Film-Tipp

Zwischen den Zeilen: Liebe in Zeiten der Digitalisierung

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Fragt der Schriftsteller: „Wie geht es deinem Mann?“ Antwortet die schöne Frau: „Ich denke, er betrügt mich!“ 

Turtelnd spazieren die beiden durch Pariser Altstadtgassen und dann zerwühlen sie mit ihrem feurigen Liebesleben ein Hotelbett. 

Textverarbeitung mag digitalisierbar sein, das Liebesleben ist es nicht, es bleibt unverwüstlich analog, körpernah, und dient zur Inspiration für die schönsten Filme des französischen Kinos. Olivier Assayas, Jahrgang 1955, berühmt geworden mit Epen wie „Après Mai“ und „Carlos“, Großgemälden zu Polit-Themen seiner Generation, gelingt mit „Doubles Vies“, seiner ersten Komödie, eine galante Gesellschaftssatire, ein brillant gespieltes, mit funkelnden Dialoggirlanden geschmücktes Karussell der amourösen Abenteuer und Affären.

Der Schriftsteller, Léonard (Vincent Macaigne), ist bekannt dafür, sein Liebesleben zu Romanen zu verarbeiten und dabei die wirklichen Geschehnisse nur sehr nachlässig zu tarnen. Die schöne Frau, Selena (himmlisch: Juliette Binoche), Schauspielerin im Zwiespalt von Kunst und Trash, das heißt von Rollen am Theater und dem Kommissarin-Part in einer TV-Krimiserie, ist Ehefrau des Verlegers, der Léonards Romane herausbringt: Alain (Guillaume Canet), ein smarter, renommierter Verlagsleiter, der gerade dabei ist, sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen.

Gleich zu Beginn streitet er subtil philosophisch mit seinem Autor über das allgegenwärtige Thema „Digitalisierung – Fluch oder Verheißung?“ Auch im Restaurant geht das Rededuell munter weiter – bis klar wird, dass es zwischen den Zeilen um ganz andere Dinge geht, zum Beispiel darum, dass Alain Léonards neuen Roman gar nicht herausbringen will. Ja, es wird viel geredet, in allen Tonlagen, ein Konversationsstück, aber es ist wie in den Filmen Eric Rohmers: der Dialog ist die Aktion. „Doubles Vies“ ist ein Assayas à la Rohmer mit einer Prise Woody Allen und dem drive eines „Modern Lovers“-Songs. Warum verteidigt Selena Léonards neuen Roman? Weil sie ihn wirklich gut geschrieben findet? Oder weil sie sich selbst, freilich verrätselt, im Roman vor aller Welt gespiegelt sehen will?

All das lässt sich heraushören und alles bleibt doch in einer wundersamen, magischen Schwebe. Keine Schwerkraft der Tragik oder des Gezeters, kein moralisierender Ernst, stattdessen Pariser Leichtigkeit des Seins. Es wird keiner beleidigt oder gedemütigt, was paradox klingt, weil ja reihum alle betrügen und betrogen werden, aber das Ringelspiel der Affären, so riskant es sein mag, folgt den Regeln der Eleganz und Galanterie.

Spielregeln, die – wiederum ähnlich wie bei Rohmer – die Frauen besser beherrschen als die Männer. Die Frauen erweisen sich als klug, verführerisch, charmant, haben Taktgefühl, die Männer verhalten sich eher tölpelhaft, besonders der Schriftsteller, der mit seinem theatralischen Geständniszwang die spielerische Eleganz zu torpedieren droht. Er offenbart seiner Frau: „Weißt du, ich hatte eine Affäre, also neben unserer Beziehung!“ Sie: „Ich weiß, ich hab‘ deinen Roman gelesen!“

Autor: Rainer Gansera

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