Ortsgespräch

Kino-Betreiber Markus Eisele - Kein Film über Corona

Kino-Betreiber Markus Eisele

Netflix ist ein schwacher Trost. Markus Eisele, der in München das Arena und das Monopol betreibt, feilt schon an den Plänen, wann seine Kinos wiederöffnen.

Herr Eisele, Gesundheit geht vor, niemand möchte ernsthaft sich und die Mitmenschen in Gefahr bringen. Doch tatsächlich hat es sich in den vergangene Wochen ja lange so angefühlt, als ob die Kultur bei allen Rettungs- und Überlebensplänen immer an letzter Stelle gestanden hätte. Was war und ist Ihr Rezept, nicht nur mit dem irren wirtschaftlichen Druck, sondern auch mit dem Gefühl, allein gelassen zu werden, umzugehen?

Allein gelassen zu werden - dieses Gefühl hatte ich für unsere Kinos eigentlich nie. Viele Stammkunden haben sich solidarisch gezeigt, Gutscheine gekauft oder großzügig bei unseren Kinotaschen aufgerundet. Wieder andere haben ohne Gegenleistung Geld gespendet oder auch nur aufmunternde Worte gefunden. Das alles zeigt uns, dass wir nicht fürchten müssen, dass uns nach Corona das Publikum abhanden kommt.

Das klingt gut und gibt sicher Kraft.
Mittlerweile laufen auch die verschiedenen Hilfsprogramme an. Da sind wir in Deutschland ja sehr privilegiert, denn ich glaube nicht, dass es viele Länder auf der Welt gibt, wo die Kinos auf so großzügige Unterstützung bauen können. Auch der Staat kann ja nichts für die aktuelle Situation und man kann auch nicht erwarten, dass von dort alle Verluste zu 100% ausgeglichen werden. Wir sind deshalb froh, dass jetzt das Sommerhalbjahr begonnen hat, in dem wir ohnehin keine guten Umsätze hätten und versuchen, die Zwangsauszeit auch ganz persönlich mal zum Runterkommen zu nutzen. Mit umso mehr Elan werden wir dann wieder loslegen können, wenn es weiter geht.

So langsam zeichnet sich ja so etwas wie ein Hoffnungsschimmer für Kinofreunde und Kinobetreiber ab. Wie sieht denn für Sie und Ihre Spielstätten der innere Fahrplan - so nichts dazwischen kommt - aktuell aus?
Wir wollen lieber noch keinen genauen Fahrplan machen. Fest steht, dass wir ab Herbst wieder normal spielen können müssen, sonst sieht es auch für uns extrem bedrohlich aus. Deshalb warten wir jetzt lieber noch etwas länger und starten dann mit mehr Sicherheit und vielleicht weniger Auflagen. In der Zwischenzeit arbeiten wir auch an Autokino-Plänen auf dem Land - mal sehen, ob es klappt.

Nicht nur Ihr Stammpublikum wird dem ersten Wiederöffnungstag entgegenfiebern. Wie muss man sich einen Besuch in einem Ihrer Kinos unter Corona-Bedingungen konkret vorstellen? Was Kino ausmacht, ist ja mehr als nur ein toller Film. Auch der Austausch vor und nach der Vorstellung gehört fest dazu.

Wir wollen unsere Kinos eben nicht zum Hochsicherheitsbereich werden lassen - das widerspricht komplett unserer Philosophie. Unsere Kinos - und vor allem die Foyers sind allesamt recht klein. Was normalerweise ein Vorteil ist, weil die Gäste sich schnell als eingeschworene Gemeinschaft fühlen, ist zu Corona-Zeiten natürlich ein großer Nachteil. Abstandsregelungen lassen sich bei uns nur einhalten, wenn wir die Besucherzahl extrem beschränken. Ob das dann noch wirtschaftlich ist, ist fraglich. Für ein paar Wochen im Sommer ist das aber sicher möglich. Gut gefüllte Seifenspender sind dann ja sicher kein Problem und meinetwegen gibt es auch die berühmte Plexiglasscheibe an der Kasse. Unbeschwertes Kinofeeling sieht aber sicher anders aus.

Sie haben mit den tollen Kino-Taschen zumindest aus der Ferne die Erinnerung an tolle Nachmittage und Abende in Ihren Kinos hochgehalten. Wie kamen Sie eigentlich auf die originelle Idee?
Die ist schon vor der Corona-Krise entstanden. Wir denken in unserem Team viel über Nachhaltigkeit nach und es reute uns, die aufwändigen, meist schönen Filmbanner immer einfach zu entsorgen. Eine Mitarbeiterin recherchierte eine Behindertenwerkstatt, die aus solchen Bannern schicke Taschen näht und just Ende März bekamen wir die erste Lieferung. Die 15 Taschen waren indes schnell vergriffen - jetzt warten wir auch den zweiten Schwung - die Nachfrage ist groß.

Was für eine Art von Film sollte es Ihre Meinung nach sein, um das erste Wiedersehen in einem Ihrer Säle zu feiern?
Filme entführen uns in Realitäten anderer Menschen. Wir können uns also mal von unserer eigenen Situation fortträumen und Geschichten erleben, die uns inspirieren, zum Lachen oder Weinen bringen oder uns einfach nur ablenken. Das vermögen ganz viele unterschiedliche Filme und jeder hat da andere Vorstellungen. Nur einen Film über die Corona-Krise, den würde ich lieber nicht zeigen wollen. Davon haben wir jetzt wirklich langsam die Nase voll.

Interview: Rupert Sommer

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