Film-Tipp

They Shall Not Grow Old: Neues von der Westfront

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They Shall Not Grow Old

Die Traumfabrik hat Peter Jackson, Schulabbrecher, filmischer Autodidakt und Kinomonomane, mit seiner insgesamt mit 17 Oscars prämierten „Herr der Ringe“-Trilogie erobert

FX-Spielereien begeistern den Neuseeländer, an der renommierten Effekte-Schmiede Weta Digital ist er beteiligt. Für seinen auf Super-8 gedrehten Kriegsfilm „World War Two“ hob er als Teenager im elterlichen Garten Schützengräben aus. Nun begibt er sich in „They Shall Not Grow Old“ wieder an die Front. Anlässlich des 100. Jahrestages der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages am 28. Juni 1919 startet die Dokumentation über den Ersten Weltkrieg, die der Regisseur seinem Großvater widmet, der von 1910 bis 1919 im 2. South Wales Borderers Infanterieregiment gedient hat.

Der Titel ist eine Zeile aus Laurence Binyons patriotischem Gedicht „For the Fallen“ – zu Deutsch: „Den Gefallenen“ – und nimmt Bezug auf die unzähligen Männer, die ihr Leben ließen. Zunächst rund zwanzig Minuten verwackelte, zerkratzte Schwarzweiß-Aufnahmen, eingebettet in einem dunklen Rechteck. Langsam erweitern sich die bewegten Bilder, wachsen, bis sie schließlich die Leinwand füllen und in satten Farben – grüne und braune Erdtöne herrschen vor – leuchten.

Ein Einstieg, der einen mitten ins Geschehen zieht. Ein authentisches, erschreckendes Erlebnis, basierend auf zig Metern historischen Originalmaterials, gelagert im Archiv des Londoner Imperial War Museum. Mit modernsten Mitteln wurde der alte, extrem brennbare und brüchige Nitro- bzw. Zelluloidfilm restauriert, dann koloriert und schließlich in 3D konvertiert. Kein OffText, ausschließlich Begleitkommentare von Veteranen, ausgesucht aus über 600 Stunden Interviews. Unmittelbarer geht es kaum, eindringlicher als jeder Spielfilm. Die Restauration auf nie dagewesenem Niveau lässt die Gnadenlosigkeit der Gefechte mit schmerzlicher Klarheit auferstehen.

Jung, 15, 16, 17 Jahre alt, ist der Großteil der Porträtierten: „Als sie zu uns kamen, waren sie verängstigte Kinder, die wir zu Soldaten machen mussten“. Diese werden – niedere Ränge zumeist – in ihrem grausamen Alltag gezeigt. Gebannt hört man ihren Ausführungen zu, staunt darüber, wie selbstverständlich sie sich haben rekrutieren lassen: „Ich habe meine gesamte Jugend geopfert, um einen Job zu erledigen.“ Panzer rollen durchs geschundene Land, Kolonnen von Verletzten, viele durch Giftgas erblindet, schleppen sich dahin, tote Pferde hängen im Stacheldraht, Geschütze werden abgefeuert, Explosionen schlagen tiefe Krater, Leichen türmen sich...

Dann Momente der Ruhe, fast noch gespenstischer. Gelebte Kameradschaft. Man stürzt sich aufs Freibier, scherzt, lobt wiederholt den Mut der deutschen Gegner, ein Feind, dem man auf Augenhöhe begegnet, lächelt freundlich in die Kamera des Wochenschauteams: „Wir sind in Film“, freut sich ein Gefreiter mit schlechten Zähnen und schiefem Grinsen. Eine spannende, zeitgeschichtlich bemerkenswerte Arbeit, die durch den Zusammenschnitt, die Einfärbung und die stereoskopische Bearbeitung fiktionalisiert und berührt.

Autor: Gebhard Hölzl

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