Film-Tipp

Monsieur Claude 2 - Zum Heulen schön

1 von 9
Monsieur Claude 2
2 von 9
Monsieur Claude 2
3 von 9
Monsieur Claude 2
4 von 9
Monsieur Claude 2
5 von 9
Monsieur Claude 2
6 von 9
Monsieur Claude 2
7 von 9
Monsieur Claude 2
8 von 9
Monsieur Claude 2

Fünf Jahre her, aber immer noch in bester Erinnerung, ist „Monsieur Claude und seine Töchter“

Ein Riesenerfolg – nicht nur in Frankreich, auch bei uns und anderswo. Vielleicht, weil der Film, in seiner krassen Überzeichnung aller nur erdenklichen rassistischen Vorurteile und Phobien alle Zuschauer dazu einlud, über sich selbst zu lachen. 

Zur Erinnerung: Alle vier Töchter des konservativ-katholisch-großbürgerlichen Provinz-Muster-Franzosen Claude Verneuil bringen nicht-opportune Schwiegersöhne ins Haus: Vom jüdischen Hallodri Daniel über den unorthodoxen Muslim Rachid, den smarten Chinesen Chao bis zum schwarzen Möchtegern-Superstar Charles. Dessen Papa André, zur Hochzeit angereist von der Elfenbeinküste, erwies sich dann, vorurteilsmäßig, allen Hiesigen noch weit überlegen ... was zu weiteren amüsanten Verwicklungen und schließlich zur wunderbaren Versöhnung aller Gegensätze führte.

Teil 2 behält diese die Seelen reinigenden Prinzipien bei. Claude und Marie (Christian Clavier und Chantal Lauby) haben auf einer Weltreise alle Schwiegereltern besucht – und können nicht verhehlen, dass sie mehr als froh sind, wieder zuhaus zu sein. Die vier Schwiegersöhne dagegen haben mittlerweile genug vom Scheitern ihrer Lebenspläne in Frankreich, überzeugen ihre Angetrauten – und planen, unabhängig voneinander, ihren Umzug in die Ferne. 

Was folgt: Ein Eklat beim Familientreff. Marie, die sich ihren Frust bei einsamen Nordic-Walking-Runden von der Seele läuft, hat die rettende Idee: Frankreich ist „the Place to be“. Also kriegt Charles die Othello-Rolle im Provinz-Theater, Daniel eine ganze Fabrik, Chao könnte Sparkassen-Direktor werden ... alles Bakschisch-mäßig ziemlich kostspielig, aber was tut man nicht in vermeintlich patriotischer Mission für den Familienzusammenhalt. 

Nebenbei zieht Arash, ein afghanischer Flüchtling, als Gärtner ein, dem Claude mit dem Spaten schon mal eins über die Rübe gibt, weil er ihn für einen Taliban hält. Und Charles‘ lesbische Schwester kommt, entgegen aller zwischenzeitlichen Hindernisse, am Ende glücklich unter die Haube ... Gelegentlich wird’s einem fast zu viel mit all den angehäuften Klischees, Bosheiten und Sticheleien. 

Faszinierend aber, wie im Genre des französischen Lustspiels, Regisseur de Chauveron und sein hinreißend eingespieltes Schauspielerteam immer wieder gekonnt alle riskanten Kurven nehmen. Es mag am Drehbuch liegen, an der Lust zur Improvisation – es gibt die Freude am Detail, unzählige Pointen, mal weniger gelungen, meist auf dem Punkt. Perfektes Boulevard-Theater. 

Die große Kunst dabei: Nie geht es unter die Gürtellinie! Eine so verletzliche Figur wie die depressive Ségolène, Chaos‘ Frau, deren düstere Bilder sich niemand gerne an die Wand hängen möchte, erfährt immer wieder Zuspruch. Arash, der’s im Kreuz hat, bekommt einen Stützgürtel geschenkt (und hätte mal besser Voltaren© genommen). Und es gibt, trotz aller krassen Sprüche, in Mimik, Gestik und Dialogen immer wieder ein klares „Bis hierher und nicht weiter“. 

Erfrischend: Wenn, in diesen hysterischen Zeiten, eine Komödie auf der sehr französischen, sehr europäischen (1789er)-Utopie beharrt: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Oder: Geht doch! Stellt Euch nicht so an!

Autor: Hermann Barth

Hier geht es zu unseren weiteren Kinotipps ab dem 4. April 2019

Auch interessant

Kinostarts ab dem 24.04.

Die Kinostarts der Woche

Die Kinostarts der Woche

Kinostarts ab dem 18.04.

Die Kinostarts der Woche

Die Kinostarts der Woche

Film-Tipp

Der Fall Collini - Ein Prozess, mustergültig

Der Fall Collini - Ein Prozess, mustergültig

Filmfestival 

Certain Women - Mit Humor, Stärke und Intellekt

Certain Women - Mit Humor, Stärke und Intellekt