Filmkritik

Halloween Kills – Ziellos aber gruselig

Grusel-Ikone Michael Myers vor brennendem Haus
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Grusel-Ikone Michael Myers vor brennendem Haus

Am 21.10. erscheint mit „Halloween Kills“ der neueste Gruselschocker aus dem beliebten Franchise. Unsere Filmbesprechung.

Beginnen wir klassisch: „Halloween Kills“ ist die Fortsetzung des Films „Halloween“ von 2018, beide von Regisseur David Gordon Green. Diese spielen 40 Jahre nachdem Myers -im ersten Halloween-Film, 1978 von John Carpenter gedreht- in der Stadt Haddonfield mehrere Teenager getötet hat. Das junge Aupair-Mädchen Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) kann sich im furiosen Finale des 70er-Kultfilms gegen Myers behaupten, überlebt, er selbst wird vom Psychiater Dr. Loomis mehrmals angeschossen, verschwindet zum Ende des Films dennoch spurlos. Es scheint so, als sei Myers gar kein Mensch, sondern das nicht aufzuhaltende Böse in der Welt. So pseudo-philosophisch, so wahr: Mit meist nur kurzen Unterbrechungen wurden in den 40 Jahren seit Erscheinen des ersten Films unaufhaltsam Fortsetzungen und Re-Boots des Films von 1978 gedreht. Nun also Halloween (2018) und Halloween Kills (2021).

Die beiden Filme knüpfen 40 Jahre später an das Original an. Laurie Strode (wieder Jamie Lee Curtis) hat sich für vier Jahrzehnte auf die Rückkehr von Myers vorbereitet, um ihn endlich endgültig ins Jenseits zu befördern. Freunde und Familie (Lauries Tochter gespielt von Judy Greer) halten sie für eine schrullige alte Dame, die Panik vor etwas zu haben scheint, das sowieso nie eintrifft. Doch: Myers kommt zurück, tötet Menschen, sucht Laurie auf, diese wird von ihm schlimm verletzt, kann Myers aber doch mitsamt ihrem Haus in Flammen setzen. Film Ende.

Bettlägerig entschlossen zur Rache: Laurie Strode (Jamie Lee Curtis)

„Halloween Kills“, der zweite Teil der geplanten Trilogie knüpft direkt daran an. Laurie ist in dem Glauben Michael Myers getötet zu haben auf dem Weg ins Krankenhaus, während Feuerwehrmänner ihr Haus löschen und somit unwissend Myers retten. Dieser erscheint, macht, dass es allen Feuerwehrmännern nicht so gut ergeht und fällt anschließend wieder über die Stadt Haddonfield her. Alles auf Anfang also. Sie sehen: Dafür, dass es in dem Film nur um einen Mann mit Maske geht, der ohne Motivation Menschen tötet, muss man wirklich viel erklären. Und genau daran krankt der Film auch:

Das Franchise-Dilemma

Im Jahr 2021 muss im Mainstream-Entertainment-Sektor alles eine Serie sein. Es geht um (Marvel-)Universen, Worldbuilding, Franchises, Sequels, Prequels etc. Wenn die Story aber so minimalistisch ist, wie in der Welt von „Halloween“ fühlt es sich blöd an, wissentlich in den zweiten Teil einer Trilogie zu gehen. Das Einzige was interessiert, ist, ob der Killer unschädlich gemacht wird oder nicht. Da man weiß, dass es einen dritten Teil geben wird, kann das schon mal nicht passieren. Anstatt dessen: Viel Rumgewurstel ohne Handlungsfortschritt. Neue Figuren werden eingeführt, nur um kurz darauf irgendwie von Michael Myers getötet zu werden. Laurie Strode verbringt den ganzen Film ohne Kontakt zu Myers im Krankenhaus. Ein Sub-Plot, in dem die Dorfgemeinschaft Haddonfields eine Bürgerwehr gegen Myers formt, um sich anschließend in einen ziellos wütenden Mob zu verwandeln, ist -besonders in den USA nach dem Sturm aufs Kapitol- interessant, kann den Film aber nicht stimmiger machen. Als alleinstehendes Werk funktioniert der Film schlichtweg nicht. Vielmehr hofft man darauf, dass a la Netflix direkt die nächste Folge kommt, nur um dann zu realisieren, dass man auf diese nun ein Jahr warten muss.

Gute Optik

Vielleicht erwarte ich aber auch zu viel: Wenn man sich einfach nur mit Freund*innen gemeinsam im Kino vor Grusel die Augen zuhalten will, funktioniert Halloween Kills durchaus. Die Tötungsszenen -so man diese denn genießen kann- sind zahlreich, nicht unbedingt kreativ, aber brutal. Der Soundtrack vom Maestro John Carpenter ist cool und weiß Spannung zu erzeugen. Zwischendrin bietet der Film auch eindrucksvolle Bilder und wartet generell mit einer dunkel-eleganten Optik auf, an der man sich kaum sattsehen kann. Schade, dass all das auf einen Plot trifft, der zu wenig anzubieten hat. Kann gut sein, dass das gar nicht so auffällt, wenn der dritte Teil erscheint und man die Trilogie in einem Rutsch ansieht. Bis dahin fühlt sich der Film aber zu sehr nach verlorenen zwei Stunden an.

Halloween Kills läuft ab 21. Oktober in diversen Münchner Kinos. Eine Übersicht findet Ihr hier.

Autor: Franz Furtner

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