvolumen hat das nicht so einen großen Einfluss. Was deutlich zu spüren ist, momentan werden sehr viele Drehbücher entwickelt. Der Bedarf an Content ist sehr hoch, gerade dann, wenn man in Quarantäne zu Hause sitzt. Deshalb wird auch viel hergestellt.

Konnten Sie in letzter Zeit überhaupt drehen und wenn ja, wie muss man sich ein Set unter Corona-Bedingungen vorstellen?
Ich habe in letzter Zeit vor allem Werbung gemacht. Da wir hier oft nur wenige Drehtage haben, hat ein Corona-Fall nicht so schwerwiegende Auswirkungen auf den Arbeitsprozess, wie es bei längeren Projekten der Fall wäre. Was neu ist, dass wir einen Ersatz-Cast auf Abruf haben, falls der eigentliche Cast noch vor dem ersten Drehtag ausfällt. Das geht natürlich nur bei Werbung.

Eigentlich boomt das Filmemachen ja. Und die Nachfrage nach tollen Bewegtbildinhalten war selten größer. Trotzdem sitzt die Generation Netflix oft zuhause auf den Sofas. Wie groß ist Ihre Sorge, dass die Leute „Kino verlernen“?
Die Sorge ist groß, vor allem da diverse Anbieter daran arbeiten, dass wir Serien zu Hause auch in der Gemeinschaft schauen können, auch wenn nicht alle zusammen auf einem Sofa sitzen. Stichwort Watch-Party. Gleichzeitig beruhigt es mich auch, da es zeigt, dass eine Serie oder ein Film oftmals lieber in der Gruppe als allein geschaut wird. Das Kino-Erlebnis, der konzentrierte Blick nach vorne ohne Ablenkung, ohne Unterbrechung, die Gespräche nach dem Film. All das kann Streaming nur imitieren und nie ersetzen. Deshalb bin ich ganz zuversichtlich, dass der Kinomarkt sich nach dem Hype um das Streaming und der Pandemie wieder erholen wird.

Wer den Film liebt, geht ja eigentlich auch gern ins Kino. Sollte man zumindest meinen. Was macht für Sie den besonderen Reiz am Gemeinschaftserlebnis im Filmsaal aus?
Der Moment, wenn der Film zu Ende ist und du schweigend in deinem Kinosessel sitzt, zu deiner Begleitung schaust und dieser Film, den du gerade gesehen hast, nachschwingt. Das ist wie das Erwachen nach einem Traum, und du wartest nur darauf, bis das erste Wort fällt und du darüber sprichst, was für Gefühle diese letzten zwei Stunden in dir hervorgerufen haben. Das kann nur Kino.

Kann man als „Profi“ wie Sie überhaupt mit Spaß Popcorn-Filme ansehen oder sieht man überall Herausforderungen oder sogar kleine Fehler der „Kollegen“?
Natürlich geht das, auch wenn ich mich zwischendurch manchmal ärgere, wenn der reine Effekt dazu genutzt wird, um Logiklücken in der Geschichte zu stopfen. Desto mehr freue ich mich aber, wenn ein Film viel richtig macht, denn ich weiß wie schwer es ist, diesen Zustand zu erreichen.

Sie haben für das neue Jahr ja viel vor. Was können Sie denn schon von Ihrem nächsten Filmprojekt verraten?
Aktuell lese ich viele Drehbücher und arbeite konkret an einem Spielfilm und einer Mini-Serie. Mehr darf ich aber noch nicht verraten.

Interview: Rupert Sommer

Infos zu den Filmen von Simon Denda: neu.simondenda.com

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