Film-Tipp

Britt-Marie war hier: Aufbruch ins Leben

1 von 7
Britt-Marie war hier
2 von 7
Britt-Marie war hier
3 von 7
Britt-Marie war hier
4 von 7
Britt-Marie war hier
5 von 7
Britt-Marie war hier
6 von 7
Britt-Marie war hier
7 von 7
Britt-Marie war hier

„Ich glaub‘, ich hab mein Leben weggeputzt“, erkennt Britt-Marie allmählich rückblickend.

Ganze 40 Jahre war sie brav mit Kent (Peter Haber) verheiratet. Und genau so lange fristete sie ihr Dasein als perfekte Hausfrau. Nach ihrer Devise „Eins nach dem anderen“ arbeitet sie akribisch ihre To-Do-Listen ab. Da bleibt kein Stäubchen übrig. 

Aber als sie am Krankenbett ihres Mannes seiner wasserstoffblonden Affäre Camilla begegnet, handelt sie blitzschnell. Sie traut sich das, was wohl nur die wenigsten in ihrem Alter wagen würden: Sie lässt alles hinter sich und entscheidet sich mit 63 für einen Neubeginn.

Sie landet in Borg, einem kleinen Ort. Dort gibt es ein Jugendzentrum ohne Hausmeister, weil es sowieso bald geschlossen und abgerissen werden soll. Durch einen Fehler wird die Stelle trotzdem nochmal ausgeschrieben. Freilich auf drei Monate befristet. Britt-Marie sorgt für frischen Wind. Ihre neue Rolle: Trainerin der desolaten Jugend-Fußballmannschaft. Ein Job, der ihr als Fußballmuffel einiges abverlangt. 

Der anfängliche Spott der Kinder und Jugendlichen, die meist Migrationshintergrund haben, perlt an ihr ab. Stoisch widmet sie sich der Aufgabe: Sei es schmutzige Kragen mit Backpulver zu behandeln oder mittels eines abgegriffenen Handbuches Fußballregeln zu lernen. Und so wirkt sie wie ein Fels in der Brandung, der Orientierung verspricht. Das merken auch ihre Schützlinge Sani (Lancelot Ncube), Omar (Elliot Alabi Andersson) und Vega (Stella Oyoko Bengtsson).

Neben den vorlauten Kids gibt es noch den zurückhaltenden Dorfpolizisten Sven (Anders Mossling) sowie den jovialen Pizza-Bäcker Memo (Mahmut Suvakci), der sich auch als örtlicher Glaser verdingt. Zudem hat Sven offenbar ein Auge auf Britt-Marie geworfen. Auf liebenswert ungeschickte Weise versucht er sich ihr zu nähern. Unterdessen weckt ihre neue Tätigkeit wieder das Interesse ihres Noch-Ehemanns Kent.

Der Film beruht auf dem gleichnamigen Bestseller des schwedischen Schriftstellers Frederik Backmann. In der Hauptrolle glänzt die schwedische Schauspielerin Pernilla August („Fanny und Alexander“), die einst von Ingmar Bergman entdeckt wurde. Ihre außergewöhnliche Heldin muss man einfach lieben. Bei der erfahrenen Mimin, die in so gut wie jeder Einstellung zu sehen ist, spürt man, wie viel Freude sie an ihrem herausfordernden Part und seiner Entwicklung hatte. Glaubhaft gelingt es ihr, die Metamorphose von der zwanghaften Hausfrau zu einer selbstständig handelnden Frau zu verkörpern. 

Die lakonisch warmherzige Tragikomödie bezieht ihren Charme nicht zuletzt aus einem klassischen „Fish out of Water“-Szenario, in dem es die Hauptfigur in ein ungewohntes soziales Umfeld verschlägt. So humorvoll und berührend wie die schwarze Komödie „Ein Mann namens Ove“ und ein Anstoß, dass die Suche nach persönlicher Erfüllung und dem wahren Ich nie zu spät sein kann. Niemand muss sich mit einem Leben arrangieren, in dem Trott und Gewohnheit die einzigen Begleiter sind.

Autor: Luitgard Koch

Unsere weiteren Filmtipps findet ihr hier

Auch interessant

Kinostarts ab dem 17.10.

Kinostarts der Woche

Kinostarts der Woche

Filmtipp

Ihr da oben, wir da unten

Ihr da oben, wir da unten

Kinostarts ab dem 10.10.

Kinostarts der Woche

Kinostarts der Woche

Kinostarts ab dem 03.10.

Kinostarts der Woche

Kinostarts der Woche