Film-Tipp

Der Fall Collini - Ein Prozess, mustergültig

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Der Fall Collini

Wir sind Zeugen, als der 70-jährige Fabrizio Collini (Franco Nero) den hoch angesehenen deutschen Firmenpatriarchen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in seiner Berliner Hotelsuite regelrecht hinrichtet. Was soll das sein? Ein Mafia-Racheakt? Collini lässt sich widerstandslos festnehmen, schweigt, und will sich auch seinem Pflichtverteidiger, dem jungen Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek), nicht erklären.

Als der den Fall übernimmt, weiß er noch nicht, dass es sich bei dem prominenten Opfer um seinen väterlichen Freund, Gönner und Beinahe-Schwiegervater handelt. Caspars Jugendliebe Johanna (Anna Maria Lara) ist zutiefst empört, dass er den Mörder ihres Vaters verteidigt

Caspar aber beruft sich auf sein berufliches Ethos und die zu erfüllende Aufgabe, so, wie er das bei seinem Professor, dem berühmten Strafverteidiger Richard Mattinger (Heiner Lauterbach), gelernt hat. Der ihn mit guten Ratschlägen versorgt, sich kurz darauf aber als Leinens juristischer Gegner herausstellt – als er die Vertretung der Nebenklägerin Johanna übernimmt.

Das ist die Ausgangslage für einen spannenden Film. Mit einem großartigen Elyas M’Barek als charismatischer Identifikationsfigur. Caspar muss herausfinden, was Collini zu seiner Tat veranlasst hat – und stößt dabei, nach aufwändiger Recherche, auf ein weit in der Vergangenheit liegendes Verbrechen, das Hans Meyer, das Mord-Opfer, in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt, Collinis Tat nachvollziehbar macht – und einen bundesdeutschen Justizskandal der 1960er in den Mittelpunkt rückt, der, dank dieses Films, hoffentlich Eingang ins kollektive Gedächtnis findet. Die Vorlage zum Film ist der gleichnamige, 2011 erschienene Bestseller von Ferdinand von Schirach.

Der Fall Collini von Marco Kreuzpaintner

Verhandelt werden große Themen: Recht und Gerechtigkeit. Hier die Neigung skrupelloser Täter, das Recht nach Möglichkeit in ihrem Sinn zu beugen. Dort die Not der gedemütigten Opfer, die sich schließlich nicht mehr anders zu helfen wissen, als das Recht selbst in die Hand zu nehmen. 

Ein spannender Subtext erzählt, auf mehreren Ebenen, von Vater-Sohn-Beziehungen, traumatischen Verlusten, Ersatzvaterschaften, vermeint lichen und tatsächlichen Vorbildern und unheilvollen deutschen Männerbünden.

Interessant, dass es die naheliegenden Anleihen beim US-Gerichtsdrama gar nicht braucht, um den weit nüchterneren Prozessverlauf vor einem deutschen Strafgericht filmisch zu erzählen. Und, ja, auch den Skandal versteh- und erlebbar zu machen. Das gelingt, weil der Streit um Recht und Gerechtigkeit zwischen dem jungen Anwalt, der seine Ideale nicht verrät, und dem mit allen Wassern gewaschenen, längst zynisch gewordenen alten Juristen, der droht, sein Ansehen zu verlieren, im Gerichtssaal ausgetragen wird.

Ein schwierig zu erzählendes Kapitel deutscher (Justiz-)Geschichte in einen packenden, bewegenden Film für ein breites Publikum verwandelt zu haben, ist die tolle Leistung aller Beteiligten. Sehenswert!

Autor: Hermann Barth

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