Filmtipp

Mut zur Wahrheit 

Bombshell – Das Ende des Schweigens von Jay Roach

„Bombshell – Das Ende des Schweigens“ von Jay Roach

„Ziehen Sie ein kürzeres Kleid an“, herrscht Roger Ailes (John Lithgow), Chef des reaktionären US-Fernsehsenders Fox News, im Vorbeigehen die junge Moderatorin auf dem Gang an. Denn lange Beine sind bei dem ultrakonservativen Nachrichtensender gefragter als investigativer Journalismus und unbequeme Fragen. „Fernsehen ist schließlich ein optisches Medium“, rechtfertigt der väterliche Patriarch sein ungeschriebenes Gesetz.

Und so sitzen die Journalistinnen nicht von ungefähr bei Trumps Lieblingssender hinter Glastischen, wenn sie moderieren. Als die attraktive, blonde Starmoderatorin Megyn Kelly (Charlize Theron) im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump freilich vor laufender Kamera mit seinen frauenverachtenden Äußerungen konfrontiert, hört der Spaß auf. Ohne Rückendeckung liefert sie der Senderchef den widerlichen Twitter-Attacken Trumps aus. Denn der Krawallkandidat beschert Fox News Topquoten.

Während der Boss Megyn eine Auszeit verordnet, verbannt er ihre Kollegin Gretchen Carlson (Nicole Kidman), die als „sexy, aber anstrengend“ gilt, ins Nachmittagsprogramm. Als die ehemalige „Miss America“ dort ohne Make-Up vor die Kamera tritt, um gegen das weibliche Barbie-Image zu demonstrieren, rastet der Egomane vollends aus. „Keiner will eine ungeschminkte Frau in der Menopause sehen“, tobt er.

Die ehrgeizige Jungredakteurin Kayla Pospisil (Margot Robbie) dagegen glaubt naiv an ihre Chance. Auf dem Weg nach oben in die Chefetage treffen sich die drei Frauen im Aufzug. Angespannt taxieren sie einander. Auf Gretchen wartet ihre Entlassung wegen angeblich „enttäuschender Einschaltquoten“. Aushängeschild Megyn wird wieder auf Linie gebracht. Und Kayla erlebt das ganze Ausmaß demütigender Erniedrigung.

Scheinbar harmlos bittet sie der Senderboss aufzustehen und sich vor ihm zu drehen, damit er ihre Figur beurteilen kann. Damit nicht genug, verlangt er, dass sie ihren Rock immer höher zieht. „Du musst mir beweisen wie loyal Du bist“, sagt er. Die beklemmende Szene ist einer der stärksten Momente des packenden Dramas um Machtmissbrauch und sexuelle Nötigung, das in keiner Minute voyeuristisch agiert und nie die Perspektive der Frauen aus den Augen verliert.

Der brandaktuelle Film schildert glaubwürdig das sexistische Klima hinter den Kulissen von Fox News. Temporeich rekonstruiert Regisseur Jay Roach den Skandal, der den mächtigsten Medienmanager der USA im Sommer 2016 zu Fall bringt. Denn noch bevor die Me-too-Bewegung Furore macht, verklagt Gretchen Carlson den Fox-Boss wegen sexueller Belästigung.

Eindringlich zeigt die Inszenierung, was ihr mutiger Schritt sie kostet und in welchen Zwiespalt er die auf Selbstzensur konditionierten Frauen stürzt. Ob die spektakulären Masken von Kazu Hiro, der Charlize Theron optisch in Megyn Kelly verwandelt, diesen wichtigen Meilenstein „authentischer“ machen, sei dahingestellt. Die herausragende Leistung der Darstellerinnen, angefangen von Oscarpreisträgerin Charlize Theron über Nicole Kidman bis hin zu Margot Robbie, überzeugt auf alle Fälle.

Autor: Luitgard Koch

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