Filmfestival

14. Fünf Seen Filmfestival 2020

Fünf Seen Filmfestival 2020
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Das Fünf Seen Filmfestival am Strandbad Starnberg

Trotz Corona findet das 14. Fünf Seen Filmfestival auch 2020 live statt (vom Mi 26.8. bis Mi 9.9.). Etwas früher, etwas länger, etwas anders.

Auf acht Leinwänden in Gauting, Starnberg, Seefeld, Weßling – Open-Air-Veranstaltungen inklusive – werden 70 Lang- und 50 Kurzfilme gezeigt. Zudem kommt Wolf Gaudlitz’ Cinemamobile, ein umgebauter Laster mit Kinoleinwand, zum Einsatz. Das diesjährige Motto lautet „Bewegung und Stillstand“, Gastland ist die Ukraine. Tickets bekommt man ab sofort unter www.fsff.de.

Wie bei jedem Festival gibt es die obligaten Reihen, Jurys und Auszeichnungen. Erwähnenswert, dass der One-Future-Preis – ob des abgesagten Filmfest München – auf dem FSFF vergeben wird. Die Mischung ist bunt, das Kinderfilmfest widmet sich dem Thema „Bike & Kids“, einige Screenings und Filmgespräche werden Online übertragen, einer der Ehrengäste ist der vielseitige, polarisierende Lars Eidinger.

VOR MIR DER SÜDEN - Auf Pasolinis Spuren

„Mein Herz klopft vor Freude, vor Ungeduld, vor Erregung. Ganz allein, ich und mein Fiat Millecento, und der ganze Süden vor mir. Das Abenteuer beginnt!", notierte Pier Paolo Pasolini, ehe er sich 1959 im Auftrag der Zeitschrift „Successo“ hinters Lenkrad setzte und etwa 3.000 Küstenkilometer durch Italien fuhr. Seine Texte und Bilder über diese Reise sind ein grandioses Zeitdokument. Im September/Oktober 2017 begaben sich Regisseur Pepe Danquart und sein Team für Vor mir der Süden auf die Spuren des Dichters und Filmemachers, der schon früh – zärtlich, melancholisch und zornig – vor den Folgen jener Ökonomisierung aller Lebensbereiche warnte, die wir heute erleben.

1942 wird ein junger Belgier von der SS in ein Konzentrationslager gesperrt. Er entgeht der Exekution, weil er schwört, kein Jude, sondern Perser zu sein – eine Lüge, die ihn zunächst rettet. Doch dann soll er dem sadistischen Leiter der Lagerküche (Lars Eidinger) Farsi beibringen... In seinem eindringlichen Drama Persischstunden stellt Vadim Perelman die Schrecken der Shoah hautnah dar – mit einem Helden, der es mit Cleverness und Chuzpe schafft, nicht Opfer der menschenverachtenden NS-Ideologie zu werden. Artur, Ende 30, glücklich verheiratet, lebt von Nachhilfestunden und arbeitet in einem Copyshop. Die Gemächlichkeit im Alltag des ausgebildeten Lehrers nimmt ein jähes Ende, als die junge Alice in den Laden und damit in Arturs Leben platzt. Der renommierte österreichische Filmemacher Peter Payer hat unter dem Titel Glück gehabt Antonio Fians Roman „Das Polykrates-Syndrom“ adaptiert. Was als komödiantische Dreiecksgeschichte beginnt, steigert sich zu einem schwarzhumorigen Thriller, der so manche Überraschung bereithält.

LOVE SARAH - Liebe ist die wichtigste Zutat

Sarahs Herzenswunsch ist es, eine Bäckerei in Londons Notting Hill zu eröffnen. Als sie überraschend stirbt, beschließt ihre 19-jährige Tochter, den Traum ihrer Mutter wahr werden zu lassen. Mit Charme und Überredungskunst begeistert sie erst Sarahs beste Freundin und schließlich auch ihre exzentrische Großmutter (stark: Celia Imrie) für ihren Plan... Einmal mehr geht bei Love Sarah Liebe durch den Magen. Ein typischer Wohlfühlfilm, luftig inszeniert von Eliza Schroeder, angesiedelt zwischen Cremetörtchen, Himbeer-Eclairs und Schoko-Muffins.

CORPUS CHRISTI - Vom Mörder zum Priester

Polens Oscar-Kandidat 2020 für den besten internationalen Spielfilm: Corpus Christi von Jan Komasa. Die wahre Geschichte eines jungen Kriminellen, der in der Jugendstrafanstalt eine spirituelle Erleuchtung hat. Er beschließt nach seiner Entlassung Priester zu werden – was aber wegen seines Strafregisters nicht möglich ist. Glaube, Liebe, Hoffnung in Thrillerform. Dazu Doppelmoral, Korruption und die Untiefen menschlichen Handels. Meisterlich die Leistung von Hauptdarsteller Bartosz Bielenia, der zu Recht zum European Shooting Star gekürt wurde.

ÜBER DIE UNENDLICHKEIT - Ein typischer Roy Andersson

Als bester Regisseur wurde der Schwede Roy Andersson vergangenes Jahr in Venedig mit einem Silbernen Löwen geehrt. Nach „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach" reiht der filmische Querdenker erneut kurze Sequenzen und lebende Tableaus aneinander. Mal absurd, mal komisch, mal albtraumhaft. Ein Mann trifft einen Schulfreund auf der Straße und kränkt sich, dass dieser ihn nicht gegrüßt hat. Ein Priester, der vom Glauben abgefallen ist, imaginiert seine Kreuzigung... In langen Einstellungen wird Über die Unendlichkeit räsoniert, über Religion und Krieg, Banalität und Brutalität. Schwebend, fesselnd.

Mikis Theodorakis hautnah. Eine dokumentarische Annäherung an den weltberühmten, inzwischen 95-jährigen griechischen Komponisten, Schriftsteller und Politiker, den man weltweit für seine Filmscores zu „Alexis Sorbas“, den Politthriller „Z“ oder das Polizeidrama „Serpico“ kennt und schätzt. Ebenfalls für Musikfans Pflicht: Hal Roachs Harold-Lloyd-Stummfilmklassiker Safety Last, live begleitet und neu interpretiert von Bernhard Zink, sowie Federico Fellinis Oscar-Gewinner La strada mit dem Ohrwurm-Soundtrack von Nino Rota („Der Pate“).

Autor: Gebhard Hölzl

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